Brummende Fische Gesang macht Weibchen willenlos

Die Männer müssen nur brummen, und die Frauen sind sofort zur Stelle: Weibliche Bootsmannfische gehorchen ihren Gatten aufs Wort - obwohl sie deren Laute eigentlich gar nicht hören können. Der seltene Sinn könnte eines Tages auch Menschen mit Gehörschäden helfen.



Wenn Bootsmannfische im Sommer die Tiefen des Pazifiks verlassen, um zur Paarung an die amerikanische Westküste zu schwimmen, wird es an den felsigen Stränden richtig laut. Denn die Männchen - mit ihren Glupschaugen und dem hochgezogenen Maul nicht unbedingt Schönheiten zu nennen - haben einen ganz besonderen Trick, um die Weibchen ins seichte Wasser zu locken: Die Fische singen lautstarke Arien, die irgendwo zwischen dem monotonen Brummen eines Außenborders und dem lang gezogenen Tuten eines Nebelhorns liegen.

Erzeugt wird dieses Geräusch in der Schwimmblase. Die Fische können ihre dortigen Muskeln derart schnell zusammenziehen und wieder lösen, dass ein Ton mit hoher Frequenz entsteht. Das einzige Problem: Die Weibchen sind normalerweise gar nicht in der Lage, solche Töne zu hören.

Warum die Fischdamen dennoch dem Werben der Männer erliegen und alle ihre Eier in das Nest des geliebten Sängers legen, haben US-Forscher nun entdeckt. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science" berichten, machen es sich die Fischmänner zunutze, dass die Hormone der Weibchen während der Paarungszeit verrückt spielen.

Liebeslieder lassen aufhorchen

Ein erhöhter Steroid-Spiegel erlaubt es den Fischdamen, so Joseph Sisneros von der University of Washington in Seattle, Frequenzen wahrzunehmen, die ihnen sonst verborgen geblieben wären. Um diese Vorgänge genauer zu untersuchen, behandelte der Neurobiologe Sisneros zusammen mit Kollegen von der Cornell University unfruchtbare Fischweibchen mit Steroidhormonen. Auch wenn die Tiere zuvor nicht auf das Brummen der Männchen reagiert hatten, schwammen sie nun anstandslos zu deren Nestern - und das, obwohl sich an ihrer Paarungsbereitschaft nichts geändert hatte: Die Eier in den weiblichen Körpern waren noch immer nicht ausgereift.

"Zum ersten Mal ist es jemandem gelungen, das Hörvermögen bei Wirbeltieren durch Hormone zu verbessern", sagt Sisneros. Das ist umso bemerkenswerter, als dass auch im menschlichen Innenohr Steroidrezeptoren sitzen, deren Sinn Forschern bislang verborgen geblieben war. Die Wissenschaftler hoffen daher, eines Tages auch Menschen, die die Fähigkeit zur Wahrnehmung hoher Frequenzen verloren haben, helfen zu können.

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