Großbritanniens Premier Johnson lobt Klimakonferenz »Glasgow hat die Totenglocke für Kohleenergie geläutet«

Die Welt bewegt sich nach Ansicht von COP26-Gastgeber Boris Johnson in die richtige Richtung. Er und der Präsident der Klimakonferenz Alok Sharma wissen jedoch auch um die Schwachstellen der Einigung.
So viel erreicht? Laut Boris Johnson ist der neue Klimapakt »nicht die endgültige Lösung«

So viel erreicht? Laut Boris Johnson ist der neue Klimapakt »nicht die endgültige Lösung«

Foto: Daniel Leal / AP

Auf der Weltklimakonferenz in Schottland haben sich mehr als 200 Staaten darauf geeinigt, sich von der Kohle verabschieden zu wollen. Ineffiziente Subventionen für fossile Energieträger sollen nach dem »Klimapakt von Glasgow« gestrichen werden.

Obwohl die Formulierung in letzter Minute auf Druck Chinas und Indiens noch verwässert wurde, zieht Gastgeber Boris Johnson eine positive Bilanz. Der Premierminister Großbritanniens sagte bei einer Pressekonferenz mit COP26-Präsident Alok Sharma: »Die Welt ist unbestreitbar auf dem Weg in die richtige Richtung.«

Johnson lobte vor allem den Entschluss der beteiligten Staaten, ein Ende der Kohleenergie einzuleiten: »Glasgow hat die Totenglocke für Kohleenergie geläutet.« Gleichzeitig gab er zu, dass nicht alle Ziele erreicht wurden: »Das ist nicht die endgültige Lösung, und konnte es auch nie sein.«

COP-Präsident Sharma befürchtete eigenen Angaben zufolge sogar, dass die Konferenz auf den letzten Metern noch scheitern könne. Er habe in einem emotionalen Moment »die Last der Welt« auf den Schultern gefühlt, so Sharma.

Kein Ausstieg, sondern nur ein schrittweiser Abbau vereinbart

Vor der Verabschiedung der Erklärung am Samstag hatte Sharma kurzzeitig sogar mit den Tränen kämpfen müssen. Dabei ist das ganz und gar untypisch für ihn. »Manche Leute beschreiben mich als ›Kein-Drama-Sharma‹«, sagte der Tory-Politiker. Entsprechend zielstrebig und nüchtern führte er sonst die Verhandlungen.

Nun bleibt bei ihm ein bitterer Beigeschmack: China und Indien werden den Entwicklungsländern erklären müssen, warum sie auf Konferenz darauf gedrängt haben, die Formulierungen zum Kohleausstieg zu verwässern, sagte Sharma am Sonntag: »Sie werden sich in dieser Frage erklären müssen.«

Die Konferenz mit 40.000 registrierten Teilnehmern sollte eigentlich schon am Freitag enden. Wegen stundenlanger, hitziger Debatten dauerte es aber schließlich bis in den Samstagabend. Erst dann gab es den Kompromiss. Statt von einem Ausstieg aus der Kohle (phase-out) ist nun nur noch von einem schrittweisen Abbau (phase-down) die Rede. Damit bleibt offen, ob beide Staaten jemals komplett auf Kohlestrom verzichten wollen.

Entsprechend kritisch bewerteten einige Umweltaktivistinnen und -aktivisten die Einigung. Greta Thunberg twitterte: »Hier ist eine kurze Zusammenfassung: Bla, bla, bla.« Auch Uno-Generalsekretär António Guterres äußerte sich ernüchtert: »Es ist ein wichtiger Schritt, aber es ist nicht genug. Es ist Zeit, in den Notfallmodus zu gehen.«

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze lobte die Vereinbarung dennoch als historisch. »Das fossile Zeitalter geht zu Ende, die Energiewende wird weltweit zum Leitbild«, sagte die SPD-Politikerin.

apr/dpa/Reuters
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