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04. Juli 2014, 12:12 Uhr

Borneo-Hörnchen

Zwerg mit Riesenschwanz

Das seltene Borneo-Hörnchen ist in die Fotofalle getappt. Die Aufnahmen zeigen, dass der Schwanz der Tiere größer ist als ihr Körper. Der Nutzen des riesigen Flauschbauschs gibt allerdings Rätsel auf.

Kaum ein Forscher hat das Borneo-Hörnchen je zu Gesicht bekommen. Doch nun sind die Tiere in die Falle gegangen. Bilder von automatisch auslösenden Kameras verraten Erstaunliches über die gefährdete Art: Das Borneo-Hörnchen hat relativ zur Körpergröße einen der voluminösesten Schwänze im Tierreich, schreiben Forscher im Fachmagazin "TAPROBANICA: The Journal of Asian Biodiversity".

Demnach entspricht das Volumen des Borneo-Hörnchen-Schwanzes 130 Prozent seines Körpervolumens. Das Schwanzvolumen ist also fast ein Drittel größer als das des Körpers. Zum Vergleich: Beim Eichhörnchen entspricht der Schwanz etwa 90 Prozent des Körpervolumens. Der Schwanzvergleich zeigt: Das Borneo-Hörnchen hat den flauschigsten.

Das buschige Anhängsel der Nager vervollständigt ihr ohnehin ungewöhnliches Aussehen. Von Kopf bis Rumpf werden die Tiere bis zu 40 Zentimetern lang - damit sind sie ziemlich groß für ein Hörnchen. Obendrauf kommt der 30 Zentimeter lange Schwanz. Er besteht hauptsächlich aus Haaren, dennoch befürchtet man beim Anblick, dass die Tiere durch das Gewicht nach hinten kippen könnten.

Flauschbausch mit Schutzfunktion

"Die Spezies ist wirklich bizarr", erklärt Studienautor Erik Meijaard von der australischen Nationaluniversität in einem Artikel auf der Webseite des Fachmagazins "Science". Die Borneo-Hörnchen-Forschung war ein echtes Familienprojekt: Meijaard, seine Frau Rona Dennis und Tochter Emily Mae Meijaard hatten die Schwanzgröße des Borneo-Hörnchen mit insgesamt neun anderen Spezies verglichen, die für einen verhältnismäßig großen Schwanz bekannt sind.

Wozu das Borneo-Hörnchen einen so voluminösen Schwanz braucht, konnte die Familie allerdings nicht klären. Das Eichhörnchen nutzt seinen verhältnismäßig kleineren Schwanz zum Lenken und für die Balance beim Springen. Und der Schwanz wärmt in der Nacht. Borneo-Hörnchen aber brauchen die Wärmefunktion in den Tropen wohl eher nicht. Und auch, dass der Schwanz als Sprunghilfe dient, ist unwahrscheinlich, da die Tiere sich vor allem am Boden und auf niedrigen Ästen aufhalten.

Stattdessen könne der große buschige Schwanz des Borneo-Hörnchens Leoparden und andere Raubtiere irritieren und es den Jägern schwerer machen, die Beute zu fassen, vermutet die Forscherfamilie.

Hörnchen auf Hirschjagd

Das Borneo-Hörnchen gilt laut Roter Liste der gefährdeten Arten als "verletzlich". Größte Gefahren sind die Jagd und die Abholzung des Regenwaldes. Die Seltenheit der Hörnchen hat sie auf der Insel Borneo aber zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Um die seltenen Regenwaldbewohner ranken sich zahlreiche Mythen.

So berichten Einheimische etwa, dass die Nager schon mal größere Tiere anfallen. Von niedrigen Ästen springen sie demnach auf Hirsche, töten sie durch einen gezielten Biss in die Halsadern und fressen Mageninhalt, Herz und Leber. Das Fleisch lassen sie liegen.

jme

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