Insektensterben Die todbringende Biene

Bienen und andere Insekten sind für die Bestäubung von Pflanzen unverzichtbar. Doch Krankheiten und Parasiten setzen den Tieren zu. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass es die Bienen selbst sind, die häufig ihre wildlebenden Verwandten anstecken.
Die Blumenwiese als Keimzelle: Krankheiten übertragen sich über die Blüten von Bienen auf Hummeln

Die Blumenwiese als Keimzelle: Krankheiten übertragen sich über die Blüten von Bienen auf Hummeln

Foto: Matthias A. Fürst

Was die Türklinke für den Menschen, ist die Blüte für Insekten: eine Keimsammelstelle. Bienen, Hummeln und Käfer stecken beim Nektarsammeln ihre Rüssel rein und tragen dabei mehr als nur den süßen Saft davon. Ausgerechnet die Honigbiene soll nun einer neuen Studie zufolge schuld sein an Krankheit und Tod vieler ihrer Verwandter. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam und veröffentlichte die Studie im Fachmagazin "Nature" .

Drei Viertel der weltweiten Nahrungspflanzen sind von der Bestäubung durch Bienen, Hummeln und Falter abhängig. Doch die Bestäuber sind bedroht. Seit Jahren rätseln Forscher über ein massives Sterben ganzer Bienenvölker, von dem erstmals 2006 berichtet wurde. Studien zufolge tragen dazu verschiedene Krankheitserreger und Parasiten bei, darunter die Varroamilbe, die einen Virus auf die Bienen überträgt, der zur Deformation der Flügel führt. Die Tiere werden krank und sterben.

Das Problem: Nicht nur unter den künstlich gehaltenen Honigbienen der Art Apis mellifera verbreiten sich die Krankheiten, sondern diese stecken auch ihre wildlebenden Verwandten an. Das bestätigen jetzt Matthias Fürst und Mark Brown von der Royal Holloway University of London, die dafür zahlreiche Untersuchungen im Labor und in freier Natur machten.

Das Ergebnis: Waren in einer bestimmten Region viele Bienen infiziert, waren auch viele Hummeln krank. Sie erkrankten vor allem an der Flügeldeformationskrankheit oder infizierten sich mit dem Parasiten Nosema ceranae.

Die Blüte als Virenschleuder

"Die Tiere stecken sich über die Blüten an, die sie nacheinander besuchen", sagt Mark Brown. Während sich jedoch die Krankheit in Bienenstöcken bekämpfen lässt, geht das in freier Natur nicht. "Wir wissen ja nicht, wo die Nester der Hummeln sind", sagt der Forscher. Umso mehr müssten Imker daher auf ihre Bienen achten. Sind die Bienen gesund, geht es auch den Hummeln gut. "Stirbt in einem riesigen Bienenstock mit 60.000 Tieren eine Biene, hat das nicht die gleichen Auswirkungen, wie wenn eine Hummel in einer Population von 100 Tieren stirbt."

Der Appell der Forscher: "Wir dürfen uns nicht nur um unsere Nutztiere kümmern, sondern auch um die wilden Bestäuber", sagt Matthias Fürst. Und das nicht nur aus reiner Tierliebe: Die Leistung der wilden Bestäuber schätzten Experten in den USA auf einen materiellen Wert von drei Milliarden Dollar.