Blaukehl-Hüttensänger Nistplatz-Konkurrenz macht Brut aggressiver

Der Erfolg der Blaukehl-Hüttensänger beruht auf einem erstaunlichen Zyklus: Werden die Nistplätze knapp, produzieren die Vögel Eier mit einem höheren Anteil eines Sexualhormons - der Nachwuchs kann sich besser durchsetzen.
Blaukehl-Hüttensänger: Die Vögel gehören zur Familie der Drosseln und leben im westlichen Nordamerika

Blaukehl-Hüttensänger: Die Vögel gehören zur Familie der Drosseln und leben im westlichen Nordamerika

Foto: Lui Kit Wong/ ASSOCIATED PRESS

Die Aggressivität der Brut von Blaukehl-Hüttensängern ändert sich mit der Verfügbarkeit von Nistplätzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität von Arizona, bei der das Verhalten der Vögel in freier Wildbahn über zehn Jahre untersucht wurde.

Das Team um den Biologen Renée Duckworth fand heraus, dass weibliche Blaukehl-Hüttensänger, die mit Artgenossen oder Vertretern anderer Spezies um Nistplätze konkurrieren, Eier mit einem höheren Anteil des Sexualhormons Androgen produzieren als Weibchen ohne derartige Konkurrenz.

Aus den Eiern schlüpfen nach einer kürzeren Brutzeit aggressivere männliche Nachkommen mit einer stärkeren Neigung, neue Brutplätze zu besiedeln. Sie erobern verstärkt neue Lebensräume, indem sie eine andere Art, die Berg-Hüttensänger, verdrängen.

Dabei beobachteten die Wissenschaftler ein Muster: Beide Vogelarten besiedeln durch Waldbrände neu entstandene Habitate - zunächst die schnelleren Berg-Hüttensänger (Sialia currocoides), die dann von den aggressiveren Blaukehl-Hüttensängern (Sialia mexicana) aus ihren Nisthöhlen vertrieben werden.

Kehle leuchtend blau

Eben solche Verdrängungssituationen führten dazu, dass weibliche Blaukehl-Hüttensänger mehr Androgene an ihre Eier abgaben, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science" . Eine erstaunliche Erkenntnis, da eben nicht die Zahl an Artgenossen die Reaktion auslöst, sondern die Verfügbarkeit von Nistplätzen. Nach der Verdrängung der anderen Spezies kommen weniger aggressive Blaukehl-Hüttensänger nach - in der Folge werden Nistplätze wieder rarer, der Zyklus beginnt erneut.

In einem Kommentar zu der Studie schreibt der Biologe Ben Dantzer von der Universität Michigan, es sei schon länger bekannt, dass das Verhalten der Muttertiere Vorteile für den Nachwuchs in kompetitiven Umgebungen haben kann. "Bislang fehlte allerdings der Beweis für natürliche Populationen, dass die mütterlichen Effekte auch ökologische Prozesse beeinflussen können."

Duckworth und sein Team hätten durch eine künstliche Erhöhung der Zahl an Nistplätzen nachgewiesen, dass in dieser entspannteren Situation auch weniger aggressiver Nachwuchs produziert werde, der zudem später schlüpfe.

Blaukehl-Hüttensänger gehören zur Familie der Drosseln und leben im westlichen Nordamerika. Die Männchen der mittelgroßen Vögel sind an der Oberseite und der Kehle leuchtend blau, ihre Brust ist rot gefärbt, während die Weibchen ein weniger farbenprächtiges Federkleid haben.

Hässliches Entlein, schöner Schwan
boj/dpa
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