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12. August 2009, 16:39 Uhr

Bremen

Behörde lehnt Affenversuche erneut ab

Die umstrittenen Experimente an Affen in Bremen dürfen nicht fortgesetzt werden - das hat das Gesundheitsressort der Stadt beschlossen. Die Universität will die Entscheidung anfechten und notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Bremen - Im Streit um die Fortsetzung von Affenversuchen hat das Bremer Gesundheitsressort der Universität Bremen am Mittwoch erneut eine Absage erteilt. Das Institut für Hirnforschung hatte gegen den ersten Stopp der Experimente Widerspruch eingelegt, der 2008 von der SPD-geführten Behörde verfügt worden war.

Mit den teils Stunden dauernden Experimenten an den Makaken wollen die Wissenschaftler Funktionen des Gehirns erforschen. Die Grundlagenforschung soll der Heilung schwerer Gehirnschäden dienen. Für diese Tierversuche gebe es gegenwärtig keine Alternativen, betonte das Institut. Nach Meinung von Tierschützern sind die Versuche Quälerei.

Die Belastung der Makaken sei durch den zu erwartenden Nutzen ethisch nicht gerechtfertigt, teilte nun das Gesundheitsressort des Bremer Senats mit. Gegen den Bescheid will die Universität beim Verwaltungsgericht klagen. Sie betonte, notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen zu wollen.

Der Hirnforscher Andreas Kreiter experimentiert seit 1997 mit den Primaten. Bisher wurde alle drei Jahre die Erlaubnis dafür verlängert. Die Bremer Gesundheitsbehörde wies jedoch im Herbst 2008 den Antrag der Uni auf eine weitere Verlängerung aus ethischen Gründen zurück.

Die Tierversuche müssen nach einer früheren Entscheidung des Verwaltungsgerichts zwei Monate nach der Ablehnung des Widerspruchs enden. Die Forscher wollen aber eine einstweilige Anordnung beantragen, um ihre Arbeit bis zu einer endgültigen juristischen Klärung fortsetzen zu können.

Das Verwaltungsgericht hatte im Dezember erklärt, schwierige und bislang nicht abschließend geklärte Rechtsfragen müssten noch beantwortet werden. Bei dem Streit geht es um die Frage, welches Recht Vorrang hat - das Grundrecht auf Forschungsfreiheit oder der verfassungsrechtlich verbürgte Tierschutz.

lub/dpa

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