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20. Mai 2015, 13:21 Uhr

Tiere und Pflanzen

Jede dritte Art in Deutschland ist bedroht

Kiebitz, Feldlerche, Stör - Tausende heimische Arten sind in ihrem Bestand gefährdet, warnt das Bundesamt für Naturschutz. Hauptursache sind Monokulturen in der Landwirtschaft. Eine der wenigen Erfolgsgeschichten: der Wolf.

Jede dritte untersuchte Art in Deutschland ist nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz (BfN) gefährdet. Das geht aus dem ersten umfassenden Artenschutz-Report hervor, der jetzt vorgestellt wurde. Ob Rebhuhn oder Wildbienen: "Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend", sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Laut Report kommen in Deutschland rund 72.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten vor. In der Roten Liste Deutschlands wurden mehr als 32.000 heimische Spezies auf ihre Gefährdung hin untersucht, mit einem nach BfN-Einschätzung ernüchternden Ergebnis: Rund 31 Prozent aller Arten in Deutschland sind der Untersuchung zufolge in ihrem Bestand gefährdet, vier Prozent bereits ausgestorben.

Das nationale Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt in Deutschland aufzuhalten, werde bislang verfehlt. Eine wichtige Ursache hierfür sei die intensive Landwirtschaft. Jessel fordert, die Anstrengungen für den Naturschutz zu verstärken.

Besonders dramatisch ist demnach die Situation bei den wirbellosen Tieren, zu denen Insekten gehören: Knapp 46 Prozent der untersuchten Arten und Unterarten sind bedroht, extrem selten oder ausgestorben. Mit Sorge beobachten Experten dabei auch die negative Entwicklung aller 600 Wildbienenarten in Deutschland.

90 Prozent weniger Rebhühner

Fast 28 Prozent der Wirbeltierarten (Süßwasserfische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere) seien in ihrem Bestand gefährdet. Die Situation bei den Brutvögeln hat sich laut Bericht spürbar verschlechtert. Feldvögeln wie Kiebitz und Feldlerche gehe es seit 20, 30 Jahren kontinuierlich schlechter, sagt Jessel. Beim Kiebitz hat sich demnach der Bestand auf ein Drittel bis ein Viertel reduziert. Beim Rebhuhn gebe es sogar einen Rückgang von 90 Prozent.

Die intensive Landwirtschaft stehe bei den Ursachen für den Niedergang an vorderster Stelle. "Früher hat der Bauer auch mal ein paar Halme stehenlassen. Der Feldhamster hatte was zu knabbern, die Vögel hatten dann auch noch was", beschreibt BfN-Sprecher Franz August Emde beispielhaft Änderungen in der Bewirtschaftung. Heute werde auch der letzte Halm verwertet, die Fruchtfolge wechsele nicht mehr unbedingt und es gebe riesige Monokulturen.

In der Agrarförderung müsse eine Umschichtung stattfinden von den reinen Flächenprämien hin zur gezielten Förderung von Maßnahmen, die bestimmten Arten zugutekommen, fordert Jessel - beispielsweise für das Anlegen blühender Ackerrandstreifen oder für die weniger intensive Nutzung von Wiesen und Weiden. Außerdem sei ein bundesweites Verbot für die Umwandlung von Grünland in Ackerflächen notwendig.

Erfolge im Tierschutz

Der Klimawandel spiele aktuell noch keine große Rolle als Gefährdungsursache beim Verlust der Arten in Deutschland, heißt es in dem Report. Man glaube jedoch, dass sich das im Falle fortlaufender Klimaänderung ändern könnte.

Forscher der Senckenberg-Gesellschaft waren kürzlich bei einer Studie in China zu einer etwas anderen Prognose gekommen. Die Biodiversität schwinde zuallererst wegen der geänderten Landnutzung, ergab die Modellrechnung bis zum Jahr 2050. Der globale Klimawandel habe hingegen kaum Einfluss.

In einem Acht-Punkte-Programm fordert das BfN ein effektives Management der bestehenden Schutzgebiete und eine Vernetzung, damit Tiere wandern können. Grünbrücken seien eine positive Maßnahme, sagte Emde, oder der Wildkatzensprung, über den Wildkatzen von Revier zu Revier ziehen können.

Der BfN-Bericht nennt aber auch Erfolge des Tierschutzes: Der Wolf ist zurück, der Biber hat sich erholt, ähnliches gilt für Schwarzstorch und Seeadler. Auch der Äskulapnatter (Zamenis longissimus) geht es etwas besser. Die einst fast verschwundene Kegelrobbe ist in die Nordsee zurückgekehrt und jetzt auch in der Ostsee gesichtet worden. "Das sind erfolgversprechende Zeichen, die zeigen, dort wo man aktiven Naturschutz betreibt, da lohnt er sich eben auch", sagt BfN-Präsidentin Jessel.


Korrektur: In einer früheren Version des Textes wurde der Eindruck erweckt, eine Studie von Senckenberg-Forschern beziehe sich auf Deutschland. Wir bedauern den Fehler.

boj/dpa

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