Borneo-Hörnchen Zwerg mit Riesenschwanz

Das seltene Borneo-Hörnchen ist in die Fotofalle getappt. Die Aufnahmen zeigen, dass der Schwanz der Tiere größer ist als ihr Körper. Der Nutzen des riesigen Flauschbauschs gibt allerdings Rätsel auf.

Borneo-Hörnchen: Mehr Schwanz als Körper
Integrated Conservation

Borneo-Hörnchen: Mehr Schwanz als Körper


Kaum ein Forscher hat das Borneo-Hörnchen je zu Gesicht bekommen. Doch nun sind die Tiere in die Falle gegangen. Bilder von automatisch auslösenden Kameras verraten Erstaunliches über die gefährdete Art: Das Borneo-Hörnchen hat relativ zur Körpergröße einen der voluminösesten Schwänze im Tierreich, schreiben Forscher im Fachmagazin "TAPROBANICA: The Journal of Asian Biodiversity".

Demnach entspricht das Volumen des Borneo-Hörnchen-Schwanzes 130 Prozent seines Körpervolumens. Das Schwanzvolumen ist also fast ein Drittel größer als das des Körpers. Zum Vergleich: Beim Eichhörnchen entspricht der Schwanz etwa 90 Prozent des Körpervolumens. Der Schwanzvergleich zeigt: Das Borneo-Hörnchen hat den flauschigsten.

Das buschige Anhängsel der Nager vervollständigt ihr ohnehin ungewöhnliches Aussehen. Von Kopf bis Rumpf werden die Tiere bis zu 40 Zentimetern lang - damit sind sie ziemlich groß für ein Hörnchen. Obendrauf kommt der 30 Zentimeter lange Schwanz. Er besteht hauptsächlich aus Haaren, dennoch befürchtet man beim Anblick, dass die Tiere durch das Gewicht nach hinten kippen könnten.

Flauschbausch mit Schutzfunktion

"Die Spezies ist wirklich bizarr", erklärt Studienautor Erik Meijaard von der australischen Nationaluniversität in einem Artikel auf der Webseite des Fachmagazins "Science". Die Borneo-Hörnchen-Forschung war ein echtes Familienprojekt: Meijaard, seine Frau Rona Dennis und Tochter Emily Mae Meijaard hatten die Schwanzgröße des Borneo-Hörnchen mit insgesamt neun anderen Spezies verglichen, die für einen verhältnismäßig großen Schwanz bekannt sind.

Man sieht nur Schwanz: Das flauschige Hörnchen hat einen Ruf als gefährlicher Jäger
Integrated Conservation

Man sieht nur Schwanz: Das flauschige Hörnchen hat einen Ruf als gefährlicher Jäger

Wozu das Borneo-Hörnchen einen so voluminösen Schwanz braucht, konnte die Familie allerdings nicht klären. Das Eichhörnchen nutzt seinen verhältnismäßig kleineren Schwanz zum Lenken und für die Balance beim Springen. Und der Schwanz wärmt in der Nacht. Borneo-Hörnchen aber brauchen die Wärmefunktion in den Tropen wohl eher nicht. Und auch, dass der Schwanz als Sprunghilfe dient, ist unwahrscheinlich, da die Tiere sich vor allem am Boden und auf niedrigen Ästen aufhalten.

Stattdessen könne der große buschige Schwanz des Borneo-Hörnchens Leoparden und andere Raubtiere irritieren und es den Jägern schwerer machen, die Beute zu fassen, vermutet die Forscherfamilie.

Hörnchen auf Hirschjagd

Das Borneo-Hörnchen gilt laut Roter Liste der gefährdeten Arten als "verletzlich". Größte Gefahren sind die Jagd und die Abholzung des Regenwaldes. Die Seltenheit der Hörnchen hat sie auf der Insel Borneo aber zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Um die seltenen Regenwaldbewohner ranken sich zahlreiche Mythen.

So berichten Einheimische etwa, dass die Nager schon mal größere Tiere anfallen. Von niedrigen Ästen springen sie demnach auf Hirsche, töten sie durch einen gezielten Biss in die Halsadern und fressen Mageninhalt, Herz und Leber. Das Fleisch lassen sie liegen.

Testen Sie Ihr Wissen!

jme



insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
taglöhner 04.07.2014
1. Abschreckung und Aerodynamik
So rätselhaft finde ich das auch wieder nicht: Das Volumen innerhalb der Fläche um die Haarspitzen des (gesträubten) Schwanzes ins Verhältnis zum Körpervolumen zu setzen ist vielleicht ein wenig irreführend. Die Fläche selbst wäre wohl aufschlussreicher, denn die steigt mit zunehmender Körpergröße erheblich langsamer an, als das Volumen und damit das Gewicht des Tieres. Ein so großes Hörnchen braucht also im Verhältnis wesentlich mehr Schwanzoberfläche um den freien Fall zu bremsen bzw. zu lenken. Die Beschreibung seiner Jagdmethode weist darauf hin, dass dies durchaus nicht nebensächlich ist. Aufschlussreich wäre auch, zu erfahren, wie sich das Tier vor angreifenden Raubtieren in Sicherheit bringt, wenn seine Abschreckende Sillhouettenvergrößerung versagt. Mein Verdacht: Den Baum hoch und Fallenlassen bzw. von Ast zu Ast.
Gallandor 04.07.2014
2. Was soll daran rätselhaft sein?
Mit ein bisschen Fantasie und Entfernung sieht der buschige Schwanz aus wie eine Eule. Für ein Tier was auf dem Boden und Bäumen krabbelt, und bestimmt als Beutetier für Tierchen aus der Gewichtsklasse einer Eule herhalten muss, ist das bestimmt nicht die schlechteste Verteidigung immer das "Opfer eines Greifvogels" simulieren zu können ..
meergans 04.07.2014
3. Borneohörnchen BRAUCHT den Flausch,
vermute ich, denn es nutzt denselben wie das austr. Faultier. All die Milben, Zecken, auch Pilze etc., sind eine ideale Nahrungsquelle. Sie gedeihen alle im eigenen Pelz und Hörnchen muß nicht lange suchen.
Heimatlos 04.07.2014
4. Bizarre Frage
Tja, das ist ja nun ein echtes Problem. In der Evolution, wird uns gelehrt, hat alles seinen Nutzen. Die Natur ist da ganz erbarmungslos Pflichterferfuellt. Solche ueberfluessigen Dinge wie Schoenheit, Anmut ect. haben da nicht zu erscheinen, das gibt es ja in der Natur nicht. Der blue morpho ist so schoen, weil er mit seiner schillernd-blauen Farbe (Lichtbrechung) seine Feinde erschrickt. Und das Borneo-Eichhoernchen hat den grossen Schwanz, um neugierige Forscher und dumme Frager nach dem Sinn und Zwecken von Schoenheit in der Natur eine Ohrfeige zu verpassen.
tuffgong 04.07.2014
5. Die Evolution ...
weiß schon, was sie macht (laienhaft ausgedrückt). Da ich mehrmals hingucken musste, um zu erkennen, was jetzt Schwanz, was Körper ist, erscheint mir der Sinn eher in der Irritierung zu liegen. Geschadet hat es der Art jedenfalls nicht, wie man sieht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.