Globale Statistik Wo es am häufigsten blitzt 

Ein Gewitter ist furchteinflößend, meist aber auch schnell vorüber. Satellitendaten zeigen jedoch: Es gibt Regionen auf der Welt, wo es fast täglich blitzt und kracht.

Gewitter über Niedersachsen
DPA

Gewitter über Niedersachsen


Im Jahr 1925 glaubte man, dass es weltweit etwa 100-mal pro Sekunde blitzt. Die Zahl beruhte auf den Daten weniger Wetterstationen, die dann auf den ganzen Erdball hochgerechnet wurden.

Erst seit man Gewitter von Satelliten aus beobachten kann, verfügen Meteorologen über verlässliche Zahlen. Denn nur vom Weltall aus hat man auch Wolken über den Ozeanen und über entlegenen Gebirgen im Blick. Eine mehrjährige Satellitenmessung in den Neunzigerjahren ergab schließlich eine weltweite Rate von 44 Blitzen pro Sekunde.

Doch die Blitzhäufigkeit schwankt von Ort zu Ort sehr stark. In Deutschland beispielsweise reichen schon eine Handvoll Blitze pro Quadratkilometer und Jahr aus, um als Blitzhochburg zu gelten. Im Vergleich zu den globalen Blitz-Hotspots ist dieser Wert allerdings lächerlich klein.

Blitzdichte von 1998 bis 2013
NASA/ MSFC

Blitzdichte von 1998 bis 2013

In deutlich wärmeren Regionen, etwa in Malaysia, Guatemala oder der Demokratischen Republik Kongo, blitzt es örtlich mehr als 100-mal pro Quadratkilometer und Jahr. Dies berichten Rachel Albrecht von der Universität São Paulo und ihre Kollegen im Fachblatt "Bulletin of the American Meteorological Society".

Die Forscher haben Daten eines Blitzsensors an Bord des Nasa-Satelliten "TRMM" ausgewertet. Diese umfassen einen 15-jährigen Zeitraum von 1998 bis 2013. Gezählt wurden Blitze innerhalb und zwischen Wolken sowie Blitze, welche die Erdoberfläche erreichten. Der Orbit erlaubte nur Messungen zwischen dem 35. Grad nördlicher und südlicher Breite, weshalb beispielsweise Blitze in Deutschland nicht erfasst wurden.

Hotspot Maracaibo-See

Weil die meisten Gewitter jedoch ohnehin in den wärmeren Klimazonen nahe dem Äquator auftreten, konnten die Forscher jene Regionen identifizieren, wo es weltweit gesehen am häufigsten blitzt.

Anders als zunächst erwartet lag der Spitzenreiter nicht in Afrika, sondern in Venezuela. Am Maracaibo-See liegt die Rate demnach bei 232 Blitzen pro Jahr und Quadratkilometer. Auf Platz zwei landete Kabare in der Demokratischen Republik Kongo mit einem Wert von 205.

Unter den Top-500 der blitzreichsten Orte der Erde liegen 283 in Afrika, schreiben die Forscher. Danach folgen Asien mit 87 und Südamerika mit 67.

Gewitter als Navigationshilfe

Gewitter entstehen, wenn feuchte Luft aufsteigt. Durch die Reibung werden positive und negative Ladungen getrennt, es kommt zu Spannungen von Hunderten Millionen Volt. Diese können sich von Wolke zu Wolke oder von der Wolke zur Erdoberfläche entladen. Dabei fließen Ströme von bis zu 20.000 Ampere. Die Luft wird extrem erhitzt und dehnt sich explosionsartig aus; es donnert.

Am Blitz-Hotspot Maracaibo-See herrschten ideale Bedingungen für kräftige Gewitter, berichten die Forscher. Das 13.000 Quadratkilometer große Gewässer sei das ganze Jahr über zwischen 28 und 31 Grad Celsius warm.

An umliegenden Gebirgen könnten sich die Luftmassen schnell erwärmen und in die Höhe steigen, Winde hielten die Luftzirkulation in Gang. Seefahrer hätten die häufigen nächtlichen Blitze früher zum Navigieren auf dem Binnensee genutzt, der an den Golf von Venezuela grenzt.

Auch in Deutschland blitzt es besonders häufig in der Nähe von Gebirgen. Dies zeigen Daten des Blitzinformationsdienstes der Firma Siemens (Blids). Am Alpenrand ist das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden, demnach siebenmal höher als in Schleswig-Holstein. Die folgende Karte zeigt die Blitzstatistik der Jahre 1999 bis 2015. Sie umfasst allerdings nur Wolken-Boden-Blitze. Blitze innerhalb von Wolken oder von Wolke zu Wolke sind zwei- bis dreimal häufiger.

