Charles Keeling tot Entdecker des Treibhauseffekts mit 77 Jahren gestorben

Fast jeder Klimaforscher stützt sich in seiner Arbeit auf die Messungen von Charles Keeling. Er wies als erster nach, dass der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre kontinuierlich steigt - und wurde so zum Entdecker des Treibhauseffekts. Nun ist Keeling im Alter von 77 Jahren gestorben.


Charles Keeling: Pionier der Klimaforschung
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Charles Keeling: Pionier der Klimaforschung

Keeling starb in seinem Sommerhaus in Montana an einem Herzanfall, teilte die Scripps Institution of Oceanography in San Diego mit, für die Keeling lange gearbeitet hatte.

Keeling war der erste Mensch, der den steigenden Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre exakt gemessen hat. Er begann mit seiner Forschung bereits 1955 - in einer Zeit, als Wissenschaftler dachten, die Abgase von Fabriken und Städten könnten keine Auswirkungen auf unser Klima haben.

Keelings kontinuierliche Messungen auf Hawaii widerlegten jedoch die Annahme, dass das Gas vollständig von Pflanzen und Ozeanen aufgenommen werde. Seine Daten zeigten nicht nur, dass sich der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre mit den Jahreszeiten veränderte, sondern auch, dass er durch den Gebrauch fossiler Brennstoffe über die Jahrzehnte hinweg ständig stieg.

Die Zahlen, auf denen die sogenannte Keeling-Kurve beruht, gelten heute als die "wichtigsten Umweltdaten des 20. Jahrhunderts", sagte Charles Kennel, Direktor des Scripps Institute of Oceanography, der "Washington Post". "Keeling war der lebende Beweis, dass ein Wissenschaftler die Welt verändern kann."

Heute gilt Kohlendioxid als eines der wichtigsten Treibhausgase, die für den Klimawandel und seine Folgen verantwortlich gemacht werden. Ohne Keeling wäre der Treibhauseffekt vermutlich erst 20 Jahre später erforscht worden, sagt Spencer Weart vom American Institute of Physics in College Park der "Washington Post".

Auch unter der Regierung von US-Präsident George W. Bush war Keeling bereit, öffentlich über die Folgen des Klimawandels zu sprechen. Ausgerechnet Bush - der die globale Erwärmung aufgrund menschlichen Einflusses als nicht erwiesen ansieht - verlieh dem Pionier der Klimaforschung 2002 die National Medal of Science, den höchsten Wissenschaftspreis, der in den USA für das Lebenswerk eines Forschers vergeben wird.

Keeling selbst war stets sehr vorsichtig bei der Interpretation seiner Daten. Seine Messungen waren immer so genau, dass es keine Kontroversen darüber gab, sagt sein Kollege Walter Munk, der jahrzehntelang mit Keeling am Scripps Institute gearbeitet hat, der "New York Times". "Er überdachte selbst jedes Detail seiner Experimente."



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