Neue Verordnung Das passiert jetzt mit Brandenburgs Problemwölfen

Seitdem wieder Wölfe in Deutschland leben, streiten vor allem Naturschützer und Viehhalter erbittert. Brandenburg erlässt jetzt als erstes Bundesland genaue Regeln.

Ein Wolf im Tierpark Neuruppin (Brandenburg)
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Ein Wolf im Tierpark Neuruppin (Brandenburg)


In Brandenburg gilt künftig eine Verordnung, die den Abschuss von aggressiven oder anderen problematischen Wölfen regelt. Nach Ministeriumsangaben ist es die erste Wolfsverordnung in Deutschland. Sie soll Anfang 2018 in Kraft treten.

Die Verordnung umfasse den Umgang mit den Raubtieren "im Spannungsfeld zwischen dem Schutzstatus der Tiere und dem Schutzbedürfnis der Menschen sowie der Nutztierhalter", sagte Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Danach ist ein Abschuss als letztes Mittel erlaubt, wenn andere Maßnahmen wie Verscheuchen oder Schutzzäune keinen Erfolg bringen.

Im Bundesnaturschutzgesetz ist festgelegt, dass der Wolf als geschützte Art nicht geschossen werden darf - es lässt jedoch Ausnahmen zu. Dazu zähle unter bestimmten Bedingungen etwa ein Problemwolf, der ganze Herden reiße, erläuterte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums. Auch wenn ein Wolf dem Menschen zu nahe komme, könne er im Extremfall erschossen werden. Wie das geschehe und wer das genau dürfe, müssten die Bundesländer wie jetzt Brandenburg regeln.

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Wölfe in Deutschland: Begegnung mit einem Raubtier

"Die anderen Bundesländer warten schon mit Spannung auf unsere Verordnung", sagte Vogelsänger. "Ich gehe fest davon aus, dass sie nun auch eigene Verordnungen erlassen werden." Nach Ministeriumsangaben leben in Brandenburg derzeit die meisten Wölfe. So seien 22 Rudel, 2 Paare und 2 Einzelgänger gezählt worden. (Lesen Sie hier, wie sich Wölfe in Deutschland insgesamt ausbreiten.)

Gemäß Verordnung sollen aggressive Tiere, die Menschen gefährlich werden, sofort getötet werden. Einen solchen Fall habe es aber noch nicht gegeben, erklärte ein Ministeriumssprecher. Auch wenn Wölfe zweimal auf Weiden eindringen und Nutztiere reißen, dürften sie erlegt werden - allerdings nur dann, wenn die Weide mit Zäunen oder anderen Maßnahmen ausreichend geschützt wurden.

"Es wird nur Einzelfallprüfungen geben", betonte der Minister. Zuständig ist das Landesumweltamt, das zunächst mildere Methoden wie Verscheuchen oder Vergrämen der Tiere versuchen muss. Bleibt dies erfolglos, darf eine "berechtigte Person" dem Wolf nachstellen und ihn töten. Dies soll in der Regel der Jagdpächter sein.

"Im Großen und Ganzen sind wir mit der Verordnung einigermaßen zufrieden", sagte die Geschäftsführerin des Brandenburger Naturschutzbundes, Christiane Schröder. "Das A und O wird aber sein, ob es genügend Personal in der Verwaltung gibt, um die Verordnung umzusetzen."

Bauern beklagen "vergiftetes Weihnachtsgeschenk"

Dagegen sprach der Bauernbund von einem "vergifteten Weihnachtsgeschenk". "Durch eine Vielzahl von Einschränkungen und schwammigen Formulierungen bleiben wir Landwirte den Launen praxisfremder Bürokraten ausgeliefert", sagte Biobauer Frank Michelchen. "Die Politiker sind eingeknickt vor der mächtigen Lobby aus Nabu, BUND und WWF, ..." Nach Angaben des Bauernbundes wurden dem Landwirt in diesem Jahr bereits drei Kälber von Wölfen gerissen.

Auch das Forum Natur, ein Zusammenschluss von Landnutzer-Verbänden, zeigte sich enttäuscht. Wenn die Verordnung immer noch regele, dass man Wölfe durch Steinwürfe oder Stockhiebe vertreiben könne, sie dabei aber nicht verletzen dürfe, ähnele das Papier einer satirischen Glosse. Immerhin sei zu loben, dass nun auch Wölfe getötet werden dürften, die mutmaßlich das Vieh gerissen hätten und dass dies nicht mehr zweifelfrei nachgewiesen werden müsse.

Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Dieter Dombrowski, sprach ebenfalls von untauglichen bürokartischen Regelungen, die in der Praxis nicht bestehen könnten. Allein der Personalmangel im Landesumweltamt mache schnelle Entscheidungen bei Problemwölfen unmöglich.

