Mega-Staudamm Größtes Kraftwerksprojekt in Brasilien gestoppt

Es ist ein Sieg für die Umweltschützer: Ein gigantisches Wasserkraftwerk im Amazonasgebiet darf nicht gebaut werden. Die Anlage hätte die Leistung von sechs Atomkraftwerken erzielen sollen.

Proteste gegen Kraftwerk Belo Monte (Archivbild)
DPA

Proteste gegen Kraftwerk Belo Monte (Archivbild)


Der Protest gegen das bereits in Betrieb stehende Wasserkraftwerk Belo Monte war vergebens - der Mega-Damm wurde trotzdem gebaut. Doch bei einem weiteren Großprojekt waren Kritiker und Naturschützer nun erfolgreich: Das größte geplante Infrastrukturprojekt Brasiliens darf nicht verwirklicht werden. Die Umweltbehörde Ibama hat nun die für den Bau am Tapajós-Fluss im Bundesstaat Pará notwendige Umweltlizenz verweigert. Geplant war dort ein Mega-Staudamm über 7,6 Kilometer Länge, das Wasserkraftwerk sollte mehr als 8000 Megawatt Leistung haben, das entspricht sechs Atomkraftwerken.

Der indigene Stamm der Munduruku und die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatten gemeinsam gegen das von der Regierung geplante Projekt protestiert. Es hätte mit einem Wasserbecken, das fast die Größe New Yorks gehabt hätte, die Lebensgrundlagen der Munduruku zerstören können.

Zudem drohten dem Energieprojekt große Gebiete des Regenwaldes zum Opfer zu fallen. Der geplante Staudamm São Luiz do Tapajós markiere einen der neuen Konflikte über die Zukunft des Amazonas-Regenwaldes, kritisierte Greenpeace. Statt auf Wind und Sonne als Energiequelle zu setzen, baue die Regierung in einer der artenreichsten Gegenden die Wasserkraft weiter aus - der Anteil am Energiemix liegt heute schon bei rund 70 Prozent.

Nicht das erste umstrittene Megaprojekt

Es hatte auch Proteste gegen den Siemens-Konzern gegeben, der die Turbinen liefern sollte. Greenpeace begrüßte die Entscheidung. In den vergangenen Monaten hätten sich mehr als 1,2 Millionen Menschen auf der ganzen Welt gegen das Megaprojekt ausgesprochen.

"Das ist ein großer Sieg für die Munduruku, die in der Tapajós-Region leben und deren Traditionen und Rechte durch den Damm massiv bedroht waren. Und für alle, die sich um den Schutz des Amazonas-Regenwalds kümmern", sagte Danicley Aguiar von Greenpeace Brasilien. Möglich ist, dass das für den Bau zuständige Unternehmen Eletrobrás einen neuen Antrag mit einer Änderung der Baupläne stellt - ob der erfolgreich sein könnte, ist nicht absehbar.

Das Projekt ähnelte dem bisher größten, realisierten Vorhaben, dem Wasserkraftwerk Belo Monte im Norden des Amazonasgebiets. Die ersten Turbinen wurden bereits in Betrieb genommen, es soll nach der bis 2019 geplanten Fertigstellung eine Leistung von 11.233 Megawatt haben und bis zu 60 Millionen Menschen mit Energie versorgen - auch hier gibt es viel Kritik und Widerstand.

