Amazonas-Brände Bolsonaro will Hilfsgelder nur annehmen, wenn Macron sich entschuldigt

Die G7 haben Brasilien Hilfsgelder für die Löscharbeiten im Amazonas angeboten. Präsident Jair Bolsonaro zeigte sich erst zurückhaltend, ist aber nun zu Gesprächen bereit - und erhält Rückendeckung von US-Präsident Trump.

Brasiliens Präsident Bolsonaro: "Zunächst sollte Macron die Beleidigungen gegen mich zurücknehmen"
Antonio Cruz/Agencia Brazil/dpa

Brasiliens Präsident Bolsonaro: "Zunächst sollte Macron die Beleidigungen gegen mich zurücknehmen"


Im Streit um die von den G7-Staaten angebotene Waldbrand-Hilfe im Amazonasgebiet hat Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro Bedingungen gestellt. Er möchte, dass sich der Französische Präsident Emmanuel Macron bei ihm entschuldigt, dann sei er zu Gesprächen über die Hilfszahlungen bereit.

"Zunächst sollte Macron die Beleidigungen gegen mich zurücknehmen", sagte der Staatschef. "Er hat mich einen Lügner genannt. Und dann hat er nach meinen Informationen die Souveränität des Amazonasgebiets infrage gestellt."

Die G7-Staaten hatten Brasilien bei ihrem Gipfel in Biarritz eine Soforthilfe von 20 Millionen US-Dollar (rund 17,9 Millionen Euro) zugesagt, um die Löscharbeiten in der Waldbrandregion voranzubringen. Mit dem Geld sollten vor allem Löschflugzeuge finanziert werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Amazonasregion in dem Zusammenhang wegen deren Bedeutung für den globalen Klimaschutz als "Gemeingut". Außerdem warf er Bolsonaro vor, ihn beim Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) in Osaka angelogen zu haben, als es um Zusagen zum Umweltschutz ging.

Trump sagt Bolsonaro Unterstützung zu

"Um mit Frankreich, das die besten Absichten hat, zu sprechen oder irgendwas anzunehmen, muss er diese Äußerungen zurücknehmen", sagte Bolsonaro. Zuvor hatte sein Präsidialamtschef Onyx Lorenzoni laut dem Nachrichtenportal G1 nahegelegt, dass Brasilien die Hilfe nicht annehmen wolle. Das Geld sei möglicherweise besser in Europa angelegt, sagte Lorenzoni demnach.

Bolsonaro bestätigte dies zunächst nicht. "Habe ich das gesagt?", entgegnete er Journalisten vor seiner Residenz auf Nachfrage. "Habe ich gesprochen? Hat Jair Bolsonaro gesprochen?" Der brasilianische Umweltminister Ricardo Salles hatte die Hilfszusage der G7 zuvor begrüßt. Er machte allerdings deutlich, dass die Regierung in Brasília selbst entscheiden werde, wie sie die Mittel verwendet.

US-Präsident Donald Trump sagte Bolsonaro auf Twitter seine Unterstützung zu. Der Brasilianische Präsident arbeite sehr hart daran, die Feuer zu bekämpfen und mache sehr gute Arbeit.

Video: Drohnenbilder zeigen gewaltiges Ausmaß der Zerstörung

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"Ein Zeichen der Freundschaft"

Macron bedauerte die zögerliche Haltung der Brasilianer. Das Hilfsangebot sei ein Zeichen der Freundschaft, nicht der Aggressivität, sagte er. Zudem solle die Unterstützung nicht nur Brasilien zugutekommen, sondern der gesamten Amazonasregion. Wegen seines Überseedepartements Französisch-Guayana in Südamerika begreife sich Frankreich selbst als ein Amazonas-Land.

Die brasilianische Regierung hatte Macron in den vergangenen Tagen wiederholt scharf angegriffen, weil der französische Präsident die Amazonas-Waldbrände auf die Agenda des G7-Gipfels gesetzt hatte. Bolsonaro warf Macron eine "kolonialistische Mentalität", eine "Instrumentalisierung" der Amazonas-Waldbrände sowie einen "sensationsgierigen Ton" vor. Zuletzt gab es Wirbel um einen abfälligen Onlinekommentar gegen Macrons Ehefrau Brigitte Macron.