chs/dpa



insgesamt 24 Beiträge
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MisterD 22.12.2017
1. Wo ist eigentlich das Problem?
Soll man dem Landwirt seine 3 Kälber eben ersetzen, dass kann zum Beispiel der NABU und die DUH übernehmen? Es kann nicht sein, dass Wölfe auf der einen Seite wieder bei uns leben sollen, auf der anderen Seite aber keiner für den Schaden aufkommen will. Wer den Wolf hier wieder heimisch haben will, muss auch dazusagen, wer die Folgeschäden übernimmt. Die Bauern können es nicht und nach 3 toten Kälbern in einem Jahr, steht so manch Bauer bereits vor dem finanziellen Aus.
Sumerer 22.12.2017
2.
Zitat von MisterDSoll man dem Landwirt seine 3 Kälber eben ersetzen, dass kann zum Beispiel der NABU und die DUH übernehmen? Es kann nicht sein, dass Wölfe auf der einen Seite wieder bei uns leben sollen, auf der anderen Seite aber keiner für den Schaden aufkommen will. Wer den Wolf hier wieder heimisch haben will, muss auch dazusagen, wer die Folgeschäden übernimmt. Die Bauern können es nicht und nach 3 toten Kälbern in einem Jahr, steht so manch Bauer bereits vor dem finanziellen Aus.
Das Problem ist, dass einige ehrenwerte Mitglieder unserer Gesellschaft (Jäger, Schäfer, Landwirte, Forstwirte, etc.) sich zu Gunsten der Ausbreitung der (Wer-)Wölfe in Deutschland zurücknehmen müssen. Das ist sehr viel verlangt, zumal der hundsgemeine (Wer-)Wolf im Revier des Jägers sein schreckliches Unwesen treibt und den ach so fürbaß geliebten Wild-Bestand gnadenlos dezimiert. Kurzum: Der Waidmann bekommt weniger vor seine rauchend Donnerbüchse und tobt entsprechend. Des Bauern Kühe werden angefressen - zumindest in den Schwanz gebissen. Des Schäfers Schafe mit Haut und Haaren, im Ganzen, gerissen und verschluckt.
geri&freki 22.12.2017
3. Verursacher-Prinzip
Zitat von MisterDSoll man dem Landwirt seine 3 Kälber eben ersetzen, dass kann zum Beispiel der NABU und die DUH übernehmen? Es kann nicht sein, dass Wölfe auf der einen Seite wieder bei uns leben sollen, auf der anderen Seite aber keiner für den Schaden aufkommen will. Wer den Wolf hier wieder heimisch haben will, muss auch dazusagen, wer die Folgeschäden übernimmt. Die Bauern können es nicht und nach 3 toten Kälbern in einem Jahr, steht so manch Bauer bereits vor dem finanziellen Aus.
Sehr gerne - wenn dafür die Landnutzer-Seite ihrerseits auch für die Umwelt- und sonstige Sachschäden aufkommt, die durch ihr Tun und Lassen verursacht werden. Denn diese werden seit vielen Jahrzehnten in aller Regel sozialisiert. Sämtliche Gelder könnten in einen Fond eingezahlt und dann gegeneinander aufgerechnet werden.
IngoLars 22.12.2017
4. Schadenersatz ja...aber...
Zitat von MisterDSoll man dem Landwirt seine 3 Kälber eben ersetzen, dass kann zum Beispiel der NABU und die DUH übernehmen? Es kann nicht sein, dass Wölfe auf der einen Seite wieder bei uns leben sollen, auf der anderen Seite aber keiner für den Schaden aufkommen will. Wer den Wolf hier wieder heimisch haben will, muss auch dazusagen, wer die Folgeschäden übernimmt. Die Bauern können es nicht und nach 3 toten Kälbern in einem Jahr, steht so manch Bauer bereits vor dem finanziellen Aus.
...Schadenersatz wird den Viehhaltern aber grundsätzlich geleistet. Ersetzt wird allerdings nur der unmittelbare Sachschaden, den der Wolf verursacht. Auf Immateriellen Schäden wie z.B. einem zunichte gemachter Zuchterfolg bleibt der Landwirt sitzen. Ich begrüße diese Verordnung ausdrücklich. Ein Schritt in die richtige Richtung, wenngleich man abwarten muss wie die Regelung tatsächlich umgesetzt wird. Wir sind hier in unserer Kulturlandschaft mehr als 100 Jahre ohne den Wolf ausgekommen. Das kann m.E. auch gut so bleiben. Der Wolf ist keine bedrohte Tierart und benötigt daher auch kein Asyl im deutschen Wald. Im Übrigen wird die ganze Wolfs-Diskussion eine andere sein, wenn der erste Jogger oder gar ein Kind Bekanntschaft mit Meister Isegrim gemacht hat und von einem Wolf verletzt oder gar getötet worden ist. Ein denkbares Szenario, wenn man den Wolf wie ein Schoßtier behandelt und nicht dafür sorgt, dass die Scheu vor dem Menschen z.B. durch Bejagung erhalten bleibt. Ich jedenfalls habe selbst als Jäger gesunden Respekt vor diesem Raubtier und das obwohl ich eine Waffe trage wenn ich durch den Wald laufe.
ssc58 22.12.2017
5. überzogener Tierschutz
Diese Traumtänzer von NaBu oder BUND wollen hier unbedingt die Zeit 200 Jahre zurückdrehen. Nur hat sich hier soviel verändert, dass es kein problemloses Zusammenleben zwischen Mensch und Raubtieren mehr geben kann. Dazu fehlen einfach die dafür benötigten großen unberührten Wälder und Freiflächen. Und dort, wo der Wolf verstärkt auf Zivilisation trifft, wird er auch sein Verhalten ändern. Warum sollte er mühsam im Wald hinter Wild herrennen, wenn auf der angrenzenden Wiese sein Mittagessen in Form von Ziege oder Schaf rumsteht und mit viel weniger Aufwand gerissen werden kann? Und damit wird er auch die natürliche Scheu vor Menschen zunehmend verlieren. Die Tiere sind ja nicht dumm und werden sich schnell auf die neue Bedingungen einstellen. Der eigentlich scheue Bär räumt in Vorstädten in Amerika und Osteuropa ja auch schon Müllcontainer aus (siehe div. Video-Clips auf Youtube), obwohl das laut den naiven Vorstellungen der Tierschützer eigentlich gar nicht vorkommen dürfte.
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