joe/dpa



insgesamt 60 Beiträge
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felisconcolor 05.08.2016
1. Tja
dann wird Brasilien eben 6 Atomkraftwerke bauen. Der Strom kommt halt doch nicht aus der Steckdose. Einfach mal nachrechnen wieviele Quadratkilometer Solarpanele oder weieviele Windkraftwerle man für diese Leistung bauen müsste. Das kommt sicher noch besser für den Regenwald. Aber Greenpeace wird seine Mitarbeiter sicher dazu anhalten auf dem Ergometer zu strampeln um dem Volk die benötigte Energie zur Verfügung zu stellen. Oder sich doch wieder nur in die Konzernzentrale zurück ziehen sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und die unterprivilegierten Teile Brasiliens Bevölkerung ohne Strom dastehen zu lassen. Man hat es zuhause ja auch warm und hell bei Nacht. So kann man aufstrebende Staaten auch klein halten in dem man ihnen benötigte billige Energie vorenthält. Sind das die wahren Ziele von Greenpeace? Für wen arbeitet Greenpeace in Wirklichkeit?
C-Hochwald 05.08.2016
2. Was außerdem zu bedenken ist
Zitat von felisconcolordann wird Brasilien eben 6 Atomkraftwerke bauen. Der Strom kommt halt doch nicht aus der Steckdose. Einfach mal nachrechnen wieviele Quadratkilometer Solarpanele oder weieviele Windkraftwerle man für diese Leistung bauen müsste. Das kommt sicher noch besser für den Regenwald. Aber Greenpeace wird seine Mitarbeiter sicher dazu anhalten auf dem Ergometer zu strampeln um dem Volk die benötigte Energie zur Verfügung zu stellen. Oder sich doch wieder nur in die Konzernzentrale zurück ziehen sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und die unterprivilegierten Teile Brasiliens Bevölkerung ohne Strom dastehen zu lassen. Man hat es zuhause ja auch warm und hell bei Nacht. So kann man aufstrebende Staaten auch klein halten in dem man ihnen benötigte billige Energie vorenthält. Sind das die wahren Ziele von Greenpeace? Für wen arbeitet Greenpeace in Wirklichkeit?
Sie haben mit dem Einwand bzgl. der 6 Atomkraftwerke recht. Viele Menschen scheinen das Problem mit der Grundlastversorgung nicht zu verstehen. Diese kann derzeit nicht von Wind- oder Solarenergie verwirklicht werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Entwicklung geeigneter Akkumulatoren / elektrischer Speicher vorankommt. Aber auch diese Speicher verbrauchen Fläche. Genau so wie notwendige Stromtrassen für die komplette Infrastruktur. Doch auch dafür werden sich genügend Umweltaktivisten finden, die ideologisch / leidenschaftlich gegen solche Bauwerke und Installationen protestieren, weil sie ja schlecht in die Landschaft passen. Menschen können so irrational werden, wenn sie sich einer Sache verschrieben haben...., aber die Errungenschaften des auf Technologie basierenden Wohlstandes nutzen sie freilich sehr gerne.
merapi22 05.08.2016
3. Greenpeace für Mensch und Umwelt
Zitat von felisconcolordann wird Brasilien eben 6 Atomkraftwerke bauen. Der Strom kommt halt doch nicht aus der Steckdose. Einfach mal nachrechnen wieviele Quadratkilometer Solarpanele oder weieviele Windkraftwerle man für diese Leistung bauen müsste. Das kommt sicher noch besser für den Regenwald. Aber Greenpeace wird seine Mitarbeiter sicher dazu anhalten auf dem Ergometer zu strampeln um dem Volk die benötigte Energie zur Verfügung zu stellen. Oder sich doch wieder nur in die Konzernzentrale zurück ziehen sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und die unterprivilegierten Teile Brasiliens Bevölkerung ohne Strom dastehen zu lassen. Man hat es zuhause ja auch warm und hell bei Nacht. So kann man aufstrebende Staaten auch klein halten in dem man ihnen benötigte billige Energie vorenthält. Sind das die wahren Ziele von Greenpeace? Für wen arbeitet Greenpeace in Wirklichkeit?
Atomkraft ist die mit Abstand teuerste Art Energie zu gewinnen, zudem noch mit den höchsten Belastungen für Mensch und Umwelt. Die Sonne schickt und keine Rechnung und Brasilien hat eins im totalen Überfluss = Sonne! Statt die Lebensgrundlage von Menschen den Urwald durch einen Damm zu vernichten, kann man mit Solarenergie ökologisch sowie ökonomisch sinnvoller Energie gewinnen. Ein Dank an Geenpeace und alle die dazu beigetragen haben den Amazonas Urwald zu erhalten.
Attila2009 05.08.2016
4.
Zitat von felisconcolordann wird Brasilien eben 6 Atomkraftwerke bauen. Der Strom kommt halt doch nicht aus der Steckdose. Einfach mal nachrechnen wieviele Quadratkilometer Solarpanele oder weieviele Windkraftwerle man für diese Leistung bauen müsste. Das kommt sicher noch besser für den Regenwald. Aber Greenpeace wird seine Mitarbeiter sicher dazu anhalten auf dem Ergometer zu strampeln um dem Volk die benötigte Energie zur Verfügung zu stellen. Oder sich doch wieder nur in die Konzernzentrale zurück ziehen sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und die unterprivilegierten Teile Brasiliens Bevölkerung ohne Strom dastehen zu lassen. Man hat es zuhause ja auch warm und hell bei Nacht. So kann man aufstrebende Staaten auch klein halten in dem man ihnen benötigte billige Energie vorenthält. Sind das die wahren Ziele von Greenpeace? Für wen arbeitet Greenpeace in Wirklichkeit?
Dann rechnen Sie bitte auch mal . Brasilien hat drei Dinge im Überfluss. Fläche ,Wind und Sonne.Paar Quadratkilometer Solarpanele sind nicht umweltgefährdend, ein größeres überschwemmtes Gebiet aber wohl schon. Im Übrigen hat ein Gericht sich die Mühe gemacht die Argumente abzuwägen,Greenpeace war einer der Kläger sowie ich hier lese. Für wen Greenpeace arbeitet ? Unter anderem sogar für Sie oder Ihre Nachkommen wenn es die Lebensgrundlage auf diesem Planeten bewahrt. Was sie nicht tun ist für Profit zu arbeiten, das machen andere......
professor_now 05.08.2016
5.
Danke Spiegel Online - um ja keine wissenschaftlichen Einheiten verwenden zu müssen (da könnten ja manche Leser verschreckt werden) verwendet ihr die "Maßeinheit" Atomkraftwerk. Was denn für eines? Seit wann haben alle Atomkraftwerke die gleiche Nennleistung? Die korrekte Einheit für die Messung von Leistung ist Watt, oder von mir aus auch kW, MW usw. Beim Autokauf werde ich sonst demnächst auch immer umrechnen, der hat 70 PS, das sind ca. 0,006 AKWs... Da wird dann hoffentlich jedem klar, was das für ein Unsinn ist. Ist ja auch kein Wunder, dass die anderen Kommentatoren sofort die falschen Schlüsse ziehen...
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