Bienenstock Tankwarte versorgen Heizer

Energieprobleme gibt es auch im Bienenstock. Spezielle Heizerbienen sorgen durch Muskelzittern für Wärme - und dafür brauchen sie jede Menge Honig. Deutsche Forscher haben jetzt herausgefunden, dass es eigens Tankwarte für die Versorgung der Heizerbienen gibt.


Bienen haben ihren Stock voll unter Kontrolle - sogar die Temperatur überlassen sie nicht dem Zufall. Permanent halten sie in der Brutregion des Stocks eine Temperatur zwischen 33 und 36 Grad Celsius aufrecht. Das ist notwendig, damit sich die Brut entwickeln kann.

Tankstellenbiene (unten) betankt Heizerbiene: Nach 30 Minuten unterzuckert
J.Tautz, H.R.Heilmann

Tankstellenbiene (unten) betankt Heizerbiene: Nach 30 Minuten unterzuckert

Diese Meisterleistung vollbringen die Tiere mit lebendigen Heizungen: Spezielle Bienen erzeugen mit der Vibration ihrer Flugmuskeln Wärme und halten das Brutnest des Bienenstocks während der zehntägigen Puppenphase bei konstanter Temperatur. Ein enorm kräftezehrender Prozess - die nötige Energie hierfür stammt aus dem Honig, der wie Treibstoff von den Bienen verbrannt wird.

Mit dem Honig werden die Heizerbienen regelrecht betankt, wie Rebecca Basile und Jürgen Tautz vom Biozentrum der Universität Würzburg gemeinsam mit Christian Pirk von der University of Pretoria in Südafrika herausgefunden haben. Ihre Ergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift " Zoology" veröffentlicht.

Honiglager und Brutnest sind im Stock durch mehrere leere Waben voneinander getrennt. Die Heizerbienen müssen ständig nahe der Brut bleiben, um die Temperatur konstant zu halten. Doch nach maximal 30 Minuten Heizleistung sind sie durch Unterzuckerung derart erschöpft, dass sie den Weg zum Honiglager nicht mehr schaffen. Daraus ergibt sich ein logistisches Problem: Wie bekommen die Heizerbienen ihren Treibstoff?

Durch Tankstellenbienen, wie Basile und ihre Kollegen herausgefunden haben: Die Tiere pendeln zwischen den Honigvorräten des Stocks und den Brutregionen der Waben hin und her und verabreichen den Heizern den energiereichen Honig von Mund zu Mund.

Den Honig kann eine Biene in ihrem Magen transportieren und lagern, ohne ihn zu verbrauchen. Um ihn zu übertragen, würgt sie ihn einfach wieder hoch und gibt ihn an die Heizerbiene ab. Nach mehreren dieser Fütterungen kehren die Tankstellenbienen zum Honiglager zurück, nehmen Honig auf und beginnen erneut ihren Rundlauf über das Brutnest. In 20 Minuten schaffen sie dabei bis zu sechs Versorgungsläufe.

lub



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