Von Afrika bis Mexiko Forscher vermessen größten Algenteppich der Welt

Im Atlantik machen sich zunehmend Braunalgen breit. Analysen von Satellitenbildern zeigen nun das Ausmaß der Umweltbedrohung.

Algen bedecken das Meer am Strand der Florida Keys
Brian Lapointe/ Florida Atlantic Universitys Harbor Branch Oceanographic Institute/ DPA

Algen bedecken das Meer am Strand der Florida Keys


US-Forscher haben im Atlantik den weltweit größten Algenteppich vermessen. Die betroffene Region erstreckte sich im vergangenen Jahr über eine Länge von etwa 8850 Kilometern und reichte von Westafrika bis zum Golf von Mexiko, zeigt eine Analyse von Satellitenbildern. Das wiederkehrende massenhafte Blühen könnte zur Normalität werden, warnen die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science".

An den Stränden beliebter Urlaubsziele in Mexiko und an anderen Orten im Karibischen Meer und im Golf von Mexiko sammelten sich zuletzt immer mehr der sogenannten Golftange (Sargassum). Sie schaden nicht nur der Tourismusbranche, sondern gefährden auch das Ökosystem. Der karibische Inselstaat Barbados rief im vergangenen Jahr den Notstand aus.

Einige Arten von Sargassum leben auf der Meeresoberfläche und wachsen zu schwimmenden Inseln heran, die bereits Christoph Columbus beschrieben hat. An sich ist das kein Problem. Die Seetang-Inseln ziehen Fische, Vögel und Schildkröten an. Außerdem setzen die Algen bei der Fotosynthese Sauerstoff frei.

Geruch von faulen Eiern

Doch seit 2011 breiten sich die Golftange explosionsartig aus - auch an Orten, an denen sie zuvor nicht vorkamen - und gefährden dadurch Meerestiere und Korallen, weil sie beispielsweise kaum noch Licht in tiefere Wasserschichten lassen. Werden sie an den Strand gespült und zersetzen sich, geben sie Schwefelwasserstoff frei, der nach faulen Eiern riecht.

Warum sich die Algen zuletzt rasant ausgebreitet haben, können die Forscher noch nicht genau sagen. "Die chemische Zusammensetzung des Meeres muss sich verändert haben, damit das Blühen derart außer Kontrolle gerät", sagt Studienleiter Chuanmin Hu. Der Algenteppich wog demnach insgesamt mehr als 20 Millionen Tonnen.

Die Forscher vermuten, dass der Algenteppich seinen Ursprung in der Gegend rund um die Amazonasmündung hat. Der Theorie zufolge versorgt der Strom die Algen mit Nährstoffen, die beim Düngen auf Feldern in der Region vermehrt ins Wasser gelangen. Allerdings fehlen noch zuverlässige Daten, die die These stützen.

Klar ist jedoch, dass die Abholzung des Amazonasregenwaldes immer weiter voranschreitet. In Brasilien sind im Juni 60 Prozent mehr Fläche abgeholzt worden als im Vorjahresmonat. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt Anfang des Jahres angekündigt, Schutzgebiete für die wirtschaftliche Nutzung freigeben zu wollen.

