Brandenburg Aufbau des unterirdischen CO2-Speichers beginnt

Beim brandenburgischen Pilotprojekt zur Versenkung von Kohlendioxid sind die ersten Anlagen in Betrieb gegangen. Im Herbst wollen Forscher erstmals CO2 in die Tiefe pumpen. Die unterirdische Speicherung des Klimakillers gilt als eine mögliche Maßnahme gegen die Erderwärmung.


Potsdam - "Alle reden von sauberer Kohle, hier ist sie", so die vollmundige Ankündigung von Joachim Wuermeling, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) sprach von einer "glücklichen Zukunft mit fossilen Energien".

Anlass der politischen Euphorie in Sachen Klimaschutz ist das europäische Pilotprojekt CO2SINK zur Speicherung von Treibhausgas unter der Erde. Am heutigen Mittwoch wurden im brandenburgischen Ketzin erste Komponenten des CO2-Speichers in Betrieb genommen. Zuvor hatten Techniker bereits eine erste Bohrung in eine Tiefe von 803 Meter abgeschlossen, teilte das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) mit. Die eigentliche Speicherung des Klimagases Kohlendioxid werde im Herbst erfolgen, hieß es.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Junghanns betonte, dass Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum keine Gegensätze seien. Die Stromgewinnung aus Kohle müsse jedoch umweltfreundlicher werden. Darum sei die Entwicklung neuer, weitgehend CO2-freier Kraftwerkstechnologien wichtig für die Zukunft der Braunkohlenutzung. Fossile Energiequellen würden im künftigen Energie-Mix weiterhin benötigt, sagte er.

Hält das Reservoir dicht?

Bis 2009 sollen in die Testanlage 60.000 Tonnen Kohlendioxid gepumpt werden. Über zwei weitere mit Messgeräten ausgestattete Bohrlöcher wollen die Forscher beobachten, wie sich gelöstes CO2 in der Tiefe verhält.

"Wir müssen überprüfen, ob das Reservoir dicht und sicher ist", erläuterte GFZ-Projektleiter Günter Borm, der aber davon ausgeht, dass so gut wie nichts aus der Lagerstätte nach oben entweicht. Dafür spreche auch, dass in 250 bis 400 Meter Tiefe unter Ketzin jahrzehntelang große Mengen russischen Erdgases in ähnlichen Gesteinsschichten zwischengelagert wurden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte einen "alternativlosen Ausstieg aus der klimaschädlichen Braunkohleverstromung". Es sei ungeklärt, ob die kostenintensive Speicherung überhaupt funktioniere und betriebswirtschaftlich sinnvoll sei, kritisierten die Naturschützer. Es ließen sich maximal 70 Prozent der CO2-Emissionen eines Kraftwerkes isolieren. Der Aufwand für die Technologie, die voraussichtlich nicht vor 2020 tatsächlich einsatzbereit sei, würde eine Erhöhung der Strompreise um 50 bis 70 Prozent nach sich ziehen. Zudem warnte der BUND, Kohlendioxid könne schon in Konzentrationen ab fünf Prozent in der Atemluft für den Menschen gefährlich werden. Ab acht Prozent trete nach 30 bis 60 Minuten der Tod ein.

1967 musste laut BUND schon einmal ein Dorf bei Ketzin evakuiert werden, weil giftiges Kohlenmonoxid aus einem unterirdischen Speicher ausgetreten war. Die Projekt-Beteiligten wiesen am Mittwoch in Potsdam allerdings jegliche Sicherheitsbedenken zurück.

hda/ddp/AP



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