Brände in Australien Die Bilanz der Feuerkatastrophe

Australien erlebte jüngst die verheerendsten Brände in der Geschichte des Landes. Nun ziehen Forscher Bilanz, welchen Schaden die Flammen angerichtet haben.
Chase National Park auf Kangaroo Island: Die Brände verwüsteten 12 Millionen Hektar Land

Chase National Park auf Kangaroo Island: Die Brände verwüsteten 12 Millionen Hektar Land

Foto: David Mariuz/ EPA-EFE/ REX

Die Feuer in Australien während der Brandsaison von August 2019 bis März 2020 haben einen Großteil des Lebensraums von mindestens 70 einheimischen Tierarten zerstört, berichten Forscher im Fachblatt "Nature Ecology and Evolution" . 21 der Tierarten galten bereits als vom Aussterben bedroht, die Flammen haben ihre Überlebenschancen weiter geschmälert. Wegen der Feuer müssen sehr wahrscheinlich noch weitere Arten als gefährdet eingestuft werden.

Die Brände hatten in sechs der insgesamt acht australischen Bundesstaaten und Territorien mehr als zwölf Millionen Hektar Land verwüstet. Mindestens 33 Menschen kamen ums Leben. Schätzungen zufolge könnten mehr als eine Milliarde Tiere gestorben sein.

Dass es in Australien häufiger zu Bränden kommt, ist normal. Viele Arten sind sogar auf das Feuer angewiesen. In den vergangenen Jahren ist das Risiko für schwere Brände jedoch deutlich gestiegen. Eine Ursache dafür ist der Klimawandel, zeigen Analysen. Inzwischen sind auch Gebiete betroffen, in denen es nur selten zu Feuern kommt und in denen das Ökosystem besonders lange braucht, um sich davon zu erholen.

Auch im internationalen Vergleich waren die australischen Brände beispiellos. Laut den Forschern wüteten die Flammen 50-mal heftiger als bei den bisher verheerendsten Bränden in Kalifornien und verbrannten eine Fläche fünfmal größer als die Brände am Amazonas im vergangenen Jahr.

"Die Zahl vieler von den Feuern betroffener Arten war wegen Dürren, Krankheiten, Zerstörung von Lebensräumen und invasiven Arten bereits rückläufig", sagte Michelle Ward von der Queensland University, die an der Studie mitgearbeitet hatte. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass diese Megabrände die Situation möglicherweise erheblich verschlechtert haben, indem sie die Populationszahlen und die Nahrungsquellen verringert sowie den Lebensraum für viele Jahre unbewohnbar gemacht haben."

Nirgendwo ist die Aussterberate von Säugetieren so hoch wie in Australien

Die Forscher forderten die Regierung in Canberra auf, dringend zu bewerten, ob 49 nur in Australien vorkommende Arten - die bislang nicht als gefährdet galten - im Zuge der Feuer in die Liste bedrohter Tierarten aufgenommen werden müssen. Denn nur dann sind weitere Untersuchungen zu ihrer Verbreitung vorgesehen. Bisher werden laut den Forschern die Bestände vieler Tierarten nicht ausreichend untersucht, obwohl die australische Flora und Fauna einzigartig und deshalb besonders schützenswert ist.

In einigen Fällen zerstörten die Flammen 80 Prozent des bekannten Lebensraums der untersuchten Arten. Tiere wie der Frosch Philoria pughi oder das Hundskusu-Beuteltier werden wegen der Feuer wahrscheinlich auf die Liste der bedrohten Tierarten rücken. Bisher galten ihre Populationen als stabil, doch die Flammen haben einen Großteil ihres Lebensraums zerstört. Die Arten kommen ausschließlich in Australien vor.

Diese Schafe haben die Brände knapp überlebt

Diese Schafe haben die Brände knapp überlebt

Foto: Aalkis Konstantindis/ REUTERS

Im schlimmsten Fall könnte der Anteil der gefährdeten Arten durch die Feuer um 14 Prozent zunehmen, warnen die Forscher. Dabei sind schon jetzt nirgendwo sonst auf der Welt so viele Säugetiere vom Aussterben bedroht wie in Australien.

Die Brände hatten Premierminister Scott Morrison unter Druck gesetzt, der die Auswirkungen der Feuer zunächst kleingeredet und die Rolle des Klimawandels geleugnet hatte. Erst nach heftiger Kritik lenkte er ein und bezeichnete die Brände als einen "schwarzen Sommer für Australien". Sein Politikkurs gilt als besonders wirtschaftsfreundlich. Australien ist mit Abstand der größte Kohleexporteur der Welt.

Die Forscher fordern eine nachhaltige Bewirtschaftung, die die Lebensräume von gefährdeten Tieren nicht noch weiter zusammenschrumpfen lässt. "Megabrände bedrohen nicht nur die einheimische Tierwelt", schreiben die Forscher, "sondern wirken sich auch auf menschliches Leben und Eigentum aus."

koe/dpa
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