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Zoo von Paris Aufregung um rätselhaften "Blob"

Eine Nachrichtenagentur berichtet, dass der Zoo von Paris seit Neuestem ein äußerst ungewöhnliches Wesen beherbergt. Es hat kein Gehirn, aber 720 Geschlechter. Medien weltweit greifen die Meldung auf. Was steckt dahinter?

"Dieser Organismus hat kein Gehirn, dafür fast 720 Geschlechter" titelt die "Neue Zürcher Zeitung" .

"The 'blob': zoo showcases slime mold with 720 sexes that can heal itself in minutes", schreibt der "Guardian" .

"Blob nie posiada mózgu, ale ma 720 pci. ZOO w Paryu zaprezentuje tajemniczy organizm", berichtet die polnische "Gazeta" . Übersetzt: "Der Blob hat kein Gehirn, aber 720 Geschlechter. Der Pariser Zoo präsentiert einen mysteriösen Organismus."

"The 'blob': Paris zoo unveils unusual organism which can heal itself and has 720 sexes", schreibt "CNN" .

Medien weltweit berichten derzeit über einen seltsamen Organismus, der ab Samstag im Zoo von Paris zu sehen sein wird. Die Einrichtung hat das mysteriöse Wesen mit dem Namen Blob am Mittwoch erstmals Journalisten präsentiert . Die Nachrichtenagentur Reuters griff das Thema auf und lieferte die Vorlage für die vielen Artikel.

Man kann sagen, dass dem Zoo damit ein PR-Coup gelungen ist. Denn der Blob ist alles andere als eine Sensation. Die Organismen sind seit vielen Jahren bekannt und durchaus häufig. Und doch berichtet jetzt auch der SPIEGEL. Der Grund: Die Wesen haben faszinierende Eigenschaften.

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Der Blob heißt eigentlich Physarum polycephalum. Dabei handelt es sich um einen Schleimpilz, der weite Netzwerke aus gelblich bis braunen Fäden und Fruchtkörpern ausbildet. In einigen Punkten verhalten sich die Einzeller allerdings wie Tiere und sind auch deshalb ein beliebtes Forschungsobjekt.

Die Organismen haben weder Augen noch ein Gehirn, trotzdem können sie Nahrung erkennen und sich in einem Irrgarten orientieren. Wie sie das genau machen, können Forscher bislang nicht erklären. Haben die Lebewesen das Futter einmal ausfindig gemacht, verdauen sie es mithilfe eines Enzyms, das sie ausscheiden. Mund und Magen fehlen.

Ihren Namen haben die Organismen dem Science-Fiction-B-Movie "Blob - Schrecken ohne Namen" aus dem Jahr 1958 zu verdanken. Darin verschlingt ein außerirdisches Lebewesen alles, was ihm in den Weg kommt.

Der Blob kann Dinge lernen und das Wissen an Artgenossen weitergeben

Besonders macht die Einzeller auch, dass sie 720 Geschlechter haben. Allerdings lässt sich die Fortpflanzung nicht mit der von Tieren vergleichen.

Der Blob vermehrt sich über sogenannte Konjugation. Gene werden dabei direkt von einer Spender- auf eine Empfängerzelle übertragen. Die Organismen haben dafür 720 verschiedene Varianten entwickelt. Dadurch können sie sich mit einer sehr großen Anzahl unterschiedlicher Artgenossen fortpflanzen. Zur Verschmelzung der Zellen, wie bei Säugetieren, kommt es nicht.

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"Der Blob gehört zu den großen Mysterien der Natur", sagt Bruno David, Direktor des Pariser Naturkundemuseums. Am meisten fasziniert Forscher, dass die Einzeller Dinge lernen und an Artgenossen weitergeben können. "Wenn man zwei Blobs zusammenbringt, wird der eine sein Wissen an den anderen weitergeben", erklärt David.

Wissenschaftler nutzen den gelben Glibber außerdem, um zu erforschen, wie Zellen ihre Gestalt ändern und sich von Ort zu Ort bewegen. Denn der Blob hat, wie für Einzeller üblich, keine Beine. Trotzdem kann er sich fortbewegen. Das gelingt ihm, indem er das Plasma in seiner Zelle rhythmisch vor und zurück bewegt. Die Details des Mechanismus untersuchen Forscher noch.

Zerteilt man eine Blob-Zelle, überlebt sie und ist nach zwei Minuten wieder voll funktionsfähig. Für Einzeller ist diese Art der Regeneration nicht ungewöhnlich. Trotzdem erhoffen sich Forscher vom Blob neue Erkenntnisse über das Zellwachstum.

jme
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