Wegen anhaltender Unruhen Chile sagt Weltklimakonferenz ab

Chile hat die Ausrichtung der Weltklimakonferenz im Dezember abgesagt. Staatschef Sebastián Piñera begründete die Entscheidung mit den anhaltenden Unruhen. Teilnehmerländer reagierten überrascht.

Demonstranten in Santiago de Chile
Henry Romero/ REUTERS

Demonstranten in Santiago de Chile


Eigentlich sollte im Dezember die nächste Uno-Klimakonferenz in Santiago stattfinden, doch nun hat der chilenische Staatschef Sebastián Piñera das Treffen kurzfristig abgesagt. Der Grund: In dem Land herrschen seit Tagen große soziale Proteste. Auch das in Chile geplante Gipfeltreffen des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) wird nicht stattfinden.

"Angesichts der schwierigen Umstände, die unser Land in den letzten Wochen erlebt, hat unsere Regierung beschlossen, den Apec-Gipfel im November und die COP25 im Dezember nicht zu veranstalten", sagte Staatschef Sebastián Piñera. Die Regierung müsse sich vorwiegend der Befriedung und der Ausarbeitung von Reformen widmen, die den Forderungen der Protestwelle gerecht würden.

Weißes Haus erfuhr aus Presse von der Absage

Die Demonstranten fordern Piñera zum Rücktritt auf und eine grundlegende Änderung der Wirtschaftspolitik der chilenischen Regierung, die sie für die soziale Misere weiter Bevölkerungskreise verantwortlich machen.

Am Freitag hatte es in der Hauptstadt Santiago de Chile und mehreren anderen Städten Massenproteste mit mehr als einer Million Teilnehmern gegeben. Die Demonstrationen zählten zu den größten in der Geschichte des Landes. Sie waren durch eine Erhöhung der Preise für U-Bahn-Tickets ausgelöst worden.

Die Klimakonferenz der Uno findet jedes Jahr statt. Sie dient dazu, die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens voranzutreiben. Vergangenes Jahr waren im polnischen Katowice mehr als 20.000 Teilnehmer angereist. Ob die Klimakonferenz abgesagt oder an einen anderen Ort verlegt wird, ist noch unklar.

"Eine Entscheidung, die viel Schmerz verursacht"

Die Absage kam offenbar selbst für die Teilnehmerländer überraschend. Die USA hätten erst aus den Nachrichten von der Entscheidung erfahren, teilte ein Vertreter des Weißen Hauses der Nachrichtenagentur Reuters mit.

"Soeben sind wir informiert worden, dass Präsident Piñera entschieden hat, die COP25 in Santiago de Chile abzusagen", teilte Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth auf Twitter mit. "Wir sind im Kontakt mit dem Uno-Klimasekretariat und der polnischen COP24-Präsidentschaft, um die Situation zu beraten."

Der Apec-Gipfel sollte am 16. und 17. November und die Uno-Konferenz vom 2. bis 13. Dezember in dem südamerikanischen Land stattfinden. "Es war eine sehr schwierige Entscheidung, eine Entscheidung, die viel Schmerz verursacht, weil uns die Wichtigkeit der Apec und COP-25 für Chile und die Welt vollkommen bewusst ist", sagte Piñera.

Im Verlauf der politischen Unruhen in Chile wurden mindestens 20 Menschen getötet und fast 600 weitere verletzt. Es gab mehr als 3000 Festnahmen. Eine Uno-Sondermission prüft Vorwürfe wegen Menschenrechtsverletzungen.

Die Regierung erklärte den Ausnahmezustand und verhängte Ausgangssperren in der Hauptstadt Santiago und weiteren Regionen Chiles. Am Samstag reagierte der Präsident schließlich auf die Protestbewegung und kündigte eine Neuaufstellung seines Kabinetts an, um "die neuen Herausforderungen bewältigen zu können". Noch am Montag hatte er den Ausnahmezustand für beendet erklärt.

koe/AFP/dpa/Reuters



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