Biblischer Baum Dattelsamen keimt nach 2000 Jahren

Rund 2000 Jahre war er versteckt in einer Wüstenfestung des Königs Herodes: Israelischen Forschern ist es gelungen, einen Dattelsamen aus biblischer Zeit zum Keimen zu bringen. Ob der daraus entstandene Baum Früchte trägt, wird sich aber erst in einigen Jahren zeigen.

Washington - In dichten Hainen standen die judäischen Dattelpalmen, die "Bäume des Lebens", entlang des Jordan-Flusses, damals vor rund 2000 Jahren. Ihre Früchte waren begehrt, auch auf der Wüstenfestung Masada des Königs Herodes I. wurden sie verspeist.

Aus Dattelsamen von damals, deren Alter sie jetzt auf rund 2000 Jahre bestimmen konnten, haben israelische Forscher eine Dattelpalme kultiviert. Dies zeige, dass Pflanzensamen bei günstigen Umgebungsbedingungen sehr lange Zeiträume unbeschadet überdauern können, berichten die Forscher um Sarah Sallon von der israelischen Medizininstitution Hadassah in Jerusalem. Der bisherige Rekordhalter war der Samen einer Lotuspflanze mit einem Alter von 1300 Jahren.

Ob der 2005 gepflanzte und mittlerweile 1,20 Meter große Palmsprössling einmal Datteln tragen wird, hängt von seinem Geschlecht ab. Nur die weiblichen Pflanzen tragen die süßen Früchte, und ob es sich um ein solches Exemplar handelt, wird sich erst in einigen Jahren herausstellen, wie die Forscher im Fachmagazin "Science" schreiben.

Methusalem wurde zum Sprössling

Archäologen hatten die Dattelsamen bereits in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei Ausgrabungen der jüdischen Festung Masada gefunden. Diese Festung auf einem Felsplateau mitten in der Wüste am Toten Meer hatte Herodes I. im Jahr 40 vor Christus angelegt. Drei Samen - die holzigen Kerne der leckeren Früchte - kultivierten die Forscher im Jahr 2005. Nur einer - genannt Methusalem - entwickelte sich zum Sprössling. Sallon und ihr Team unterzogen nun die zwei nicht gekeimten Samen sowie Schalenreste des fruchtbaren Samens aus dem Wurzelwerk des Sprösslings einer Altersbestimmung nach der Radiokarbonmethode. Sie ermittelten ein Samenalter von 2000 Jahren - mit einer Ungenauigkeit von 50 Jahren.

Die Forscher vermuten, dass hohe Sommertemperaturen und geringe Niederschläge in der Region um die Festung Masada am Toten Meer wesentlich dazu beigetragen haben, dass der Samen über 2000 Jahre seine Keimfähigkeit behielt. Dies sei eine gute Nachricht für den Naturschutz und die Bewahrung der genetischen Vielfalt bei Nutzpflanzen, berichten die Forscher. Projektleiterin Sallon erklärte, Methusalem sei gesund, obwohl einige Blätter weiße Pünktchen aufwiesen.

Dattelpalmen werden seit 5000 Jahren von Menschen für die Ernährung kultiviert. Der Methusalemsamen aus Masada entstand zu einer Zeit ausgedehnten und hochwertigen Dattelpalmenanbaus um das Tote Meer, der im 1. Jahrhundert nach Christus endete. 2000 Jahre später könnte der Spross die heutigen Kultivierungen von Dattelpalmen befruchten, hoffen die Forscher. Mit den heutigen Dattelpalmen hat Samen aus biblischer Zeit nach ersten Untersuchungen etwa die Hälfte der Gene gemeinsam.

chs/ddp/dpa

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