Bau in der Antarktis Gigantisches Neutrino-Observatorium ist fertig

Es ist ein Projekt der Superlative: 1500 Meter unter dem antarktischen Eis haben Forscher ein 1000 Meter langes Neutrino-Observatorium gebaut. Icecube soll Hochenergie-Neutrinos registrieren, die milliardenfach die Erde durchqueren.

Berkeley Lab News Center

Am Wochenende war es so weit: Forscher ließen das letzte mit Photodetektoren bestückte Kabel in ein 2450 tiefes Eisloch hinabgleiten. Damit ist der riesige Neutrino-Detektor Icecube in der Antarktis fertig gebaut. Insgesamt 86 solcher Löcher hatten die Forscher in das Eis am Südpol gebohrt. An den 86 Kabeln sind mehr als 5000 Sensoren befestigt, die feine Lichtimpulse registrieren sollen, die von Neutrinos ausgelöst werden.

"Mit der Fertigstellung von Icecube ist der Traum eines kilometergroßen Neutrino-Detektors aus den siebziger Jahren schließlich wahr geworden", sagte der Physiker Francis Halzen von der University of Wisconsin-Madison. Er koordiniert das Forschungsprojekt, an dem Wissenschaftler und Institute aus der ganzen Welt beteiligt sind. "Jetzt kann die Arbeit beginnen."

An Icecube wird seit 2004 gebaut. Die im Eis versenkten Sensoren beobachten ein Volumen von einem Kubikkilometer Eis 1450 bis 2450 Meter unter der Oberfläche. Die Lage am Südpol und die große Tiefe sollen sicherstellen, dass bei den Messungen möglichst wenige Störungen auftreten. Das Observatorium muss so groß sein, weil Hochenergie-Neutrinos zwar milliardenfach die Erde durchqueren, Kollisionen mit Materie aber sehr selten sind. Icecube wird nur einige hundert solcher Zusammenstöße pro Tag registrieren. Bei den Minicrashs von Neutrinos mit den Kernen von Sauerstoffatomen entstehen sogenannte Myonen, die Strahlung aussenden. Diese Strahlung wird von den Sensoren erfasst.

Beim Aufbau von Icecube durften die Wissenschaftler keine Fehler machen. Die 86 fast 2500 Meter langen Kabel mit den Lichtsensoren sind nach dem Absenken in die Bohrlöcher im Eis eingefroren. "Wir kommen an sie genauso schlecht heran wie an einen Satelliten im Orbit", sagte Spencer Klein vom Berkeley Lab. Die Sensoren seien jedoch sehr robust und zuverlässig, versicherte er.

Neutrinos sind ungeladene Elementarteilchen von sehr geringer Masse. Sie entstehen beim radioaktiven Betazerfall, aber auch bei der Kernfusion in der Sonne. Mit Icecube wollen Forscher Teilchen nachweisen, die in höheren Atmosphärenschichten entstehen, aber auch jene Neutrinos finden, die bei Gamma-Ausbrüchen im Zentrum von Galaxien und bei der Auslöschung von Antimaterie entstehen.

hda

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.