Bali Biologen entdecken acht neue Käferarten

Im Berg-Regenwald auf Bali haben Insektenkundler acht bislang unbekannte Arten gefunden. Die winzigen Rüsselkäfer stellen eine Evolutionstheorie auf den Kopf.

DPA

Karlsruhe - Die Entdeckung von acht unbekannten Käferarten auf der indonesischen Insel Bali stellt bisherige Vermutungen zur Evolution der Fauna in Südostasien in Frage. Das berichten Wissenschaftler aus Deutschland und Indonesien in der jüngsten Ausgabe der britischen Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B". Darin beschreiben die Autoren, dass die heute auf Bali lebenden Rüsselkäfer-Arten von Spezies aus Neuguinea abstammen.

Dort gibt es mehr als 300 Arten dieser Gattung. Anhand von molekulargenetischen Untersuchungen wiesen die Forscher nach, dass verschiedene Vorfahren der heute auf Bali lebenden Rüsselkäfer-Arten zu unterschiedlichen Zeiten die indonesische Insel erreichten. Klar ist inzwischen auch, dass diese Tiere auf einem weiten Weg von Osten kamen und nicht von der viel näher gelegenen Insel Java im Westen.

Östlich liegt die sogenannte Wallace-Linie. Sie trennt die asiatische Tierwelt von der eher australisch geprägten Fauna - jedenfalls besagt das eine Evolutionstheorie, die im Jahr 1859 vom britischen Wissenschaftler Alfred Russel Wallace aufgestellt wurde. "Das Interessante ist, dass diese Rüsselkäfer sich überhaupt nicht daran halten", sagt der an der Studie beteiligte Insektenkundler Alexander Riedel vom Naturkundemuseum Karlsruhe. Denn ganz offensichtlich haben die Käfer die Linie auf ihrem Weg nach Bali überschritten.

Wie aber sind ihre Verwandten auf die Insel Bali gekommen, obwohl die nur wenige Millimeter großen Käfer nicht fliegen können? Diese Frage konnte bislang noch nicht sicher geklärt werden.

Exkursion mit Räucherstäbchen und Blumenopfern

Welchen Platz die kleinen Rüsselkäfer der Gattung Trigonopterus in der Evolution einnehmen, wird derzeit unter anderem in Karlsruhe untersucht. Im dortigen Staatlichen Museum für Naturkunde beschäftigt sich Alexander Riedel damit, die neuen Arten wissenschaftlich exakt zu beschreiben und ihnen einen Namen zu geben. "Da ist ist man völlig frei, aber der Artname sollte auch nachvollziehbar sein", sagt der Entomologe, der die Rüsselkäfer auf Bali entdeckte.

Auf Bali erkundet Riedel seit 2001 in regelmäßigen Exkursionen die feuchte Laubschicht der unberührten Bergwälder. Dabei wird der Käferforscher von Einheimischen begleitet, die den Bergwäldern mit Ehrfurcht begegnen. "Die Balinesen sind oft sehr gläubig", sagt Riedel. "An der Grenze des Waldes entzünden sie erst einmal ein paar Räucherstäbchen und bringen ein kleines Blumenopfer dar. Sie beten, dass man die Götter nicht stört und um einen Segen für den Aufenthalt im Wald."

Diese Haltung könnte dazu beitragen, die bedrohten Regenwälder zu erhalten - und damit auch den Lebensraum der Rüsselkäfer zu sichern. Im Nationalpark Bali Barat leben die Käfer in Höhen ab 450 Metern über dem Meeresspiegel.

che/dpa



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
horstborschtsch 19.03.2014
1. 8 neue Arten
Bei Rüsselkäfern sind acht neu beschriebene Arten in einer Gattung überhaupt nichts besonderes. Kürzlich wurden u.a. von Herrn Riedel 101 neue Arten in einer Rüsselkäfergattung beschrieben. Das war wirklich spektakulär!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.