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China: Ölpest in der Bucht von Dalian

Foto: AFP / Greenpeace / Jiang He

Bucht von Dalian Chinas Ölkatastrophe gibt Rätsel auf

Wie groß ist die Ölpest in China wirklich? Nach Regierungsangaben sollen lediglich 1500 Tonnen Öl ausgelaufen sein. Ein US-Experte geht nach einem Besuch des Unglücksorts von 60.000 Tonnen aus - und spricht von der schlimmsten Ölkatastrophe in der Geschichte Chinas.

Am 16. Juli hallte der Donner einer heftigen Explosion durch die chinesische Hafenstadt Dalian. Sie hatte eine Öl-Pipeline zerrissen, große Mengen der schwarzen Brühe liefen aus. Nur: Wie viel? Ein Bericht der staatlichen Zeitung "China Daily" klang alarmierend: Eine Meeresfläche von 366 Quadratkilometern sei betroffen. Das entspräche etwa zwei Dritteln der Fläche des Bodensees. An manchen Stränden sei der Sand bis in eine Tiefe von 30 Zentimetern verdreckt, Hunderte von Schiffen seien im Kampf gegen den Ölteppich im Einsatz.

Dennoch sprachen die Behörden am Ende von nur 1500 Tonnen ausgelaufenen Öls. Das, argwöhnt Greenpeace, dürfte bei weitem untertrieben sein. Die Umweltorganisation ließ den US-Experten Rick Steiner die Lage vor Ort prüfen. Steiner, der als renommierter Fachmann auf seinem Gebiet gilt, schätzte die Menge ausgelaufenen Öls auf 60.000 Tonnen - das Vierzigfache der offiziellen Zahl. "Ich habe Ölkatastrophen überall in der Welt gesehen. Und das hier ist eine große", sagte Steiner der "New York Times".

Nach Angaben von Greenpeace hat Steiner sogar konservativ geschätzt, da die Feuerwehr nach der Explosion mehrere von den Flammen bedrohte Öltanks habe auslaufen lassen. "Es ist mit Sicherheit die größte Ölpest in der Geschichte Chinas", sagte Steiner der britischen BBC.

Zwar wären die von Steiner geschätzten 60.000 Tonnen Öl, die in die Bucht von Dalian gelangt sein sollen, nur ein kleiner Teil der Menge, die bei der aktuellen Ölpest im Golf von Mexiko freigesetzt wurde. Da sich das Unglück allerdings direkt am Ufer ereignete, sind die Folgen in China weitaus deutlicher zu sehen. In dieser Hinsicht dürfte das Unglück an die Havarie des Tankers "Exxon Valdez" erinnern, bei der 1989 rund 37.000 Tonnen Öl eine Umweltkatastrophe im Prinz-William-Sund in Alaska verursachten.

Säuberung mit primitivsten Mitteln

Die Aufräumarbeiten in der Bucht von Dalian fanden nach Berichten lokaler und internationaler Medien unter teils primitivsten Bedingungen statt. Hauptsächlich seien es Fischer gewesen, die bei der Säuberung des Wassers und der Strände geholfen hätten, da viele von ihnen durch die Ölpest in ihrer Existenz bedroht seien. "Die Menschen hatten keine Schutzkleidung", sagte Steiner. "Einige waren krank von den giftigen Stoffen im Öl. Angesichts dessen ist es unglaublich, wie viel Öl sie mit ihren bloßen Händen, mit Schöpfkellen oder Bastmatten eingesammelt haben."

Die chinesischen Behörden gingen auf ihre Art mit der Ölpest um. Schon zehn Tage nach der Explosion sagte Li Wancai, der Bürgermeister von Dalian, man habe den Ölteppich vollständig beseitigt. Unterdessen lieferten Nachrichtenagenturen noch am 26. und 27. Juli teils spektakuläre Bilder von pechschwarzen Stränden und Helfern, die knietief im Öl stehen. Li Wancai ließ sich davon nicht beirren: "Dies ist ein Sieg", frohlockte er in der Zeitung "Dalian Daily News".

Umweltorganisationen sehen das freilich anders: Auch wenn der größte Teil des Öls beseitigt sei, bleibe ein immenser Schaden, sagte Greenpeace-Mitarbeiter Han Xu der "Los Angeles Times". Einige Buchten und Strände seinen "vollständig mit Öl bedeckt". Laut Greenpeace werden die Umweltschäden voraussichtlich noch 30 Jahre zu spüren sein. Behördenvertreter räumten ein, dass die Säuberung noch nicht abgeschlossen seien. Man gehe vom Ozean in Richtung Land vor, sagte Bürgermeister Li. Das Problem bei einer Ölpest sei: "Das Öl ist überall."

mbe
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