Chile Gletscher schmilzt mit Rekordgeschwindigkeit

Zeitrafferaufnahmen chilenischer Forscher haben eine dramatische Entwicklung offenbart: Der Jorge-Montt-Gletscher schrumpft rapide, ein ganzer Kilometer war es im letzten Jahr. Das Rekordtempo schreiben die Wissenschaftler dem Klimawandel zu - und einem ganz speziellen Umstand.

AFP/ Centro de Estudios Cientificos

Santiago - Wer schon einmal auf einem Gletscher gewandert ist, der weiß, wie winzig man sich als Mensch auf dem riesigen Eispanzer fühlen kann. Je nachdem, wo der Marsch stattgefunden hat, dürften die Bergführer auch darüber berichtet haben, dass man vor einigen Jahren die Steigeisen schon viel früher anlegen musste. Viele der Gletscher auf unserer Erde ziehen sich zurück, weil ihnen der Klimawandel zu schaffen macht.

Doch was mit dem Jorge-Montt-Gletscher in Chile passiert, ist trotz allem etwas Besonderes: Wissenschaftler haben nun eine Serie von Zeitraffer-Aufnahmen veröffentlicht, die zeigt, mit welch erschreckendem Tempo der patagonische Eisriese rund 1800 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago verschwindet. Der chilenische Glaziologe Andrés Rivera vom Centro de Estudios Científicos in Valdivia sagte, die Gletscherzunge sei zwischen Februar 2010 und Januar 2011 um einen ganzen Kilometer an Länge zurückgegangen. Der noch 454 Quadratkilometer große Jorge Montt sei damit der am schnellsten schmelzende Gletscher im Land.

Die Wissenschaftler hätten nicht gewusst, wie schnell sich der Gletscher zurückzieht, bis sie zwei solarbetriebene Kameras aufgestellt hätten, sagte Rivera. Diese hätten vier Bilder pro Tag gemacht. Insgesamt entstanden 1445 Aufnahmen. Man habe in dem Jahr während der Arbeit mit den Kameras nicht erwartet, dass der Gletscher sich um einen ganzen Kilometer zurückziehen würde, erklärte der Forscher. "Das war eine Überraschung."

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Jorge-Montt-Gletscher: Schrecklich schnelle Schmelze
An vielen Orten der Welt sorgen sich die Wissenschaftler um die Zukunft der Gletscher. Experten des Uno-Umweltprogramms (Unep) hatten vor einem Jahr vor einem umfassenden Gletscherschwund auf der Erde gewarnt. Für die europäischen Alpen gibt es Prognosen, die bis zum Ende des Jahrhunderts einen Gletscher-Rückgang um 75 Prozent vorhersehen. Und Neuseeland würde demnach 72 Prozent seiner Eisflächen verlieren.

Der Trend ist allerdings nicht überall gleich stark ausgeprägt, manche Gletscher wachsen sogar. Zuletzt hatten sich allerdings auch die bis dahin eher zurückhaltenden Forscher aus China mit alarmierenden Prognosen an die Öffentlichkeit gewagt: Die Gletscher in den Bergregionen Südwestchinas hätten wegen "beträchtlicher Temperatursteigerungen" einen "drastischen Rückgang" hinnehmen müssen, berichteten sie. Die 999 Gletscher im Pengqu-Becken des Himalaja etwa hätten zwischen 1970 und 2001 insgesamt 131 Quadratkilometer Fläche und zwölf Kubikkilometer Masse verloren.

Allgemeine Aussagen zum Schicksal der Gletscher auf der Erde sind schwierig. Es gilt stets, die verschiedenen Bedingungen vor Ort in Betracht zu ziehen. An den Veränderungen sind nicht nur steigende Temperaturen Schuld, sondern oft auch lokale geografische Bedingungen. Und so darf auch das Schicksal des Jorge-Montt-Gletschers in Chile nicht verallgemeinert werden - zumal der schon seit geraumer Zeit den Rückwärtsgang eingelegt hat: Auf Grundlage einer Karte von 1898 sei davon auszugehen, dass der Jorge Montt seitdem 19,5 Kilometer an Länge verloren habe, sagte Rivera. In den neunziger Jahren habe es ebenfalls eine Phase des schnellen Gletscherschwunds gegeben. Damals sei die Zunge um etwa sieben Kilometer zurückgewichen.

