Brandkatastrophe in Russland Feuer in verstrahlten Gebieten bestätigt

Russische Behörden haben erstmals zugegeben, dass es in stark verstrahlten Gebieten gebrannt hat. Umweltschützer kritisieren, dass die Bevölkerung zu wenig über die Folgen erfährt. In Deutschland muss sich allerdings niemand Sorgen machen.
Greenpeace-Karte: Brände in radioaktiv verstrahlten Gebieten Russlands

Greenpeace-Karte: Brände in radioaktiv verstrahlten Gebieten Russlands

Foto: Greenpeace

Moskau - Die Region um die russische Stadt Brjansk wurde im April 1986 durch die radioaktive Wolke aus dem Atommeiler Tschernobyl erheblich verstrahlt. In dem Gebiet liegen unter anderem radioaktives Cäsium-137 und Strontium-90 im Boden. Seit Tagen argwöhnen Umweltschützer, dass belastete Areale an der Grenze zur Ukraine und Weißrussland von den massiven Waldbränden erfasst worden seien. Lokale Behörden hatten das stets dementiert.

Nun vollführen die Verantwortlichen eine Kehrtwende: Erstmals hat eine russische Behörde Waldbrände in radioaktiv kontaminierten Gebieten bestätigt. Allein in der Gegend um Brjansk seien vor wenigen Tagen 28 Brände auf einer Fläche von 269 Hektar gezählt worden, erklärte die Waldschutzbehörde nach Angaben der Agentur Interfax. "Es gibt Karten, auf denen die radioaktive Verschmutzung zu sehen ist, und es gibt Karten, auf denen die Feuer zu sehen sind. Wenn man diese Karten übereinanderlegt, wird jedem klar, dass es in radioaktiven Gebieten brennt", erklärte die Behörde.

Genau das hatte Greenpeace zuvor getan - und drei Feuer in einem besonders schwer radioaktiv belasteten Gebiet bei Brjansk entdeckt. Die Gesundheitsgefahr durch aufgewirbelten radioaktiven Staub dürfe nicht unterschätzt werden. Die Aktivisten warfen den Behörden vor, die Bevölkerung über die Bedrohung im Unklaren zu lassen. Cäsium-137 hat eine Halbwertszeit von gut 30 Jahren, kommt also noch in größeren Mengen in den betroffenen Böden vor.

Sowohl Russlands oberster Amtsarzt Gennadi Onischtschenko als auch die lokale Zivilschutzbehörde hatten erklärt, es gebe keine Feuer im Raum Brjansk. Die Waldschutzbehörde räumte nun nicht nur Brände in dem westrussischen Grenzgebiet ein, sondern auch an anderen Orten mit radioaktiver Strahlung, etwa in der Gegend von Tscheljabinsk am Ural. Das Gebiet gilt seit einem Unfall in der Atomanlage Majak im Jahr 1957 als extrem belastet. Inzwischen sollen die Feuer dort gelöscht sein. In ganz Russland seien auf rund 3900 Hektar radioaktiv verstrahlten Landes Brände ausgebrochen, erklärte die Waldschutzbehörde.

Sie rief die staatlichen Stellen in den betroffenen Gebieten auf, Notfallmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen. Es gebe jedoch "keinen Grund zur Panik", sagte der stellvertretende Behördenchef Alexej Bobrinski. Zwar würden mit dem Rauch verseuchte Partikel in die Luft getragen, dies sei jedoch keine Katastrophe.

Für Deutschland besteht nach Ansicht von Experten derzeit keine radioaktive Gefahr. Trotzdem sieht sich der Deutschen Wetterdienst (DWD) die Zugrichtung der Wolken genau an. Der Auftrag dazu kam vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und vom Bundesinnenministerium. Durch die Brände eventuell aufgewirbelte radioaktive Partikel werden in den kommenden Tagen nach Nordwesten in Richtung Osteuropa, Baltikum und Südschweden getrieben, erklärte der DWD. "Nach Deutschland werden bis zum Samstag keine Emissionen kommen", sagte er. Weiter reichten die Wetterprognosen noch nicht.

chs/afp/dpa