Bärenangriffe Länger leben dank Pfefferspray

Die Begegnung mit einem Bären in freier Wildbahn kann für Menschen leicht tödlich enden. Ein Forscherteam aus den USA und Kanada hat jetzt herausgefunden: Pfefferspray ist deutlich effektiver als jede Schusswaffe - selbst bei rauem Wind.

16 Jahre im Bärengebiet und keine einzige Schramme: Die Bilanz von Thomas Smith kann sich sehen lassen. "Ich wünschte, ich hätte gruseligere Geschichten zu erzählen", sagt der Bärenforscher von der Brigham Young University im US-Bundesstaat Utah. "Aber ich habe mich gut benommen."

Oft ist Unachtsamkeit Schuld an unerfreulich verlaufenden Zusammentreffen zwischen Mensch und Bär. Doch in manchen Fällen, etwa wenn Wanderer zufällig zwischen eine Bärin und ihre Jungen gelangen, hilft alle Vorsicht nichts: Die Tiere greifen an, weil sie ihren Nachwuchs bedroht sehen. Ein Team um Smith hat nun untersucht, wie sich Menschen am besten verteidigen können. Die Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Journal of Wildlife Management" vorgestellt.

Prinzipiell ging es um die Frage, ob Schusswaffen oder Pfefferspray ein größeres Maß an Schutz bieten. Die Forscher werteten Erfahrungsberichte von Bär-Zwischenfällen aus, die sich in den vergangenen 20 Jahren in Alaska zugetragen hatten. Hier leben immerhin 150.000 der zotteligen Raubtiere. Das Ergebnis: Menschen werden bei einem Zusammentreffen mit Bären nur selten verletzt. Von den 175 Männern und Frauen, die einem Bär Auge in Auge gegenüber gestanden hatten, seien nur drei zu Schaden gekommen.

Abwehrspray kann Bären auch anlocken

Vergleichsweise schlecht war die Erfolgsquote, wenn Feuerwaffen zur Selbstverteidigung eingesetzt wurden: In nur 67 Prozent der Fälle waren die Schüsse erfolgreich. Im Schnitt mussten verschreckte Bärenopfer immerhin vier Mal schießen, bis die Attacke zu Ende war. Als deutlich effektiveres Abwehrmittel erwies sich Pfefferspray. Wer den Schutz aus der Dose dabei hatte, konnte in 92 Prozent der Fälle erleichtert aufatmen: Die Bären wichen zurück. Selbst bei Wind habe das Spray in den meisten Fällen funktioniert.

Nach Ansicht von Smith ist ein Teil des Erfolgs damit zu erklären, dass Spray-Benutzer standhaft blieben. Während sie mit der Dose auf den Bären hielten, bewegten sie sich nicht vom Fleck. Das zahlte sich aus, weil Wegrennen eine denkbar schlechte Alternative gewesen wäre. Bären können sich auf kurzen Strecken schneller fortbewegen als Rennpferde. Wer stehen bleibe, sagt Smith, zeige, dass er zu fürchten sei: "Die Bären könnten jeden Menschen angreifen, wenn sie wollen. Aber das wissen sie nicht."

Doch auch beim Sprayen gebe es etwas zu beachten: Die Rückstände können Smith und seinen Kollegen zufolge in manchen Fällen auch Bären anlocken. Die Tiere seien sehr neugierig. Wer also mit dem Bärenschutz-Spray üben wolle, der solle dies am besten weit außerhalb des Lebensraums der Bären tun. Sonst könne das Abwehrmittel ganz ungewollt zum Lockstoff werden.

chs

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