Eine Ursache für den Schwund des Eises sei die Erderwärmung, so der chilenische Forscher. Das besonders schnelle Abschmelzen gehe jedoch auch auf die Tatsache zurück, dass der Gletscher zum Teil in den Gewässern eines Fjords aufliege. Und dort steigt der Meeresspiegel, was die Gletscherzunge besonders großen Belastungen aussetzt und abbrechen lässt. Die Forscher haben deswegen eine stark zunehmende Zahl von Eisbergen in dem Fjord beobachtet.

chs/dapd

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Seite 1
cottoner 08.12.2011
1. Erderwaermung
und steigender Meeresspiegel. Beides haengt zusammen und zeigt, auf was wir uns weltweit einstellen muessen. Die Zeit des Verleugnens ist vobei, Tatsachen zaehlen. Wir saegen mit voller Kraft an dem Ast auf dem wir "noch" sitzen.
sorum11 08.12.2011
2. Unsinn
Zitat von cottonerund steigender Meeresspiegel. Beides haengt zusammen und zeigt, auf was wir uns weltweit einstellen muessen. Die Zeit des Verleugnens ist vobei, Tatsachen zaehlen. Wir saegen mit voller Kraft an dem Ast auf dem wir "noch" sitzen.
Ihnen dürfte nicht entgangen sein, dass die Staaten pleite sind und uns unter nicht beweisbaren Mythen teures Benzin und grüne Aufkleber oder Energiehäuser aufzwingen. Was Ihnen aber entgangen ist, ist die Tatsache, dass die Erde bereits zweimal in ihrer Geschichte völlig mit Eis und Gletschern überzogen war, auch die Äquator-Region, auch wenn das hunderte Millionen Jahre her ist. Wir bewegen uns außerdem mit durchschnittlich 107.000 km pro Stunde (!) durchs Weltall - und da meinen Sie, wir unwichtigen Menschen und die paar Methan-Kühe hätten irgendeinen Einfluss auf Eis, Gletscher & Co?
günter1934 08.12.2011
3. Zwei Gründe
Zitat von sysopZeitrafferaufnahmen chilenischer Forscher haben eine dramatische Entwicklung offenbart: Der Jorge-Montt-Gletscher schrumpft rapide, ein ganzer Kilometer war es im letzten Jahr. Das Rekordtempo schreiben die Wissenschaftler dem Klimawandel zu - und einem ganz speziellen Umstand. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,802509,00.html
Wenn ein Gletscher wächst oder schwindet, so kann das zwei verschieden natürliche Gründe haben. Einmal eine Änderung der Temperatur, zum Zweiten eine Änderung der Niederschlagsmenge im Einzugsgebiet. Ausserdem gehen Gletscher zurück wegen Verschmutzung der Oberfläche durch Russ etc, also Industriedreck. Dadurch wird das Albedo, die Abstrahlung, verringert. Drittens ist auch das IPCC schuld, die hatten ja das Ende der Himalaja - Gletscher für das Jahr 2035 vorhergesagt.
sample-d 08.12.2011
4. |||||
Zitat von sorum11Ihnen dürfte nicht entgangen sein, dass die Staaten pleite sind und uns unter nicht beweisbaren Mythen teures Benzin und grüne Aufkleber oder Energiehäuser aufzwingen. Was Ihnen aber entgangen ist, ist die Tatsache, dass die Erde bereits zweimal in ihrer Geschichte völlig mit Eis und Gletschern überzogen war, auch die Äquator-Region, auch wenn das hunderte Millionen Jahre her ist. Wir bewegen uns außerdem mit durchschnittlich 107.000 km pro Stunde (!) durchs Weltall - und da meinen Sie, wir unwichtigen Menschen und die paar Methan-Kühe hätten irgendeinen Einfluss auf Eis, Gletscher & Co?
Sie vermuten einen Zusammenhang zwischen der Bahngeschwindigkeit der Erde und dem Weltklima ? Na das ist ja mal ein ganz interessanter und innovativer Ansatz :)
Aquifex 08.12.2011
5.
Zitat von sysopZeitrafferaufnahmen chilenischer Forscher haben eine dramatische Entwicklung offenbart: Der Jorge-Montt-Gletscher schrumpft rapide, ein ganzer Kilometer war es im letzten Jahr. Das Rekordtempo schreiben die Wissenschaftler dem Klimawandel zu - und einem ganz speziellen Umstand. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,802509,00.html
....und wenn der Gletscher auf diesen 1400 Fotos gewachsen wäre, wäre das entweder überhaupt nicht in die Nachrichten gelangt, oder als "Wetterphänomen" abgetan worden. Ist schon seltsam: Wenn sich innerhalb eines Jahres was in Richtung warm entwickelt, ist das der Vorbote der Apokalypse. Alles andere ist Wetter....
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