Kalifornischer Kondor Seltene Greifvögel leiden unter Bleivergiftung

Der vom Aussterben bedrohte Kalifornische Kondor wird durch die Jagd geschädigt - obwohl die Vögel selbst nicht mehr das Ziel sind. Die Aasfresser nehmen Blei auf, wenn sie angeschossene Tiere fressen. Jeder fünfte Kondor in freier Wildbahn sei ein Fall für den Veterinär, warnen Forscher.

Kalifornischer Kondor: 20 Prozent der Greifvögel haben extrem viel Blei im Körper
dapd/ Joe Burnett

Kalifornischer Kondor: 20 Prozent der Greifvögel haben extrem viel Blei im Körper


Obwohl auf die sehr seltenen Kalifornischen Kondore nicht geschossen wird, sind viele der Vögel mit Blei vergiftet. Die großen Greifvögel, die sich von Aas ernähren, nehmen das giftige Schwermetall auf, wenn sie angeschossene und dann verendete Tiere fressen.

Jeder fünfte Kondor (Gymnogyps californianus) habe eine derart hohe Bleikonzentration im Blut, dass er ein Fall für den Tierarzt wäre, berichten Forscher um Myra Finkelstein von der University of California in Santa Cruz im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Die Ergebnisse beruhen auf 1154 Blutproben von 150 Vögeln aus den Jahren 1997 bis 2010. Viele der untersuchten Tiere wurden mehrfach vergiftet, sowohl innerhalb eines Jahres als auch über größere Zeiträume hinweg. Wenn sich mehr als 450 Nanogramm Blei je Milliliter Blut fanden, bekamen die Tiere Substanzen, die das Blei binden und entfernen können.

Dass vor allem Munition für die Bleivergiftung der Tiere verantwortlich ist, wiesen die Wissenschaftler mit einer Isotopenanalyse nach. Die Studie zeige, dass die Bleivergiftung einer Epidemie gleichkommt, betonen die Forscher. Das Einschränken des Gebrauchs von Bleimunition sei ein komplizierter politischer Prozess und illustriere die große Herausforderung, die Ziele von Politik und Tierschutz in Einklang zu bringen, schreiben sie.

Auch andere Greifvögel betroffen

Denn an anderer Stelle wurde viel unternommen, um die fast ausgerotteten Vögel zu erhalten. Im Jahr 1982 gab es noch 22 Exemplare. Nur durch ein aufwendiges Zuchtprogramm konnten die Tiere bislang vor dem Aussterben bewahrt werden: Ende 2010 zählte man etwa 400 Kalifornische Kondore, etwa die Hälfte davon lebt in der freien Natur. Die meisten seien ausgewildert worden, notieren Finkelstein und ihre Kollegen. Nur 24 Küken seien in der Wildnis flügge geworden. Die Naturschutzorganisation IUCN listet die Vogelart auf der Roten Liste noch immer als vom Aussterben bedroht.

Wie problematisch Bleimunition ist, ist auch in Deutschland bekannt - unter anderem in Bezug auf den Seeadler. Die Greifvögel fressen feine Munitionsteile mit, wenn sie angeschossene Vögel schlagen. Zu Beginn der Jagdsaison verlangte der Nabu Ende 2011 ein bundesweites Verbot von Bleimunition. Die Fakten seien längst bekannt: "Bleihaltige Jagdmunition belastet hochwertige Lebensmittel und vergiftet bedrohte Tiere wie den Seeadler", erklärt Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. "Blei gehört weder in die Landschaft noch in unsere Lebensmittel."

wbr/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.