Zwei Himmelsspektakel in einer Nacht Die XXL-Blutmondfinsternis

Im Juli stehen gleich zwei seltene astronomische Ereignisse an: Eine totale, extra lange Mondfinsternis - und als Bonus taucht gleich daneben auch der Mars am Himmel auf.
Phasen der totalen Mondfinsternis

Phasen der totalen Mondfinsternis

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance/dpa

Das werden Sie in Ihrem Leben wohl kein zweites Mal erleben: Am 27. Juli findet die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts statt. Am gleichen Tag überholt die Erde den rötlichen Mars, wobei es zu einer extremen Annäherung an unseren äußeren Nachbarplaneten kommt. Der Mars wird dabei zu einem auffälligen hellen Gestirn, das die gesamte Nacht über sichtbar ist. Damit bietet der Juli gleich zwei Himmelsspektakel.

Die Vollmondphase tritt am 27. Juli um 22.20 Uhr im Sternbild Steinbock ein. An diesem Tag erreicht der Mond schon morgens seinen Bahnpunkt, an der er am weitesten von der Erde entfernt ist. Ihn trennen dann 406.220 Kilometer von uns. Deshalb sieht man abends den kleinsten Vollmond des Jahres.

Blutmond

Um 20.24 Uhr tritt der Mond in den Kernschatten der Erde, weil sich die Erde dann zwischen Mond und Sonne befindet. Der Schatten der Erde wandert deshalb über den Mond: Zunächst verdeckt er den Rand, später liegt der ganze Mond im Schatten - dann herrscht totale Mondfinsternis.

Dabei erscheint der Mond schwach dunkelrot leuchtend, weil nicht alles Licht der Sonne von der Erde abgeschirmt wird. Langwelliges Licht biegt sich quasi um die Erde, es beleuchtet den Mond dunkelrot. Astronomen sprechen von einem Blutmond. Von 21.30 bis 23.14 Uhr hält sich der Mond vollständig im Kernschatten der Erde auf - es herrscht totale Mondfinsternis.

Mit Austritt des Mondes aus dem Kernschatten der Erde um 0.19 Uhr endet der sichtbare Teil der Finsternis. Der Vollmond geht am 27. Juli in Deutschland erst nach Beginn der Mondfinsternis auf. In Berlin erfolgt der Mondaufgang um 20.58, in Hamburg um 21.17, in Köln um 21.18, in Leipzig um 20.57 und in München ebenfalls um 20.57 Uhr.

Nächste XXL-Mondfinsternis kommt erst 2123

Mit einer Stunde und 44 Minuten ist dies die längste Mondfinsternis im 21. Jahrhundert. Sie wird erst von der Mondfinsternis am 9. Juni 2123 übertroffen, die zwei Minuten länger dauern wird. Auch die totale Mondfinsternis vom 16. Juli 2000 war drei Minuten länger als die diesjährige. Sie war die letzte im 20. Jahrhundert, das am 31. Dezember 2000 endete.

Etwas südlich des verfinsterten Vollmonds wird am 27. Juli zeitgleich der Mars in einem rötlichen Licht erstrahlen und der Sonne genau gegenüberstehen. Astronomen sprechen von Oppositionsstellung. Weil der Mars soweit südlich steht, sorgt die Erdatmosphäre für eine zusätzliche Rotfärbung - ähnlich wie Sonne und Mond bei Auf- und Untergang rötlich verfärbt erscheinen.

Esa-Aufnahme des Mars

Esa-Aufnahme des Mars

Foto: esa/esoc/ picture alliance/dpa

Wegen der elliptischen Bahnen von Erde und Mars wird die geringste Entfernung erst am 31. Juli erreicht. An diesem Tag beträgt die Marsdistanz nur 57,6 Millionen Kilometer. Erst am 15. September 2035 wird der Rote Planet mit 56,9 Millionen Kilometer wieder in extreme Erdnähe kommen.

Von Monatsbeginn bis Ende Juli nimmt die Marshelligkeit nochmals kräftig zu. Mars wird damit zum dominierenden Gestirn des Nachthimmels. Er leuchtet deutlich heller als Jupiter, der noch in der ersten Nachthälfte zu sehen ist. Während der Mars am 1. Juli erst eine halbe Stunde vor Mitternacht aufging, wird er am Monatsende bereits um halb zehn Uhr abends die südliche Horizontlinie überschreiten.

Weitere Himmelsereignisse

  • Neumond wird am 13. Juli um 4.48 Uhr erreicht. Am gleichen Tag kommt der Mond mit 357.430 Kilometer in Erdnähe, was wiederum zu Springfluten und Spannungen in der Erdkruste führt. Außerdem bedeckt der dunkle Neumond fast ein Drittel der Sonnenscheibe, es ereignet sich eine partielle Sonnenfinsternis. Sie ist lediglich im Eismeer südlich von Australien, südöstlichen Gebieten des Indischen Ozeans und südwestlichen Teilen des Pazifiks sowie in einem schmalen Küstenstreifen der Antarktis und an der Südostküste Australiens sowie in Tasmanien zu sehen.
  • Saturn im Sternbild Schütze ist noch bis weit nach Mitternacht zu beobachten. Die Helligkeit des Ringplaneten nimmt leicht ab. Seine Untergänge verfrühen sich von 5.14 Uhr am Monatsanfang auf 3.07 Uhr Ende Juli.
  • Venus spielt nach wie vor ihre Rolle als Abendstern. Schon bald nach Sonnenuntergang kann man sie am westlichen Firmament erkennen. Venus nimmt leicht an Helligkeit zu. Allerdings verkürzt sich ihre Sichtbarkeitsdauer um rund eine Stunde. Ende Juli geht sie kurz nach halb elf Uhr abends unter.
  • Merkur bleibt in unseren Breiten unsichtbar. In südlichen Ländern und auf der Südhalbkugel ist der flinke Planet zur Monatsmitte in der Abenddämmerung sichtbar.
  • Der Große Wagen hat mit seinem Abstieg begonnen. Seine Deichsel zeigt nach oben, der Wagenkasten hängt nach unten. Das Himmels-W, die Kassiopeia, beginnt im Nordosten mit ihrem Aufstieg zum Zenit.
  • Die Erde passiert am 6. in den Abendstunden ihren sonnenfernsten Bahnpunkt. Ihr Abstand vom Tagesgestirn beträgt dabei 152 Millionen Kilometer. Anfang Januar sind wir der Sonne fünf Millionen Kilometer näher.
koe/dpa
Mehr lesen über