Abholzung auf Borneo Flughund auf der Flucht

Orang-Utan, Flachkopfkatze, Flughund - viele Tierarten auf Borneo scheinen bedroht. Forscher fordern Schutzgebiete, vor allem in hoch gelegenen Wäldern.

DPA/ University of Kent

Die Insel Borneo gilt als Inbegriff biologischer Vielfalt - noch. Der Lebensraum vieler Tierarten wird in den kommenden Jahrzehnten schwinden, prognostizieren Forscher. Klimaerwärmung und das Abholzen von Wäldern vertreibe Tiere: Knapp die Hälfte der Tierarten auf der südostasiatischen Insel Borneo sei betroffen.

Bis zum Jahr 2080 seien schlimmstenfalls rund 40 Säugetierarten vom Aussterben bedroht, schreiben Forscher um Matthew Struebig von der Universität Kent und Andreas Wilting vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin im Fachblatt "Current Biology". Diese Entwicklungen ließen sich mithilfe zusätzlicher Schutzgebiete allerdings mildern.

Die Tierwelt auf Borneo ist noch lange nicht komplett erforscht: Von einigen Tieren wie dem Flughund Eonycteris major sind erst so wenige Daten bekannt, dass noch nicht fest steht, wie bedroht sie sind. Drastisch dezimiert ist bereits die Zahl der Orang-Utans, die nur noch auf Borneo und in einem sehr kleinen Gebiet im Norden Sumatras vorkommen.

Nach WWF-Angaben leben diese Menschenaffen vor allem in Sümpfen des Flachlands und Tieflandregenwäldern. Auf Borneo hätten sie durch Holzeinschlag und die Umwandlung von Regenwald in Ackerland und Palmölplantagen in den vergangen 30 Jahren fast 60 Prozent ihres Lebensraums verloren. Die Rote Liste führt sie als "stark gefährdet".

Problemzone Tieflandregenwälder

Die Forscher um Struebig und Wilting haben ein Modell entwickelt, das unter anderem mögliche Klimaveränderungen der kommenden 65 Jahre vorhersagen soll. Einbezogen wurden außerdem jene Gebiete Borneos, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit abgeholzt werden. Grundlage dafür waren Satellitendaten, auf denen sich veränderte Landnutzung ablesen lässt, wie IZW-Wissenschaftlerin Stephanie Kramer-Schadt erklärt.

Am meisten verändern sich der Prognose nach die Tieflandregenwälder, in denen auch die Orang-Utans leben: Zwar fänden voraussichtlich viele Säugetiere, darunter bestimmte seltene Primaten, auch in höher gelegenen Gebieten noch passende Bedingungen vor. Andere Tiere, wie etwa Flachkopfkatzen, bevorzugten jedoch die gefährdeten Torf- und Sumpfgebiete, berichten die Forscher.

Geschickt ausgewählte Schutzgebiete

Insgesamt berücksichtigten die Forscher Daten zu möglichen geeigneten Lebensräumen für rund 80 Arten. Um möglichst vielen von ihnen weiterhin Lebensraum zu bieten, seien neue Reservate mit einer Fläche von bis zu 28.000 Quadratkilometern nötig, bilanziert das Team. Das entspreche nur vier Prozent des Inselgebiets. Die Areale müssten aber geschickt gewählt sein, so die Forscher.

Relevant wären höher gelegene Waldgebiete, die für viele Arten infrage kämen. "Das heißt aber nicht, dass Wälder im Flachland nicht weiter geschützt werden müssen", so Kramer-Schadt. Zudem müsse zu einem erfolgreichen Artenschutz auch die Holzwirtschaft in der Region beitragen. Die Studienergebnisse sollen deshalb nach IZW-Angaben auch den Regierungen in Indonesien, Malaysia und Brunei vorgestellt werden, unter denen die Insel aufgeteilt ist.

Die Wälder Borneos zählen nach Angaben des WWF zu den am meisten gefährdeten der Welt. Vor allem Ufergebiete gelten als weitgehend abgeholzt.

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jme/dpa

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