Bäume in Deutschland Meteorologen rätseln über späten Blattfall

Bäume behielten in diesem Jahr ungewöhnlich lange ihre Blätter. Experten präsentieren eine Erklärung.

Veränderung der Blätter einer Eiche in Niedersachsen vom 12.10.2018 (o.l) über den 07.11.2018 (o.r) und 27.11.2018 (u.l) bis zum 10.12.2018 (u.r)
DPA

Veränderung der Blätter einer Eiche in Niedersachsen vom 12.10.2018 (o.l) über den 07.11.2018 (o.r) und 27.11.2018 (u.l) bis zum 10.12.2018 (u.r)


2018 ist das wärmste Jahr in Deutschland seit Messbeginn 1881. Zudem war es eines der drei trockensten Jahre seit Messbeginn. Die Dürre hinterlässt Spuren.

Flüsse waren monatelang stark geschrumpft, sie füllen sich nur langsam. Getreidefelder und Wiesen verdorrten. Jetzt meldet der Deutsche Wetterdienst DWD, welche Folgen der Regenmangel für Bäume hatte.

"Ende November kehrte in der Pflanzenwelt Winterruhe ein", berichtet der Wetterdienst. Doch das geschah mit Verzögerung: "Interessant war zu beobachten, dass der herbstliche Blattfall vieler Baumarten in diesem Jahr außergewöhnlich spät einsetzte." Betroffen gewesen sei auch die Stiel-Eiche, deren Blattfall den Beginn des phänologischen Winters markiert.

Einbußen bei Kartoffeln

Vermutlich habe die Trockenheit den Stoffwechselprozess der Bäume gestört, glauben die DWD-Experten. Normalerweise bilden Pflanzen im Herbst an der Basis der Blattstile ein Gewebe, das die Trennung vom Baum beschleunigt. Dieses Jahr jedoch sei die Schicht bei zahlreichen Bäumen wohl nicht komplett ausgebildet worden. Der wissenschaftliche Beweis für die Theorie stehe jedoch aus.

Die Dürre habe sich bis Ende November nicht gemildert, berichtet der DWD in seiner Herbstbilanz. Außer im Süden Bayerns gab es kaum eine Gegend in Deutschland, in der nicht erheblicher Regenmangel herrschte.

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Die Folgen bekam vor allem die Landwirtschaft zu spüren: Bei der Rodung von Kartoffeln und Zuckerrüben gab es vielerorts Einbußen. Die Trockenheit habe zudem zu Aufwuchsproblemen bei den Winterkulturen geführt. Winterraps etwa musste vielerorts spät gesät oder konnte gar nicht ausgebracht werden.

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Im Herbst hat sich das ungewöhnlich sonnige Wetter fortgesetzt. 2018 hätte im landesweiten Durchschnitt weit mehr als 2000 Stunden lang die Sonne geschienen. Der bisherige Sonnenscheinrekord in Deutschland werde bis Ende des Jahres übertroffen, teilt der DWD mit.

boj



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