Umweltschutzprogramm Chinas Luft wird besser

Die Luftqualität in China gilt als miserabel. Doch einer neuen Studie zufolge ist das Land inzwischen auf einem guten Weg. Nach der Plan-Wirtschaft wirkt nun offenbar der Plan-Umweltschutz.

Wärmekraftwerk in China
Ling Tang/ Jiabao Qu/ Zhifu Mi/ Xin Bo/ Xiangyu Chang/ Laura Diaz Anadon/ Shouyang Wang/ Xiaoda Xue/ Shibei Li/ Xin Wang/ Xiaohong Zhao

Wärmekraftwerk in China


Wenn es um saubere Luft geht, denkt man normalerweise nicht an China. Die rasend schnelle Industrialisierung hat zwar die Wirtschaft des Landes angekurbelt, der Umwelt jedoch geschadet.

Im Jahr 2014 hat eine Studie gezeigt, dass nur in drei von 74 untersuchten Orten die vom Staat festgelegten Höchstwerte für Luftschadstoffe eingehalten wurden. Die Verschmutzung, so war damals aus der Umweltschutzbehörde zu hören, sei eben der Preis für das Wirtschaftswachstum. Inzwischen hat die kommunistische Führung umgedacht.

Dass nach der Plan-Wirtschaft nun der Plan-Umweltschutz Wirkung zeigt, unterstreicht eine neue Studie. Forscher haben die Emissionen von Wärmekraftwerken in China untersucht - sie gelten als größter Faktor für die Luftqualität. Das Ergebnis: Laut Zhifu Mi vom University College London sind die Emissionen solcher Wärme- und Energieerzeuger zwischen 2014 und 2017 stark zurückgegangen.

Untersucht haben die Forscher Kraftwerke, die mit Kohle, Öl, Erd- und Biogas Energie erzeugen. Die jährlichen Schwefeldioxid-, Stickoxid- und Feinstaubemissionen sind im Untersuchungszeitraum demnach zwischen 65 und 72 Prozent gesunken, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Energy".

2014 lagen die Werte noch bei 2,2 (Schwefeldioxid), 3,1 (Stickoxid) und 0,5 (Feinstaub) Millionen Tonnen pro Jahr. 2017 erreichten sie geringere Mengen: Etwa 0,8 (Schwefeldioxid), 1,3 (Stickoxid) und 0,1 (Feinstaub) Millionen Tonnen pro Jahr wurden emittiert.

Wärmekraftwerke gehören weltweit zu den größten Luftverschmutzern

Hinter den geringeren Emissionen bei Wärmekraftwerken steckt ein Programm, das vorsieht, bis 2020 die Luftschadstoffe chinesischer Anlagen weiter zu reduzieren. "Das sind ermutigende Nachrichten aus China", schreiben die Forscher. Wärmekraftwerke - vor allem mit dem Brennstoff Kohle - gehörten weltweit zu den größten Luftverschmutzern. Untersuchungen hatten gezeigt, dass die schlechte Luft Menschen viele Lebensjahre kosten kann.

Noch vor einigen Jahren waren Forscher mit Blick auf die Wärmekraftanlagen pessimistisch, dass sich die Luftqualität in China deutlich verbessern würde. Solche Schätzungen stammten aber noch aus der Zeit vor der Einführung der Umweltregeln, schreiben die Forscher. Für die neue Studie wurden erstmals Daten des Emissionsüberwachungssystems (CEMS) genutzt. Dieses liefert sehr genaue Ergebnisse, die Schadstoffmengen werden im Stundentakt erfasst.

Chinas Bemühungen dürften auch dem Klima guttun. In diesem Bereich hat sich das Land ebenfalls verbessert. Es führt mit seinen mehr als eine Milliarde Einwohnern zwar immer noch die Liste der größten CO2-Sünder an. Doch das Land will seine Klimaschutzbemühungen verstärken und das Klimaabkommen von Paris erfüllen.

Erst vor wenigen Wochen hat eine Studie gezeigt, dass die CO2-Emissionen schon deutlich früher als geplant sinken könnten. Demnach sei der maximale CO2-Ausstoß schon zwischen 2021 und 2025 erreichbar und nicht erst 2030.

Allerdings dämpften unabhängige Experten die Erwartungen. Es gebe bei der Berechnung immer noch Unsicherheiten, hieß es. Weitere Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen werden notwendig sein. Nicht nur in China.

joe



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