Bizarre Krebse Wer am meisten wackelt, darf putzen

Um an Futter zu kommen, führen Putzergarnelen einen Reklametanz auf. Die Bewegungen sollen Fische motivieren, ihre Haut von den Krebsen reinigen zu lassen. Der weggeputzte Schmutz bildet ein leckeres Mahl für die kleinen Tiere.

Wenn's ums Essen geht, machen sich kleine Krebse auch schon mal zum Hampelmann. Australische Forscher haben sogenannte Putzergarnelen dabei beobachtet, wie sie mit wiegenden Bewegungen hin und her tanzten. Mit dem Unterwassertänzchen machen die Krebse potenzielle Kunden auf ihre Dienste aufmerksam: Fische mit Parasiten und anderem lästigem Material auf ihrer Haut. Die Putzergarnelen reinigen die Fische davon und fressen sich dabei satt.

Je hungriger die eher unauffälligen Garnelen dabei sind, desto intensiver und auffälliger werden ihre Tanzbewegungen und desto häufiger finden sie einen Auftraggeber. Das berichten Justine Becker und ihre Kollegen von der University of Queensland in St. Lucia in der Fachzeitschrift "Current Biology" (Bd. 15, S. 760).

Putzergarnelen leben genau wie Putzerfische von Parasiten und abgestorbenen Hautschuppen, die sie von der Haut von Fischen entfernen. Aber diese Lebensweise ist nicht ungefährlich: Zu bestimmten Zeiten sind Putzer zwar gern gesehene Gäste bei ihren Kunden, doch beginnen sie im falschen Moment mit dem Putzen, werden sie nicht selten von den Fischen aufgefressen.

Um solche potenziellen Konflikte zu vermeiden, setzen die Tiere eindeutige Zeichen: Sie müssen mögliche Kunden deutlich, aber unaufdringlich ihre Bereitschaft zum Putzen signalisieren. Putzerfische führen dazu beispielsweise stark ritualisierte Bewegungen durch.

Um der Werbestrategie der Putzergarnele "Urocaridella sp. C" auf die Spur zu kommen, beobachteten Becker und ihre Kollegen Korallenriffe vor der australischen Lizard-Inselgruppe. Dabei entdeckten sie, dass auch die kleinen, fast durchsichtigen Krebse typische Tanzbewegungen machten: Immer dann, wenn sich ihnen ein potenzieller Kunde wie beispielsweise ein blaufleckiger Zackenbarsch näherte, wiegten sich die Garnelen hin und her. Diese Strategie führte in 100 Prozent der Fälle zu einer Übereinkunft zwischen Putzer und Kunde, beobachteten die Forscher.

Bei Tests im Labor fiel den Wissenschaftlern eine weitere Eigenheit des Tanzes auf. Hungrige Garnelen schwammen deutlich näher an ihre potenzielle Kunden heran und tanzten auch sehr viel ausdauernder als ihre gesättigten Artgenossen. Auch diese Strategie geht in den meisten Fällen auf, beobachteten die Forscher: Vor die Wahl zwischen einem hungrigen und einem gesättigten Tänzer gestellt, bevorzugten praktisch alle Fische den hungrigen, beharrlichen Putzer.

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