Chemieunfall Chinesische Millionenstadt zeitweise ohne Trinkwasser

Die chinesische Millionenstadt Jilin war mehr als einen Tag lang von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten. Nach heftigen Regenfällen und Überschwemmungen waren Behälter mit rund 500 Tonnen gefährlichen Chemikalien in einen Fluss gelangt.

AP

Peking - Der Songhua trug eine gefährliche Fracht. Regenfälle und anschließende Überschwemmungen haben nach Angaben chinesischer Medien dazu geführt, dass rund 3000 Fässer mit explosiven Chemikalien in dem Fluss unweit der Stadt Jilin schwammen. Dort wurde für mehr als einen Tag die Wasserversorgung für die mehr als vier Millionen Einwohner gestoppt.

Insgesamt seien 7000 Kanister einer Chemiefabrik in den Songhua gespült worden, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua. Rund 3000 dieser Fässer hätten die Chemikalie Chlormethan enthalten - insgesamt rund 500 Tonnen. Die anderen Fässer seien leer gewesen. In anderen Berichten vom Mittwoch war von einer weiteren Chemikalie die Rede gewesen, die bei Kontakt mit Wasser zu Säure werde.

Nach dem Unfall hatten die Behörden die Wasserversorgung Jilins gekappt, zunächst aber einen Zusammenhang mit den Ereignissen bestritten und von elektrischen Wartungsarbeiten gesprochen. Nach Angaben von Xinhua waren 200 Helfer im Einsatz, um die Behälter aus dem Fluss zu fischen. Bis Donnerstag seien 400 Kanister geborgen worden. Am Abend wurden die Wasserversorgung wieder angefahren.

In der flussabwärts gelegenen Stadt Harbin war es als Reaktion auf die ersten Nachrichten zu Panikkäufen von Trinkwasser in Flaschen gekommen. 2005 hatte sich in Jilin eine schwere Explosion in einem Chemiewerk ereignet. Dabei waren Tausende Tonnen gefährlicher Chemikalien in den Songhua gelangt. Millionen von Haushalten hatten damals tagelang kein Wasser.

Chinesisches Umweltministerium: Bisher keine Verunreinigungen

Diesmal scheint die Lage weniger dramatisch, zumindest nach Angaben der chinesischen Behörden. Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte, man habe im Flusswasser bisher keine Verunreinigungen feststellen können. Man werde die Messungen fortsetzen und die weiteren Entwicklungen genau beobachten.

Die Provinz Jilin ist das jüngste Opfer der schweren Überschwemmungen in China, bei der seit Mitte Juli mehr als 330 Menschen getötet wurden. Mindestens 300 weitere werden bis heute vermisst. In der Nähe der Stadt Kouqian lief am Mittwoch ein Staubecken über. In der Stadt stand das Wasser am Donnerstag bis zu drei Meter hoch. Mindestens 30.000 Menschen waren von der Außenwelt abgeschnitten.

Die chinesischen Behörden sorgen sich zudem weiterhin um die Standfestigkeit des riesigen Drei-Schluchten-Staudamms. In ihm steht das Wasser nach Xinhua-Angaben derzeit 158 Meter hoch. Der Stausee ist damit bereits zu 90 Prozent gefüllt.

chs/afp/reuters/apn



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