Borneo Vom Aussterben bedrohtes Nashorn erstmals vor der Kamera

Höchstens 50 Borneo-Nashörner leben Schätzungen zufolge noch auf unserem Planeten - und bislang gab es von keinem einzigen bewegte Bildaufnahmen. Nun verirrte sich ein Exemplar erstmals vor die Kamera von Naturschützern.


Die Nashörner, die auf der Insel Borneo leben, gelten als extrem scheu. Nun tappte ein Exemplar nachts vor eine Kamera, die der World Wide Fund for Nature (WWF) im Dschungel auf dem malaysischen Teil der Insel aufgestellt hatte. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie das Nashorn frisst und die Kamera beschnüffelt.

Erst im vergangenen Mai war das erste Foto von Borneo-Nashörnern (Dicerorhinus sumatrensis harrissoni) geschossen worden. Die etwa 50 verbliebenen Exemplare der Art sind vermutlich nur noch im Norden der Insel zu finden. Die Tiere gehören zur Unterart des Sumatra-Nashorns und sind die kleinste aller fünf Nashornarten. Allerdings können sie bei einer Kopf-Rumpflänge von knapp 3 m und einer Schulterhöhe von 130 cm bis zu 950 Kilogramm wiegen. Die Tiere gelten als notorische Einzelgänger und haben wahrscheinlich kein festes Revier.

Wilderei und die Zerstörung ihres Lebensraums haben die Population der Borneo-Nashörner in den vergangenen Jahren stark schrumpfen lassen. Laut des WWF Deutschland ist das Aussterben der Art kaum noch zu verhindern: Die Tiere lebten so weit verstreut, dass es kaum Chancen zur Paarung gebe. Außerdem seien viele Weibchen bereits zu alt, um Junge zu bekommen.

Dabei gilt das Paarungsritual als Markenzeichen der Nashörner: Vom Harnduft des anderen Geschlechts angelockt, verbringt ein Paar bis zu einer Stunde mit dem Zeugungsakt. Das hat dem Borneo-Nashorn den Ruf eingebracht, besonders potent zu sein. Jungtiere können bereits drei Stunden nach der Geburt laufen. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Tieres beträgt etwa 35 Jahre.

Die asiatischen Nashörnern wanderten vor 26 Millionen Jahren von Afrika nach Asien und konnten sich so auch auf Inseln niederlassen. Durch die Folgen der Eiszeit war der Meeresspiegel so stark gesunken, dass Landbrücken entstanden, über welche die Tiere sich auf den Weg zu neuen Lebensräumen machten. Inzwischen gibt es weltweit nur noch 300 Sumatra-Nashörner. Die Unterart "lasiotus", die in Myanmar zu finden war, ist nach Erkenntnissen von Experten bereits ausgestorben.

joh/dpa



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