Fossilienfund Urzeit-Raupe in Bernstein entdeckt

In der Ostseeregion haben Forscher eine Raupe gefunden, konserviert in Bernstein. In der Urzeit wäre daraus ein Schmetterling von beachtlichem Ausmaß geworden.

Rindenspanner-Raupe (Eogeometer vadens) in Bernstein
DPA

Rindenspanner-Raupe (Eogeometer vadens) in Bernstein


Ob Fliegen, Libellen oder Bienen - eingeschlossen in Harz haben viele Insekten die Äonen überdauert. Paläontologen ermöglichen solche Funde faszinierende Einblicke in die Welt von Kreaturen, die vor Millionen von Jahren auf der Erde lebten.

Nun haben Forscher im Baltischen Bernstein erstmals ein Exemplar einer Großschmetterlingsraupe entdeckt - eine bislang unbekannte Art. Bei dem 44 Millionen Jahre alten Fossil handelt es sich um eine Larve aus der Gruppe der Spannerfalter (Geometridae), wie die Zoologische Staatssammlung München mitteilte. Das Forscherteam beschreibt das konservierte Insekt in der Fachzeitschrift "Scientific Reports".

Baltischer Bernstein ist in der Ostseeregion weit verbreitet. Die etwa fünf Millimeter große Schmetterlingslarve wurde einst in einem Tropfen Harz eingeschlossen, der sich im Laufe der Zeit zu Bernstein verfestigte und das Tier dadurch für immer bewahrte. "Es ist das erste Mal überhaupt, dass wir im Baltischen Bernstein auf ein solches Großschmetterlings-Fossil gestoßen sind", sagt Mitautor Axel Hausmann. Er erhielt den Fund von einem ihm bekannten Bernsteinhändler.

Dass nur extrem selten solche riesigen Raupen in Bernstein eingeschlossen wurden, liegt vermutlich daran, dass diese Tiere überwiegend nachtaktiv waren. Hausmann: "Und das Harz wiederum war wohl meist nur bei höheren Tagestemperaturen und direktem Sonnenlicht flüssig."

Mit der konservierten Larve haben die Münchner Paläontologen eine neue Art entdeckt, die unter dem Namen "Eogeometer vadens" den sogenannten Rindenspannern zugeordnet wurde. Spannerfalter gehören mit mehr als 23.000 bekannten Arten zu den drei größten Schmetterlingsfamilien. Im Gegensatz zu den meisten anderen Schmetterlingen besitzen deren Raupen zusätzlich zu Brust- und Hinterleibsbeinen nur ein einziges Bauchfußpaar. Dies ermöglicht ihnen eine typische Art der Fortbewegung, bei der sie ihre Hinterbeine direkt bis an die Bauchbeine schieben. Dadurch bildet der Körper eine Art Schleife, wenn die Raupe wandert.

Thilo Fischer, Experte für fossile Schmetterlinge und Pflanzen und Erstautor der Studie, hofft auf weitere spektakuläre Funde aus dem Baltischen Bernstein. Jedes Schmetterlingsfossil gebe spannende Einblicke in die Evolutionsprozesse während des Eozäns, einer bislang wenig erforschten Epoche der Erdgeschichte vor etwa 34 bis 56 Millionen Jahren. Damals sei die Ausbreitung von Blütenpflanzen, wie wir sie heute kennen, schon weitgehend abgeschlossen gewesen, so Fischer.

Ungewöhnliche Bernsteinfunde machen Forscher immer wieder. Zuletzt entdeckten sie eine 100 Millionen Jahre alte Blüte in dem Baumharz, eine Libelle beim Paarungsritual und den Schwanz eines Dinosauriers.

Im Video: Kampf um Bernstein - Millionengeschäft mit einem Schmuckstein

SPIEGEL TV

joe/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.