Chibanium Forscher geben Erdzeitalter neuen Namen

Forscher haben einen Teil des Pleistozäns nach der japanischen Präfektur Chiba benannt. Dort gewannen Experten einst spannende Informationen über unser Erdmagnetfeld.
Geologische Formation in der Stadt Ichihara: Eisenhaltige Mineralien richten sich am Erdmagnetfeld aus

Geologische Formation in der Stadt Ichihara: Eisenhaltige Mineralien richten sich am Erdmagnetfeld aus

Foto: Kaita Iijima/ AP

Die Zeitspanne von vor 770.000 bis vor 126.000 Jahren heißt nun offiziell Chibanium. Das berichtet unter anderem die "Washington Post"  unter Berufung auf ein Treffen der International Union of Geological Sciences (IUGS) im Januar. Inspiration für den Namen lieferte die japanische Präfektur Chiba im Osten des Landes.

Dort hatten Forscher vor Jahren Nachweise für die letzte bekannte Umkehr des Erdmagnetfeldes gefunden, die mit Beginn des nun benannten Chiba-Zeitalters stattgefunden hatte. Dabei wird aus dem magnetischen Nordpol der Erde der magnetische Südpol und umgekehrt.

Verantwortlich für den Wechsel sind heiße, flüssige Eisenmassen im Erdinneren. Aus dem Erdkern steigt ständig heißes Magma Richtung Erdmantel auf und kühlt ab. Die Erdrotation richtet die Eisenmassen in etwa parallel zur Erdachse nach Süden und Norden aus und erzeugt dabei einen Strom - ähnlich wie ein Dynamo. Dabei entsteht auch ein Magnetfeld, das die Erde vor Strahlung und Teilchenströmen aus dem All schützt (mehr dazu lesen Sie hier ).

Alle paar Hunderttausend Jahre polt sich das Magnetfeld um. Wann das der Fall war, verrät altes Lavagestein. Wenn das geschmolzene Gestein aus dem Erdinnern abkühlt, richten sich die eisenhaltigen Mineralien darin nach dem Magnetfeld aus. Die Gesteinsschichten in Chiba, entlang eines Kliffs am Yōrō River in der japanischen Großstadt Ichihara haben Geologen auf ein Alter von 774.000 Jahren datiert.

Das Magnetfeld der Erde schwächelt

Statistisch könnte uns bald wieder eine Magnetfeldumkehr bevorstehen. Tatsächlich schwächelt das Magnetfeld der Erde, der arktische Magnetpol wandert. 2019 mussten Geoforscher ihr Weltmodell anpassen, damit die Navigation mit Kompass weiter funktioniert. Würden sich die Magnetpole irgendwann gänzlich umkehren, wäre die Erde der kosmischen Strahlung in dieser Zeit verstärkt ausgesetzt, Satelliten und die Stromversorgung könnten ausfallen. Anschließend würden Kompassnadeln nach Süden zeigen statt nach Norden.

Forscher haben die gesamte 4,6 Milliarden Jahre alte Geschichte der Erde zur besseren Orientierung in Erdzeitalter aufgeteilt. Sie ordnen bestimmte Zeitabschnitte Erdschichten zu, die wiederum etwas über das Klima, die Flora und Fauna zur jeweiligen Zeit verraten. So gibt es beispielsweise auch einen Namen für den Zeitraum, in dem sich das grönländische Eisschild entwickelt hat: Piacenzium.

Das nun benannte Chibanium wurde zuvor Mittelpleistozän genannt. Forscher diskutierten auch den Namen Ionium, weil am Ionischen Meer, einem Teil des Mittelmeers, zahlreiche Erdschichten aus der Zeit untersucht wurden. Japanische Forscher hatten der IUGS im Juni 2017 Chibanium als Namen vorgeschlagen.

Das Zeitalter endet mit dem Beginn der Eem-Warmzeit, der letzten Warmzeit vor dem heutigen Holozän.

jme
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