Blutzuckeraufnahme Erwartung einer süßen Mahlzeit aktiviert Körperfunktionen

Die Vorfreude allein reicht schon, um den Körper darauf vorzubereiten, was da gleich kommt: In Erwartung auf etwas Süßes beginnen die Muskeln mit der Blutzuckeraufnahme, wie Mäuseexperimente zeigen. Die Forscher sehen darin einen wichtigen Regulationsmechanismus des Körpers.

Schokolade: Anblick bewirkt Muskelstimulation
REUTERS

Schokolade: Anblick bewirkt Muskelstimulation


Vorfreude ist die schönste Freude - und für den Körper offenbar schon ein Signal, wichtige Funktionen in Gang zu setzen. Schon bei der Aussicht auf Süßigkeiten beginnen die Muskeln, Blutzucker aufzunehmen. Mit diesem Trick hält das Gehirn vorausschauend den Glukosespiegel im Gleichgewicht, haben japanische Forscher bei Versuchen mit Mäusen herausgefunden.

Ausgelöst wird der erhöhte Stoffwechsel über das Hormon Orexin, das Essverhalten und Wachheitszustand im Steuerzentrum des Gehirns beeinflusst. Die Versuchstiere durften sich mehrere Tage lang an Glukosesirup gütlich tun, um die Erwartung für die Nascherei zu wecken. Blockierten nun die Forscher bei einem Teil der Mäuse die Aufnahme des Appetit-Hormons Orexin, stieg der Blutzucker an. Die unbehandelte Kontrollgruppe regulierte dagegen ihren Spiegel, so dass es nicht zu einem Anstieg kam. Die Forscher um Yasuhiku Minokoshi vom National Institute for Physiological Sciences in Osaka stellen ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Cell Metabolism" vor.

"Die Vorfreude auf eine leckere Mahlzeit stimuliert die Muskeln, Glukose zu speichern - und damit senkt das Gehirn schon während des Essens den Blutzuckerspiegel", erklärt der Studienleiter Minokoshi. "Anschließend übernehmen wieder die normalen Regulierungssysteme die Ausbalancierung." Angestoßen wird der Effekt im Hypothalamus, der Gehirnregion, die als Steuerzentrum des vegetativen Nervensystems auch für die lebenserhaltende Energiebilanz sorgt.

Zunächst hatte das Team nachgewiesen, dass die Glukoseaufnahme und die Fettverbrennung in den Muskeln durch Leptin aktiviert wird, einem von Fettzellen abgesonderten Hormon. "Das Gehirn kontrolliert jedoch auch die Lebensfähigkeit eines Körpers, indem es auf bevorstehende externe Ereignisse reagiert", erklärt der Studienleiter.

lub/ddp



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