35 Jahre nach Tschernobyl Wildschweine in Bayern noch immer radioaktiv belastet

Wildschweine suchen einen Großteil ihrer Nahrung im Boden. Doch bestimmte Pilzarten sind 35 Jahre nach Tschernobyl noch kontaminiert – und so auch die Tiere, die sie fressen.
Wildschwein in Bayern (Archiv): Erhöhte Messwerte sind keine Seltenheit

Wildschwein in Bayern (Archiv): Erhöhte Messwerte sind keine Seltenheit

Foto: D. u. M. Sheldon / picture alliance / blickwinkel/D. u. M. Sheldon

Wildschweine in Bayern weisen 35 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl immer noch eine hohe Strahlenbelastung auf, wie der Bayerische Jagdverband meldet. Messwerte über dem Grenzwert von 600 Becquerel Radiocäsium pro Kilogramm seien keine Seltenheit.

Dies liegt an den Lebensgewohnheiten dieser Wildart – Wildschweine suchen im Gegensatz zu anderen Wildtieren einen Großteil ihrer Nahrung im Boden, etwa Wurzeln, Pilze und Engerlinge heißt es in der Pressemitteilung des Verbandes.  Diese sind laut dem Bundesamt für Strahlenschutz ein besonders guter Speicher für das radioaktive Cäsium , das nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl vor allem über Süddeutschland niedergegangen und langsam in tiefere Bodenschichten gewandert ist.

Damit nur einwandfreies Fleisch auf den Teller der Verbraucher kommt, hat der Jagdverband in den Neunzigerjahren damit begonnen, ein flächendeckendes Netz von Radiocäsium-Messstationen zu errichten, das mittlerweile weit ausgebaut wurde.

Tschernobyl wieder für Touristen zugänglich

Der Freistaat betreibt inzwischen 124 Messstationen. Fleisch, das mit mehr als 600 Becquerel pro Kilo belastet ist, muss nach den strengen deutschen und europäischen Fleischhygienerichtlinien vernichtet werden. Es ist zum Verzehr nicht mehr geeignet. Jäger können beim Bundesverwaltungsamt eine Entschädigung beantragen.

In der größten Atomkatastrophe der zivilen Kernkraftnutzung war es am 26. April 1986 im Block vier des damals noch sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl zu einer Explosion gekommen. Tausende Menschen starben an den Folgen, Zehntausende wurden zwangsumgesiedelt.

Mittlerweile ist das Sperrgebiet wieder für geführte Touristen zugänglich. In den vergangenen Jahren war es wiederholt zu Bränden in den unbesiedelten Gebieten der Sperrzone gekommen. Oft wurden sie auf Brandstiftung zurückgeführt.

kha/dpa
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