Ginkgo und Co. Sind uralte Bäume unsterblich?

Als sie keimten, lebten die Menschen in Europa noch in der Steinzeit. Nun streiten Wissenschaftler, ob einige Baumarten den Alterungsprozess sogar komplett aushebeln.
Zypresse von Abarqu in Iran: Die 4000 Jahre sieht man dem Baum nicht an

Zypresse von Abarqu in Iran: Die 4000 Jahre sieht man dem Baum nicht an

Foto: John Moore/ Getty Images

Seit 5000 Jahren wächst Methuselah nun schon im Inyo National Forest im US-Bundesstaat Nevada. Und die langlebige Kiefer ist längst nicht der einzige Baum, der es auf ein stattliches Alter bringt. Die Zypresse von Abarqu in Iran ist mehr als 4000 Jahre alt. Einer der ältesten Bäume in Europa ist die Edelkastanie der hundert Pferde auf Sizilien, die auf ein Alter von 2000 bis 4000 Jahren geschätzt wird. (Mehr zu den ältesten Bäumen lesen Sie hier .)

Pflanzen haben raffinierte Mechanismen entwickelt, um dem Alterungsprozess zu trotzen. Hohe Temperaturen, Nährstoffmangel und Dürren können sie überdauern.

"Betrachtet man den Baum als Ganzes, ist kein Alterungsprozess erkennbar"

Ginkgo-Bäume haben besonders effiziente Tricks gegen das Altern parat. Sie wehren Krankheiten mühelos ab, wachsen lieber weit weg von Artgenossen, um sich nicht um Nährstoffe streiten zu müssen, und wenn doch mal etwas schiefgeht, treiben sie am Stamm neu aus.

Ein chinesisches Forscherteam spekulierte deshalb im Fachblatt "PNAS" , die Bäume könnten sogar potenziell unsterblich sein. Die Forscher hatten Ginkgos untersucht, die zwischen 15 und 667 Jahre alt waren. Ergebnis: Auch sehr alte Exemplare hielten in mehreren Disziplinen locker mit jüngeren Artgenossen mit, von der Samenkeimung bis zur Energiegewinnung durch Fotosynthese. In bestimmten Zellen waren aufgrund des Alterungsprozesses zwar einige Gene weniger aktiv, aber: "Betrachtet man den Baum als Ganzes, ist kein Alterungsprozess erkennbar", berichteten die Forscher.

Doch das sehen längst nicht alle Botaniker so. Bäume könnten zwar uralt werden, schreibt Sergi Munné-Bosch von der Universität Barcelona nun in einem Debattenbeitrag für das Fachblatt "Trends in Plant Science" . "Aber sie sind nicht unsterblich." Bäume sind demnach genauso von den Abnutzungserscheinungen des Alterns betroffen wie andere Organismen auch.

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Die ältesten Bäume Deutschlands

Foto: Bernd Wüstneck/ dpa

Seiner Meinung nach sind Alterungsprozesse bei sehr alten Bäumen nur schwer festzustellen. Einerseits können wegen der extremen Zeiträume keine Langzeitbeobachtungen gemacht werden. Außerdem gibt es kaum Vergleichsexemplare.

"Wenn eine Baumart 5000 Jahre alt werden kann, ist es sehr schwer, auch nur zwei Bäume zu finden, die zwischen 2000 und 5000 Jahre alt sind", sagt Munné-Bosch. Für sehr alte Bäume ist es ohnehin wahrscheinlicher, an äußeren Faktoren wie einem Brand, einer Dürre oder einer Krankheit zu sterben als an Altersschwäche.

Welche Forscher recht haben, wird sich wohl erst in einigen Jahrtausenden zeigen.

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