Jahrhundertentdeckung Biologen finden neue Delfinart

Zum ersten Mal seit rund hundert Jahren haben Forscher eine neue Art von Süßwasserdelfinen entdeckt. Die Tiere leben in Brasilien - und haben eine höchst ungewisse Zukunft vor sich. Womöglich gibt es nur noch tausend Exemplare.
Flussdelfine in Brasilien: Hier sind Rosa Flussdelfine zu sehen, nicht die neue Art

Flussdelfine in Brasilien: Hier sind Rosa Flussdelfine zu sehen, nicht die neue Art

Foto: RICARDO MORAES/ REUTERS

Manaus - Forscher haben im brasilianischen Amazonasbecken eine neue Flussdelfinart entdeckt. Umweltschützer sprachen von einer "sensationellen Entdeckung". Der neue Delfin (Inia araguaiensis) wurde von Forschern der staatlichen Amazonas-Universität (Ufam) in Kooperation mit dem Nationalen Amazonas-Forschungsinstitut (Inpa) im Rio Araguaia identifiziert. An den Fluss erinnert auch der Name der neuen Art, die von den Wissenschaftlern auch im Fachmagazin "PLoS One"  beschrieben wurde.

Der neue Araguaia-Delfin gilt als stark gefährdet: Die Forscher gehen davon, dass die Population nicht über tausend Exemplaren liegt. Viele der Delfine leben in der Nähe eines Wasserkraftwerk-Staudammes im Bundesstaat Pará.

"Seit fast hundert Jahren wurde keine neue Süßwasserdelfinart entdeckt", sagte Roberto Maldonado, Lateinamerikareferent vom WWF Deutschland. Zwar sei bekannt gewesen, dass es in den Flüssen Araguaia und Tocantins im Osten des Amazonasbeckens Zahnwale gebe. Allerdings sei man bislang davon ausgegangen, dass es sich um Exemplare des in Südamerika stärker verbreiteten Rosa Flussdelfins (Inia geoffrensis) handelt.

Beliebter Köder bei Fischern

Diese Tiere sind allerdings auch in Gefahr, weil ihr fettreiches Fleisch von Fischern als Köder zum Fang von Welsen eingesetzt wird. Das Amazonas-Forschungsinstitut beobachtet die Tiere gezielt in einem bestimmten Flussabschnitt - und zwar seit 17 Jahren. Seit Beginn der Beobachtungen falle die Delfin-Population dort jedes Jahr um rund sieben Prozent, so das Fazit der Forscher.

Die neue Art unterscheidet sich von ihren Verwandten durch einen längeren Schädel und weniger Zähne. Die hat sich nach Schätzungen der Wissenschaftler von rund zwei Millionen Jahren von der Verwandtschaft im Amazonas abgespalten.

Flussdelfine leben im Amazonas, aber auch im Ganges, Mekong oder Jangtse. Mit Ausnahme des Indus-Delfins, der offenbar von einem Fangverbot profitiert, schrumpfen die Bestände nach Auskunft von Umweltschützern seit Jahrzehnten rapide. Immer mehr Dämme, Überfischung, Umweltverschmutzung sind Gründe dafür, dass der Baiji-Flussdelfin in China sogar als ausgestorben gilt.

chs/dpa
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