Feuer in Amazonasregion Brasilien weicht Brandverbot wieder auf

Wegen verheerender Waldbrände hatte die Regierung Brasiliens das Abbrennen von Flächen während der Trockenzeit im ganzen Land verboten. Wenige Tage später nimmt sie einen Teil der Vorgaben wieder zurück.

Verkohlter Baumstumpf: Schwerste Brände seit Jahren
REUTERS/Bruno Kelly

Verkohlter Baumstumpf: Schwerste Brände seit Jahren


Innerhalb von 60 Tagen dürfen keine Feuer mehr gelegt werden, um beispielsweise Weide- und Ackerflächen auf gerodeten Flächen zu erschließen. Das sieht ein Verbot vor, dass die brasilianische Regierung vergangenen Mittwoch erlassen hatte. Die Vorschrift ist aber wieder eingeschränkt worden: Ausgenommen von dem Verbot sind nun für die Ernte notwendige und genehmigte Brände außerhalb der neun Bundesstaaten des Amazonasgebiets.

Das geht aus Änderungen des ursprünglichen Dekrets hervor, die am Freitag (Ortszeit) im Amtsblatt veröffentlicht wurden. Ausnahmen galten bis dahin lediglich für indigene Gemeinden, die Ackerbau zur Selbstversorgung betreiben, und für Brände, die von den zuständigen Umweltbehörden zwecks Brandverhütung, Brandbekämpfung oder Pflanzengesundheit genehmigt wurden.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Brände seit Jahren. Seit Anfang des Jahres wurden in dem südamerikanischen Land fast 85.000 Feuer registriert - 75 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Etwa die Hälfte der Brände gab es in der Amazonasregion, ein Drittel in der Cerrado-Savanne im Südosten von Brasilien. In den neun Bundesstaaten des Amazonasgebiets verdoppelte sich die Zahl der Brände im Vergleich zum vergangenen Jahr.

Nach Einschätzung von Umweltschützern stecken meist Farmer bereits abgeholzte Flächen in Brand, um neue Weideflächen und Ackerland für den Soja-Anbau zu schaffen. Wegen der Trockenzeit greifen die Feuer immer wieder auf noch intakte Waldflächen über.

Kritiker werfen dem rechten Präsidenten Jair Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Farmer zu mehr Brandrodungen ermutigt fühlen. Nach einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb Bolsonaro bei Twitter, er habe ein "produktives" Gespräch mit Merkel gehabt, die dabei nochmals die "Souveränität Brasiliens über unsere Amazonasregion" bestätigt habe.

In der Debatte über eine Reaktion auf die verheerenden Waldbrände regte Bundesumweltministerin Schulze an, die Nachhaltigkeitsregeln des Freihandelsabkommens Mercosur zwischen der Europäischen Union und lateinamerikanischen Staaten um ein Zertifizierungssystem für Fleisch zu ergänzen. "Soja und Rindfleisch sollten nur dann importiert werden dürfen, wenn die Produktion nachweislich nicht dem Regenwald schadet", sagte Schulze dem SPIEGEL.

vks/AFP/dpa

insgesamt 10 Beiträge
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tretertruppe 01.09.2019
1. Nostradamus hat es nicht erkannt!!
Denn der Anti-Christ ist nicht eine Person..... es reichen jetzt 10 bis 15 Personen aus, um die Menschheit für immer zu vernichten.....
cph4 01.09.2019
2.
traurig was Kapitalismus aus menschen macht.eu muss die Freihandelszone wieder abschaffen außerdem müssen die bauern vorort aufgeklärt werden das es schlecht was sie tun
bapu65 01.09.2019
3. Sofortiger
Boykott saemtpicher brasilianischer Produkte, 500 % Einfuhrzoelle auf alles was aus Brasilien kommt, Angela mach mal, nur so merken diese Kopfgesteuerten .. sorry Geldbeutelgesteuerten was da abgeht: Mit uns nicht!
Tolotos 01.09.2019
4. Es ist nicht der Kipitalismus, es ist das Fehlen von Demokratie!
Zitat von cph4traurig was Kapitalismus aus menschen macht.eu muss die Freihandelszone wieder abschaffen außerdem müssen die bauern vorort aufgeklärt werden das es schlecht was sie tun
Es reicht nicht, wenn die Wähler durch Wählen entscheiden dürfen, wer die Wünsche von Wirtschaftslobbyisten in politische Willensbildung umsetzt.
chicoalemão 01.09.2019
5. @Bapu65
Wollen Sie Boykott oder Einfuhrzoelle; beides zusammen widerspricht sich. Das weiss selbst Herr Trump. Bitte vergessen Sie nicht das Eisenerz. Ohne brasilianisches Eisenerz wird Ihr naechstes Auto teurer oder die Karosserie muss aus umweltfreundlichem Kunststoff gefertigt werden. Das gilt auch fuer Zuege und andere Verkehrsmittel.
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