Imitation von menschlicher Sprache »You bloody fool«, flucht die Ente

Dass manche Papageien in der Lage sind, menschliche Laute nachzuahmen, ist bekannt. Offenbar sind aber auch australische Moschusruderenten sprachbegabt – und ein bisschen unflätig.
Moschusruderenten leben nur in Australien. Ein Vertreter dieser Art sorgt nun für wissenschaftlichen Wirbel.

Moschusruderenten leben nur in Australien. Ein Vertreter dieser Art sorgt nun für wissenschaftlichen Wirbel.

Foto: Martin Pelanek / iStockphoto / Getty Images

Die australische Moschusente »Ripper« ist ein besonderer Vogel. Denn sie ist offensichtlich in der Lage, menschliche Lautäußerungen zu erlernen und nachzuahmen. Das zeigt eine neue Studie, die in der Zeitschrift »Philosophical Transactions of the Royal Society B«  veröffentlicht worden ist.

Und das zeigt auch diese Aufnahme:

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In dem Clip, den die Zeitschrift »New Scientist« auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht hat, ist zu hören, wie die Ente verschiedene Laute imitiert: das Geräusch, das die Tür zum Vogelhaus macht, und das Schimpfen eines Pflegers. Ab Sekunde 28 ist »You bloody fool« zu hören, auf Deutsch so viel wie »Du verdammter Idiot«. Die Laute stammen aus dem Schnabel der Ente.

Verschiedene Vögel können Laute erlernen

Das ist nicht nur kurios, sondern auch wissenschaftlich interessant. »Der Erwerb von Lautäußerungen durch Lernen von anderen Individuen ist nur von einer begrenzten Anzahl von Tiergruppen bekannt«, heißt es in der Studie. Aber: Bislang wusste man von einigen Singvogelarten, von Papageien und Kolibris, dass sie diese Fähigkeit besitzen. Nun liefere Ripper den ersten Beweis dafür, dass auch australische Moschusenten (Biziura lobata) in der Lage seien, Laute zu erlernen.

Veröffentlicht hat die Untersuchung der Biologe Carel ten Cate, Professor für Verhaltensbiologie an der Universität Leiden in den Niederlanden. Dem Bericht des »New Scientist«  nach war ten Cate fasziniert, als er von einer sprechenden Ente in Australien hörte. Er machte den inzwischen pensionierten australischen Wissenschaftler Peter J. Fullagar ausfindig, der das Phänomen vor mehr als 30 Jahren erstmals beobachtet hatte. Denn: Fullagar hatte die Ente Ripper von Hand aufgezogen. Und er hatte in dieser Zeit die Lautäußerung seines Zöglings aufgenommen.

Moschusruderenten, die man auch Lappenenten nennt, kommen nur in Australien vor. Normalerweise lernen die Wasservögel Pfeiftöne von ihren älteren Schwarmkameraden. Ripper war 1983 in einer Auffangstation in einem australischen Naturreservat geschlüpft, er wurde von Hand aufgezogen. Erst vier Jahre später kam er in die Gesellschaft weiterer Artgenossen. Und in diesen vier Jahren lernte die Ente offensichtlich Laute und Worte aus ihrer vertrauten Umgebung.

Eine ziemlich komplexe »Entenvokalisation«

Die Beobachtungen belegten »das Vorhandensein eines fortgeschrittenen Lauterwerbs auf einem Niveau, das mit dem von Singvögeln und Papageien vergleichbar ist«, heißt es in der Studie. Und: »Die Struktur der Entenvokalisationen weist auf eine recht ausgefeilte und flexible Kontrolle des Vokalproduktionsmechanismus hin.«

Rippers Flüche stützten außerdem die Hypothese, dass sich das Vokallernen bei Vögeln in mehreren Gruppen unabhängig voneinander entwickelt hat.

Der australische Vertreter ist nicht die einzige Moschusruderente, die fremde Geräusche nachmacht. Es seien, heißt es in der Untersuchung, weitere Fälle bekannt – etwa zwei Moschusenten aus dem Vereinigten Königreich, die wahlweise wie ein schnaubendes Pony oder wie ein hustender Pfleger klingen können. Weil die Enten sich in der Regel aber eher aggressiv verhalten, werden sie selten in Gefangenschaft gehalten. Und ihr Sprachtalent ist erst jetzt aufgefallen.

vki
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