Urbane Botanik Stress durch Straßenlärm schadet Pflanzen massiv

Nicht nur Menschen und Tiere leiden unter Lärmverschmutzung. Autoverkehr setzt auch der Botanik zu, zeigen neue Forschungsergebnisse.
Blumenbeet an einer Straße in Düsseldorf

Blumenbeet an einer Straße in Düsseldorf

Foto: Michael Gstettenbauer / IMAGO

Wer an viel befahrenen Straßen lebt, kämpft oft mit gesundheitlichen Folgen durch den Straßenlärm. Dass der Stress durch den Autoverkehr auch Tiere beeinträchtigt, ist ebenfalls lange bekannt. Dass auch Pflanzen in Mitleidenschaft gezogen werden, hat nun ein Forscherteam erstmals mit Experimenten detailliert nachgewiesen, über die der »Economist« berichtet .

Bislang war man bereits davon ausgegangen, dass Pflanzen indirekt von Verkehrslärm betroffen sind – etwa weil die für die Bestäubung und Verbreitung der Samen notwendigen Insekten, Ameisen oder Vögel verschwinden. Es gibt aber auch direkte Effekte der lauten Umgebung etwa in Städten oder an Autobahnen auf die Botanik, zeigt nun die Untersuchung der Shahid Beheshti Universität in Teheran.

Verkümmertes Wachstum

Die Forscher züchteten zunächst Blumen, die oft in Städten vorkommen, im Labor und unterteilten diese dann in zwei Gruppen. Einen Teil von ihnen ließ man in Ruhe weiterwachsen, die andere Gruppe wurde täglich mit Verkehrslärm beschallt – der 73 Dezibel laute Sound dafür wurde an einer Autobahn aufgezeichnet. Nach gut zwei Wochen untersuchten die Wissenschaftler die Blätter der Pflanzen.

Das Ergebnis: Keine der dem Lärm ausgesetzten Pflanzen entwickelte sich gut. In den Blättern fanden sich chemische Verbindungen in hoher Konzentration, die als Indikator für außergewöhnlichen Stress bei Pflanzen gelten. Die Werte lagen der Analyse zufolge zwei- bis dreimal so hoch wie bei der Vergleichsgruppe. Zu beobachten gewesen seien geringeres Wachstum und eine kleinere Zahl an keimenden Samen.

Die Konzentration von bestimmten Hormonen, die das Wachstum ankurbeln und für die allgemeine Pflanzengesundheit sorgen, war dagegen deutlich niedriger. So waren die Blätter in der Vergleichsgruppe messbar größer und schwerer. Zudem sank die Resilienz der mit Lärm belästigten Pflanzen gegenüber kalten Temperaturen, Trockenheit und für sie schädlichen Insekten.

In der nächsten Phase wollen die Wissenschaftler untersuchen, welche Pflanzenarten besser oder schlechter mit Lärm zurechtkommen. Schließlich sei es auch in der Natur mitunter laut. Dort hätten viele Pflanzen bestimmte Bewältigungsmechanismen entwickelt.

fww

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