Unterdessen haben die Einsatzkräfte die Löscharbeiten in den Waldbrandgebieten intensiviert. Rund 2500 Soldaten, 15 Flugzeuge und Hubschrauber sowie zehn Schiffe seien an dem Einsatz beteiligt, teilte das Verteidigungsministerium mit. In einigen Gebieten seien die Brände bereits zurückgedrängt worden.

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar stieg die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach den jüngsten Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 80 Prozent auf mehr als 82.000 Brände.

Viele Feuer wurden offenbar von Farmern auf abgeholzten Flächen gelegt, um neue Weideflächen und Ackerland für den Soja-Anbau zu schaffen. Weil es derzeit sehr trocken ist, greifen die Brände auch auf noch intakte Waldgebiete über.

jme/dpa/AFP

insgesamt 121 Beiträge
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thorgur 27.08.2019
1. Zuviele verrückte Staatschefs
Trump, BoJo, Bolsonaro, Orban etcpp. . Womit hat die Welt nur soviele Testosteron gesteuerte Machos verdient ? Und das schlimmste dabei ist, dass die meisten davon sogar gewählt wurden. Verrückte Menschen. Ich habe wenig Hoffnung, dass die Menschheit die großen Probleme, die auf uns zukommen, meistern kann.
Björn L 27.08.2019
2. Niveau der internationalen Diplomatie
Dieses Niveau ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum neuen Ton der Diplomatie. Vielleicht sollte man den Posterboy aus Frankreich einen Spaten schenken samt Ticket zum frischgerodeten Sandkasten im ehemaligen Regenwald. Dort kann er dann mit dem Menschenfreund aus Brasilien ein Battle liefern, angefeuert von Trump, sofern dessen Familiengeschäfte ihm nach dem Golf spielen dafür Zeit einräumen. Falls nicht kann Trump das via Smartphone parallel zu Foxnews online gucken und via Twitter kommentieren. Bin gespannt, wann die USA sich mit Iran auf derartigen Level sich/uns "unterhalten" Die angedachten Millionen taugen nicht mal zum Umbau der einzigen zu löschzwecken genutzten 747, die nicht mal auf dem Wasser zu kurzfristigen Betankung von Löschwasser landen kann. Der Trost: Rindfleisch, Soja und Mais werden günstiger dank neuer Weiden und Ackerflächen. Evtl. wird Brasilien auch ein Exporteuer von Sauerstoffflaschen. Dann kann er mit Macron streiten, wer den größten im Sortiment hat.
three-horses 27.08.2019
3. 20 Millionen sind nicht gerade viel und gestreut.
Ist schon eine Katastrophe zu der Zeit. Der Presidente sollte sich aber nicht so wichtig machen. Auch Frankreich ist ein abgeholztes Land und seit etliche Zeit ist der Mistral der Vorbote des von Menschen verursachtes Klima Wandels. So schön Bäume pflanzen Herr Presidente. Quatschen kann jeder.
St.Baphomet 27.08.2019
4. Bolso-Nero
Ich denke mal mit diesem Namen wird dieser Süd-Trump in die Geschichte seines Landes eingehen. Entschuldigen? Das ist doch Kindergarten pur. Kaum ist der Mann gewählt und die Trockenzeit gekommen fackeln seine "Gehilfen" mangels Strafverfolgung den Regenwald für Rindfleisch und Soja ab. Und wo landet der ganze Profit bei diesem "Geschäft"? Da wo er in Brasilien schon immer landet. Bei der meist weißen Oberschicht aus Großgrundbesitzern und Industrieellen. Mit anderen Worten genau die, die Bolsoneros Wahlkampf bezahlt haben. Aber bei uns ist dies ja zum Glück völlig anders nicht wahr?
doctoronsen 27.08.2019
5. Brasilien-Boycott, was anderes hilft nicht
Jetzt reicht's. Ab jetzt werde ich jeden Händler zur Rede stellen, der brasilianische Waren im Sortiment hat, insbesondere Fleisch. Brasilien-Boycott, was anderes hilft nicht.
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