Amazonas-Regenwald Brasilianer nehmen Kontakt zu isoliertem Urvolk auf

In Brasilien hat eine 30-köpfige Expedition einen isoliert lebenden Stamm aufgesucht. Grund soll der Konflikt zwischen zwei indigenen Völkern gewesen sein. Kritiker warnen vor einem Vordringen in die Schutzgebiete.

Ein Expeditionsmitglied untersucht einen Mann vom indigenen Volk der Korubo
Brazils National Indian Foundation - FUNAI/AP/dpa

Ein Expeditionsmitglied untersucht einen Mann vom indigenen Volk der Korubo


Im brasilianischen Amazonasgebiet hat eine Expedition erstmals Kontakt zu bisher isoliert von der modernen Welt lebenden Mitgliedern des dort ansässigen Volkes der Korubo aufgenommen. Insgesamt seien 34 Angehörige des Stammes im Ureinwohner-Schutzgebiet Vale do Javari an der Grenze zu Peru angetroffen worden. Das teilte die für den Schutz indigener Völker zuständige brasilianische Behörde Fundação Nacional do Índio (Funai) mit.

Ein Ziel der Expedition war demnach, neue Konflikte zwischen den Korubo und dem ebenfalls in dem Gebiet lebenden Volk der Matis zu verhindern. Zudem ging es darum, einige Mitglieder der Korubo, die während des Konflikts der beiden Gruppen mit mehreren Toten 2014 geflohen waren, wieder zu ihren Familien zurückzubringen. Auch dies sei gelungen, hieß es.

Funai reagierte mit der Expedition eigenen Angaben zufolge auf Bitten von Korubo-Angehörigen, die sich von den Matis bedroht gefühlt hätten. Fotos auf der Facebook-Seite von Funai zeigten einige der nun kontaktierten Korubo an der Seite von Expeditionsleiter Bruno Pereira.

Eine riskante Aufgabe

Die gut 30 Personen starke Expedition, darunter mehrere Angehörige der Korubo und anderer Stämme, war am 3. März aufgebrochen. Sie hatte als hochriskant gegolten, da nicht klar war, wie die isoliert lebenden Indigenen reagieren würden.

Am 19. März seien dann die ersten zwei Korubo ohne bisherigen Kontakt zur Außenwelt bei der Jagd angetroffen worden. "Das war ein sehr emotionales Erlebnis", sagte Expeditionsleiter Pereira. "Es stellte sich heraus, dass die beiden Brüder eines Expeditionsmitglieds waren. Sie hatten sich seit 2015 nicht mehr gesehen und gedacht, der Bruder sei tot."

Alle 34 Indigenen wurden medizinisch untersucht und gemäß den staatlichen Regeln geimpft, wie Funai weiter schreibt. Nur ein Mitglied habe gesundheitliche Probleme gehabt, bei ihm wurde Malaria festgestellt. Er willigte den Angaben zufolge in eine sieben Tage dauernde Behandlung ein. Am 7. April soll ein neues Team das bisherige ablösen und für weitere 45 Tage in Kontakt mit den Indigenen bleiben.

Bolsonaro will Schutzgebiete verkleinern

Die Expedition war die erste unter der Regierung des rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Die Überlegungen dazu hatten aber bereits vor mehr als drei Jahren begonnen. Der seit Januar regierende Staatspräsident Bolsonaro will die wirtschaftliche Nutzung des Amazonasbeckens weiter vorantreiben. Er kündigte bereits an, keine neuen indigenen Schutzgebiete auszuweisen und bestehende zu überprüfen. Seiner Meinung nach sind diese Gebiete, gemessen an der Zahl der dort lebenden Völker und Ethnien, viel zu groß.

Fotostrecke

6  Bilder
Isolierte Völker: Allein im Dschungel

Das Schutzgebiet Vale do Javari umfasst rund 85.000 Quadratkilometer und ist damit größer als Österreich. Nach Angaben von Funai leben in Vale do Javari besonders viele von der Außenwelt abgeschottete Völker.

Expeditionen zu isoliert lebenden Völkern sind umstritten. Die in Göttingen ansässige Gesellschaft für bedrohte Völker etwa befürchtet, dass diese größte Unternehmung seit mehr als 20 Jahren eine Initialzündung sein könnte, um die wirtschaftliche Nutzung der Schutzgebiete voranzubringen.

cop/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.