Blue Holes Archäologie in der Unterwelt

Auf der Suche nach Fossilien tauchen Unterwasserarchäologen in die Blue Holes der Bahamas. Mithilfe einer neuen Technik können sie die Funde zu Hause erforschen - und trotzdem in den Höhlen lassen.

Robert Marc Lehmann/ SPIEGEL TV

Höhlentauchen gilt als die gefährlichste Disziplin des Tauchens. Nur nach einer speziellen Ausbildung darf man in die unter Wasser stehenden Labyrinthe vordringen. Dort müssen Taucher in der Lage sein, Probleme sofort lösen zu können, ansonsten sind sie in Lebensgefahr. Denn die Höhlen haben keinen Notausgang.

Unterwasserarchäologe Florian Huber wagt sich mit seinem Team in die Blue Holes auf den Bahamas. Rund tausend dieser gefluteten Höhlen existieren dort - nirgendwo sonst finden sich so viele. Huber sucht nach Fossilien, die er mit einer neuen Technik abbildet, der 3D-Modellierung. So rekonstruiert er vergangene Lebenswelten.

Zeitkapseln unter Wasser

Das sauerstoffarme Wasser in den Höhlen hat menschliche und tierische Skelette über Jahrtausende konserviert. Deshalb sind die Blue Holes ganz besondere Zeitkapseln.

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Unterwasserarchäologie: Abtauchen ins Blue Hole

Entstanden sind die Höhlen in der Eiszeit. Die Vergletscherung unseres Planeten ließ den Meeresspiegel weltweit um bis zu 130 Meter sinken. Weite Teile der Riffe aus Kalkstein, die den Untergrund der Bahamas bilden, fielen trocken. Durch Risse drang Regen ein und löste den Kalk auf, weitverzweigte Karsthöhlen bildeten sich. Eingestürzte Höhlendecken bilden die heute charakteristischen runden Löcher. Gegen Ende der letzten Eiszeit, vor rund 12.000 Jahren, stieg der Meeresspiegel wieder an und flutete die Höhlen.

Um auf archäologische Funde zu stoßen, müssen die Forscher tief ins Innere der Höhle vordringen. Florian Huber hofft, Knochenreste zu finden, die sich für eine 3D-Modellierung eignen. Meter für Meter durchkämmt er das weitverzweigte Höhlensystem.

Bei einer Expedition hat er Glück: Im Kegel seiner Taschenlampe entdeckt er einen Krokodilschädel, der aus dem Höhlenboden ragt. Die Art ist auf den Bahamas seit rund 4000 Jahren ausgestorben.

Der Archäologe fotografiert den Schädel von allen Seiten, er muss sich beeilen. Seine Flossenschläge wirbeln in dem Bereich der Höhle Sediment auf, sodass er kaum etwas sehen kann. Zudem ist die Höhlendecke sehr fragil. Eine ungewollte Berührung - und Teile der Decke würden das kostbare Fossil begraben.

Krokodilschädel am Höhlengrund
Florian Huber/ SPIEGEL TV

Krokodilschädel am Höhlengrund

In kürzester Zeit macht der Forscher rund achtzig Aufnahmen. Das genügt, um aus den Bildern später ein 3D-Modell zu berechnen. Der Vorteil dieser Methode: Der Fundort wird nicht zerstört, und die Überreste des Rauten-Krokodils können weiterhin unversehrt in der Tiefe ruhen.

Völlig neue Möglichkeiten

Die 3D-Modellierung beruht auf der sogenannten Photogrammetrie: Aus einer Vielzahl überlappender Fotos wird ein Objekt dreidimensional rekonstruiert. Das räumliche Modell des Krokodilschädels errechnet ein Computerprogramm.

Die Methode eröffnet neue Möglichkeiten für die Dokumentation von Unterwasserfunden. "Ich kann das 3D-Modell eines fossilen Fundes auf den Bahamas zu Hause in Ruhe studieren und Kollegen weltweit zur Verfügung stellen", sagt Huber. Für den Wissenschaftler aus Kiel steht fest, dass die 3D-Modellierung die Methode der Zukunft in der Unterwasserarchäologie sein wird.


Mehr zum Thema bei "Terra X - Abenteuer Karibik" am Sonntag, den 30.07.2017, 19.30 Uhr im ZDF



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frenchie3 30.07.2017
1. Und im nächsten Schritt
das ganze mit Tauchrobotern in größeren Tiefen. Geniale Sache
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