Jährliche Anzahl Blitzeinschläge pro Quadratkilometer (1999 - 2015)



Spitzenreiter ist der Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit im Schnitt 4,5 Blitzen pro Quadratkilometer, gefolgt vom Berchtesgadener Land in Südbayern. Dort schlugen in den gemessenen 17 Jahren pro Quadratkilometer jährlich 4 Blitze ein. Am wenigsten Blitze trafen den Landkreis Rendsburg-Eckernförde im Osten Schleswig-Holsteins. Dort gab es pro Quadratkilometer lediglich 0,61 Einschläge im Jahr.

hda

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
günter1934 04.01.2017
1. Schade...
Es ist einfach ein Jammer, dass man die Energie dieser vielen Blitze nicht ausnutzen kann. Ich finde aber, so ein Gewitter, wo es richtig blitzt und kracht, wesentlich eindrucksvoller als das Silvesterfeuerwerk vor einigen Tagen... Obwohl dieses Gewitterfeuerwerk natürlich auch nicht politisch korrekt ist, weil dabei jede Menge Stockoxide entehen.
schlaueralsschlau 04.01.2017
2.
Zitat von günter1934Es ist einfach ein Jammer, dass man die Energie dieser vielen Blitze nicht ausnutzen kann. Ich finde aber, so ein Gewitter, wo es richtig blitzt und kracht, wesentlich eindrucksvoller als das Silvesterfeuerwerk vor einigen Tagen... Obwohl dieses Gewitterfeuerwerk natürlich auch nicht politisch korrekt ist, weil dabei jede Menge Stockoxide entehen.
Was haben "Stockoxide" während des Gewitters mit Politik zu tun?
Referendumm 04.01.2017
3.
Zitat von günter1934Es ist einfach ein Jammer, dass man die Energie dieser vielen Blitze nicht ausnutzen kann. Ich finde aber, so ein Gewitter, wo es richtig blitzt und kracht, wesentlich eindrucksvoller als das Silvesterfeuerwerk vor einigen Tagen... Obwohl dieses Gewitterfeuerwerk natürlich auch nicht politisch korrekt ist, weil dabei jede Menge Stockoxide entehen.
Ja, Gewitter sind schon beeindruckend - überhaupt Naturgewalten, die übriegns der Mensch immer noch nicht im Ansatz im Griff hat. Schade finde ich übrigens, dass diese tolle Karte nicht größer dargestellt wird oder wenigstens ein Link angegeben wird, wo sich die Karte in großem Format beziehen lässt. So braucht man ne Lupe dafür.
günter1934 04.01.2017
4.
Zitat von schlaueralsschlauWas haben "Stockoxide" während des Gewitters mit Politik zu tun?
Was Stickoxide mit Politik zu tun haben? Googeln Sie das mal, Stickoxid Politik: https://www.google.de/webhp?sourceid=chrome-instant&ion=1&espv=2&ie=UTF-8#q=stickoxide politik Wieso wollen Sie da ausgerechnet die Gewitter aussen vor lassen? So genau weiss man es nicht, aber bei Gewittern werden evtl. weltweit mehr Stickoxide gebildet als aus Menschenhand. Früher hat man mal gedacht, dass diese Stickoxide unerlässlich für die Stickstoffdüngung der Pflanzen sind. Heute ist das eine Gefahr für die Menschheit. Und genau solche Gedankengänge bezeichnet man als political correctness. Oder ganz modern als postfaktisch.
Attila2009 04.01.2017
5.
Zitat von günter1934Es ist einfach ein Jammer, dass man die Energie dieser vielen Blitze nicht ausnutzen kann. Ich finde aber, so ein Gewitter, wo es richtig blitzt und kracht, wesentlich eindrucksvoller als das Silvesterfeuerwerk vor einigen Tagen... Obwohl dieses Gewitterfeuerwerk natürlich auch nicht politisch korrekt ist, weil dabei jede Menge Stockoxide entehen.
Die Energieausbeute eines Blitzes soll trotz der hohen Spannung recht gering sein. Im Kilowattstundenbereich. Weil die Zeit extrem kurz ist. Ich schau auch gerne Gewitter am Horizont.Es ist beeindruckend schön. ja natürlich die Stickoxide. Gewitter sollten verboten werden, jawoll ! Das braucht doch keiner.
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