AKW Brunsbüttel Bergung löchriger Atommüllfässer kann beginnen

Hunderte beschädigte Atommüllfässer will der Energiekonzern Vattenfall mit Spezialgreifern aus dem Kernkraftwerk Brunsbüttel holen. Die Aufsichtsbehörde hat dem Plan jetzt zugestimmt. Doch die Bergung wird Jahre dauern.

Stahlblechfässer mit radioaktivem Abfall: Bergung mit Spezialwerkzeug
DPA

Stahlblechfässer mit radioaktivem Abfall: Bergung mit Spezialwerkzeug


Kiel - Es soll das Ende eines "unrühmlichen Kapitels der Atomgeschichte" sein, sagte Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) am Montag: Die schleswig-holsteinische Atomaufsicht hat die Pläne des Energiekonzerns Vattenfall zur Bergung teils beschädigter Atommüllfässer aus dem AKW Brunsbüttel gebilligt. Die Bergung soll im dritten Quartal 2015 beginnen und drei Jahre dauern.

Laut dem Konzept sollen die Fässer aus den geöffneten Kavernen des AKW gehoben werden. Dabei kommen eigens konzipierte Spezialgreifer zum Einsatz, die sich an mehreren Punkten an den Behältern abstützen und so ein Auseinanderbrechen verhindern. Die Arbeiten finden unter einer Dachkonstruktion statt, unter der Unterdruck herrscht, sodass kein radioaktives Material austreten kann. Die Abfälle werden dann in "endlagerfähige" Behälter umgepackt, so der Plan.

Endlagerung erst ab 2020

Die Abfälle sind für die Endlagerung im Schacht Konrad vorgesehen, dem offiziellen deutschen Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall. Es wird derzeit ausgebaut und steht voraussichtlich ab Anfang der 2020er Jahre zur Verfügung. Bis dahin sollen die radioaktiven Rückstände weiter am AKW Brunsbüttel bleiben.

In dem inzwischen abgeschalteten Atomkraftwerk waren in den Lagerräumen für schwach- und mittelradioaktiven Abfall zahlreiche verrostete und beschädigte Fässer entdeckt worden. Von den rund 570 bisher untersuchten Behältern wiesen dem Ministerium zufolge 154 schwere Schäden auf. Einige Fässer konnten noch nicht untersucht werden. Insgesamt befinden sich an dem AKW-Standort nach derzeitigem Kenntnisstand 632 Fässer in sechs unterirdischen Lagerkavernen aus Beton.

Schäden durch Feuchtigkeit

Eine Gefahr für die Umwelt besteht nach Angaben der Behörden nicht, da Strahlung durch die Betondecken und -wände abgehalten werde. In den Fässern lagern Abfälle aus dem Reaktorbetrieb, darunter sogenannte Filterharze, Metallteile und Verdampferkonzentrat, das beim Reinigen radioaktiv belasteten Wassers übrigblieb. Die hochradioaktiven abgebrannten Brennstäbe gehören jedoch nicht dazu. Sie lagern hermetisch abgeriegelt in Castor-Spezialbehältern in einem eigenen Zwischenlager.

Das Verdampferkonzentrat lief nach Angaben des Ministeriums aus einigen beschädigten Fässern und sammelte sich als breiartige Masse in den Kavernen. Als mögliche Ursache für die Schäden gilt, dass das Konzentrat vor der Verpackung vor Jahrzehnten nicht genügend getrocknet worden war, was zu feuchtigkeitsbedingter Korrosion führte.

jme/AFP

insgesamt 33 Beiträge
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rainking 09.02.2015
1. Wie immer.
"Eine Gefahr für die Umwelt besteht nach Angaben der Behörden nicht, da Strahlung durch die Betondecken und -wände abgehalten werde." Selbstverständlich besteht für Umwelt, Mensch und Tier keine Gefahr. Wie in der Asse auch - oder in Tschernobyl, Fukushima, ... Auch am Schacht Konrad kann man sich auf Jahrtausende absolut sicher fühlen. Es wird alles Menschenmöglich für die Sicherheit getan werden.
sturmimwasserglas79 09.02.2015
2. Ist doch nicht teuer und zeitlich überschaubar
Die Arbeiten sind doch mit mehreren Jahren schnell erledigt und man kann dann wieder weiter günstigen atomstrom produzieren, die Gewinne einfahren und über erneuerbare Energien herziehen, die die Umwelt viel nachhaltiger "versauen" als die paar harmlosen Fässer Atommüll. Würde ich auf ebay versteigern, denn jeder will doch so ein Fass daheim haben, während Windräder blos verschwinden sollen. Sterben sowieso nur Vögel und Fledermäuse dran.
bz-mof 09.02.2015
3. FT: Autos keine Gefahr für die Umwelt.
"'Eine Gefahr für die Umwelt besteht nach Angaben der Behörden nicht, da Öl und andere trinkwassergefährdenden Chemikalien durch die Metall- und Plastikwände abgehalten werde.' Selbstverständlich besteht für Umwelt, Mensch und Tier keine Gefahr. Wie auf jeder anderen Straße auch. Noch nie ist ein Tropfen Öl/Benzin aus einem Pkw ausgelaufen. Es wird alles Menschenmöglich für die Sicherheit getan werden." Alles klar?
lynx999 09.02.2015
4. Brunsbüttel ist bedauerlicherweise nur ein Klecks...
In Brunsbüttel sind nur rund 150 Fässer defekt. In Karlsruhe (besser Eggenstein-Leopoldshafen) sind rund 1.700 Fässer beschädigt. Also mehr als 10x so viele! Der wahre Knaller kommt aber erst: Es lagern insgesamt rund 65.000 Fässer Atommüll in Karlsruhe, von denen erst rund 20.000 gesichtet wurden. Sprich von 2/3 aller Fässer hat man keine Ahnung in welchem Zustand sich diese befinden. => Es könnten bei weiterhin dieser Quote von fast 8,5% beschädigten Fässern weitere 3.800 Fässer hinzu kommen! Ein wahres (Atommüll-)Fass ohne Boden! Insbesondere für den Steuerzahler, denn Bund und Land haben sich 1991 verpflichtet, alle Kosten aus Entsorgung und Rückbau zu übernehmen, geschätzt etwa fünf Milliarden Euro. Prost Mahlzeit!
bernd.stromberg 09.02.2015
5. Artikelauszug aus Schilda
Artikelauszug aus der Schildaer Zeitung, 09.02.2015: Nachdem bekannt wurde dass in Brunsbüttel Atommüllfässer aufgrund von Leckagen geborgen werden müssen, meldeten sich zahlreiche Bürger und Atomkraftbefürworter freiwillig, um zu helfen. Norbert T. aus Schilda beispielsweise sagt dazu: "Nachdem ich mich in Internetforen und in der Öffentlichkeit für günstigen und sicheren Atomstrom eingesetzt und ausgesprochen hatte, bin ich natürlich auch bereit meinen Worten Taten folgen zu lassen. Mit der freiwilligen Mithilfe untermauere ich meine Vorwürfe an die Atomkraftgegner dass jegliche Gesundheitsgefährdung oder übertriebene Folgekosten absurder Unsinn sind!" Wie Norbert T. aus Schilda meldeten sich übrigens etliche hunderte der auf > 1 Mio. Bürgern geschätzten Atomkraftbefürworter in Deutschland. Was natürlich - in Relation - immer noch eine sehr niedrige Zahl darstellt.
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