koe/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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rhodococcus 04.07.2019
1. ... mal drüber nachgedacht...
... dass Algen auch vom Kohlendioxid angezogen diesen wieder zu Biomasse werden lassen ?!? Wissen wir wirklich was zuviel und was zuwenig ist ?!? Die folgliche Sauerstoffzehrung und anaeroben Bedingungen werden auch ihre mikrobiellen Abnehmer finden - und bestimmte Organismen werden darunter leiden ! So ist Natur und der Mensch kann sich nur wundern, wie komplex das alles ist !?!
michael.renper 04.07.2019
2. CO2 ist nicht der Flaschenhals
Zitat von rhodococcus... dass Algen auch vom Kohlendioxid angezogen diesen wieder zu Biomasse werden lassen ?!? Wissen wir wirklich was zuviel und was zuwenig ist ?!? Die folgliche Sauerstoffzehrung und anaeroben Bedingungen werden auch ihre mikrobiellen Abnehmer finden - und bestimmte Organismen werden darunter leiden ! So ist Natur und der Mensch kann sich nur wundern, wie komplex das alles ist !?!
Der Einfluss verschiedener Nährstoffe/Resourcen auf das Algenwachstum ist gut erforscht. CO2 ist nicht der limitierende Faktor. Der Falschenhals im Meer sind in der Regel die Verfügbarkeit mineralische Nährstoffe meist häufig Eisen.
schmuella 04.07.2019
3. Naturschutz
"Klar ist jedoch, dass die Abholzung des Amazonasregenwaldes immer weiter voranschreitet. In Brasilien sind im Juni 60 Prozent mehr Fläche abgeholzt worden als im Vorjahresmonat. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt Anfang des Jahres angekündigt, Schutzgebiete für die wirtschaftliche Nutzung freigeben zu wollen." Dieser Absatz passt gut zu einem anderen aktuellen SPON-Artikel: https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/waelder-koennten-zwei-drittel-aller-co2-emissionen-ausgleichen-a-1275799.html Das Abholzen von Wäldern ist ein bedeutender Faktor beim Klimawandel: "Der vierte Bericht des Weltklimarates aus dem Jahr 2007 beziffert diesen Anteil auf 17,4 Prozent. Anderen Quellen zufolge sind 20 bis 25 Prozent aller weltweiten anthropogenen CO2-Emissionen auf Entwaldung zurückzuführen." (Quelle: https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/braunalgen-forscher-vermessen-groessten-algenteppich-der-welt-a-1275832.html#sp.goto.blogcomment=3564) Hier könnte man einen Kritikpunkt an der gegenwärtig geführten Klimadebatte bzw. Fridays for Future-Bewegung anbringen, die sich vor allem auf die Reduzierung des menschengemachten CO2-Ausstoßes fokussiert. Zu den wichtigsten Teilzielen der Bewegung gehören: - Abbau fossiler Brennstoffe im Rahmen einer Energiewende zu beenden; - Subventionen für fossile Energieerzeugung abzuschaffen; - Investitionen in erneuerbare Energien zu steigern; - Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs im Rahmen einer Verkehrswende. (Wikipedia) Es sollte nicht nur um CO2 und Klimaschutz gehen, sondern um Naturschutz im Ganzen: Die Liste der Ziele wäre zu ergänzen um "Erhaltung und Schutz natürlicher Ressourcen wie z. B. Wald und Meere".
curiosus_ 04.07.2019
4. Richtig, Stichwort..
Zitat von michael.renperDer Einfluss verschiedener Nährstoffe/Resourcen auf das Algenwachstum ist gut erforscht. CO2 ist nicht der limitierende Faktor. Der Falschenhals im Meer sind in der Regel die Verfügbarkeit mineralische Nährstoffe meist häufig Eisen.
.."Eisendüngung": Eisendüngung bezeichnet die gezielte Düngung des Oberflächenwassers bestimmter Gebiete der Ozeane mit dem Ziel, das Algenwachstum zu fördern. Relevant ist sie vor allem im Zusammenhang mit der Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre. .. Bei der CO2-Sequestrierung gibt es verschiedene Ansätze. So gibt es die Idee, die Vermehrung von Algen durch Eintrag von Eisensulfat zu fördern, damit diese im Rahmen einer künstlich herbeigeführten Algenblüte das CO2 mittels Photosynthese der Atmosphäre entziehen. (Wikipedia) Na also, passt doch. Die Algen binden CO2, und irgendwann landen sie (oder die, die von ihnen leben) als tote Biomasse auf dem Meeresboden. Und entziehen so dauerhaft CO2 aus der Atmosphäre. Passt doch. Sollte in die Klimamodelle integriert werden, bei der Ausdehnung (und dementsprechend goßen Biomasse) könnte das doch signifikant sein.
markus.pfeiffer@gmx.com 04.07.2019
5. Anders denken
Gerade wurde eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass man weltweit eine Fläche knapp größer als die USA zusätzlich mit Wald aufforsten sollte, um dem CO² in der Atmosphäre Herr zu werden. Nun schluckt ein Algenteppich zwar weniger CO² als ein Wald; dafür ist er aber auch deutlich größer als die USA; und die Algeb, die nicht am Strand zugrunde gehen (also der Großteil), sinkt nach dem Absterben teilweise in tiefere Meeresschichten ab und nimmt das CO² dorthin mit (womit wir bei einem anderen ernstzunehmenden Vorschlag zur CO²-Reduktion, nämlich der "Verklappung" in den Tiefen der Meere wären). Also anstatt gleich wieder zu meckern, dass große Algenteppiche eine Gefahr für Korallen und Meerestiere sein könnten, einfach mal darüber nachdenken, was die eventuell kurz- bis mittelfristig bringen könnten und ihr Entstehen womöglich eher fördern als verhindern! Wäre jedenfalls millionenfach günstiger als alle anderen angedachten Verfahren zur aktiven CO²-Reduktion.
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