Chimärismus Affen vererben Gene ihrer Geschwister

Krallenaffen sind für ihr besonders soziales Verhalten bekannt. Wissenschaftler glauben, dass dies mit einer Besonderheit ihrer Fortpflanzung zusammenhängt: Die Tiere können das Erbgut ihrer Geschwister weitergeben, das sie zusätzlich zum eigenen in ihrem Körper tragen.


Krallenaffen kommen in der Regel als zweieiige Zwillinge zur Welt und besitzen häufig auch Blutkörperchen, in denen die Erbinformation ihrer Zwillingsgeschwister gespeichert ist. Solche Lebewesen, die nicht im ganzen Körper das gleiche Erbgut tragen, werden Chimären genannt und entstehen, wenn es bei der frühen Entwicklung im Mutterleib zu einem Austausch von Körperzellen zwischen Zwillingsgeschwistern kommt.

Krallenaffen: Männchen kümmern sich um Nachwuchs der ganzen Sippe
Jeffrey E. Fite / PNAS

Krallenaffen: Männchen kümmern sich um Nachwuchs der ganzen Sippe

Corinna Ross und ihre Kollegen von der University of Nebraska in Lincoln konnten nun zeigen, dass sich der Chimärismus bei den Äffchen nicht auf das Blut beschränkt. Sie untersuchten die in Brasilien beheimatete Krallenaffenart namens Kuhls Büschelaffe mit genetischen Methoden - ähnlich dem Vaterschaftstest bei Menschen.

Bei rund der Hälfte der untersuchten Tiere fanden die Wissenschaftler fremdes Erbgut in weiteren Körperorganen oder Geschlechtszellen wie Spermien und Eiern. So geben die Büschelaffen mitunter statt ihrer eigenen die Erbinformation ihrer Geschwister an die Nachkommen weiter, wie die Forscher in fünf von 15 untersuchten Affenfamilien nachweisen konnten.

Die Männchen sind sich also im Unklaren über ihre Vaterschaft. Doch sie erkennen sich mitunter in den Nachkommen ihrer Brüder, berichtet das Team von Ross in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Online-Vorabveröffentlichung). Den Wissenschaftlern zufolge könnte dies im Allgemeinen das äußerst soziale Verhalten der Krallenaffen erklären, die die meiste Zeit des Tages mit der gegenseitigen Körperpflege verbringen, und im Besonderen die Fürsorge der Männchen, die sich ausgiebig um den Nachwuchs der ganzen Sippe kümmern.

Während Blutchimärismus auch bei anderen Säugetieren und dem Menschen vorkommt, ist die Weitergabe von chimärer Erbinformation an die Nachkommen bei keiner anderen Affenart bekannt. Von früheren Untersuchungen wissen Forscher, dass etwa Rinder, Katzen und auch Menschen mit chimären Geschlechtszellen in der Regel nicht fruchtbar sind.

hda/ddp



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