Geheimnisvolles Fossil Forscher untersuchen Mini-Affen mit Superhirn

Kein Tier gilt als so intelligent wie der Mensch. Nun haben Wissenschaftler den 20 Millionen Jahre alten Schädel eines Äffchens analysiert, der unserem auffällig ähnelt.

Der 20 Millionen Jahre alte Schädel soll die Evolution des Gehirns entschlüsseln
AMNH/ N. Wong and M. Ellison

Der 20 Millionen Jahre alte Schädel soll die Evolution des Gehirns entschlüsseln


Rein praktisch betrachtet ist das menschliche Gehirn eine miese Erfindung der Evolution. Obwohl es nur zwei Prozent der Masse ausmacht, verschlingt es 20 Prozent der aufgenommenen Kalorien. Forscher rätseln seit Langem, wie ein augenscheinlich so ineffizientes System zum Erfolg werden konnte. Nun sind sie der Aufklärung ein Stück nähergekommen.

Antworten liefert der winzige Schädel eines Äffchens, das vor 20 Millionen Jahren durch die Anden im heutigen Chile streifte. Wissenschaftler wissen nur wenig über Chilecebus carrascoensis, einen der frühesten Vertreter der Neuweltaffen. Bekannt ist die Art vor allem durch ebenjenen gut erhaltenen Schädel, der in den Neunzigerjahren am Rio de las Lenas entdeckt wurde und nur wenige Zentimeter misst.

Gehirn-Evolution komplizierter als gedacht

Nun haben Experten der chinesischen Akademie in Peking das Fossil zum ersten Mal digital nachgebaut, wie sie im Fachblatt "Science Advances" berichten. Besonders das Innere des Schädels verrät den Forschern Details des Affenhirns - Nerven, Blutgefäße, selbst Hirnfurchen sind zu erkennen. Die Analyse beweist: Das Gehirn mag klein gewesen sein, doch es war deutlich weniger primitiv als gedacht und stellt bekannte Theorien zur Evolution des Gehirns in Frage.

Bisher waren Forscher davon ausgegangen, die Entwicklung gleiche einer Einbahnstraße: Das Primaten-Gehirn und seine Areale wuchsen stetig und gleichmäßig. Doch der Schädel von Chilecebus carrascoensis zeigt: Die Geschichte der Evolution ist offenbar komplizierter.

Die Vergrößerung des Gehirns hat offenbar mehrfach stattgefunden - die einzelnen Areale sind mal gewachsen, mal geschrumpft. Statt einer Einbahnstraße ähnele die Evolution des Gehirns einem Mosaik, berichten die Forscher. Das große Gehirn ist demnach keine Errungenschaft einer einzelnen Affenart, die sie an alle Nachkommen weitergegeben hat.

CT-Aufnahme des Affenkopfs
Xijun Ni and AMNH

CT-Aufnahme des Affenkopfs

Auch das Gehirn des Anden-Äffchens ist erstaunlich komplex, obwohl es mit dem Menschen nur sehr weit entfernt verwandt ist. So gehört Chilecebus carrascoensis zu den Neuweltaffen, homo sapiens dagegen zu den Altweltaffen. Die Ähnlichkeit zwischen dem Affen- und Menschenschädel ist deshalb zufällig.

koe



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