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Studie zur Umweltverschmutzung: Aussichtslose Lage

Foto: ALEX LEE/ REUTERS

Studie zur Umweltverschmutzung Chinas Städte ersticken

Eine Untersuchung in chinesischen Städten zeigt das verheerende Ausmaß der Umweltverschmutzung: Nur drei Orte von 74 blieben demnach unter den staatlichen Grenzwerten, der Rest kämpft mit dem Smog. Die Regierung will nun einigen Regionen helfen - zu Lasten anderer Landesteile.

Peking - Die Worte von Chinas Regierungschef klangen drastisch. Er erkläre "der Verschmutzung den Krieg", sagte Li Keqiang am Mittwoch in einer Rede vor dem Nationalen Volkskongress. Doch der Gegner scheint momentan übermächtig: Laut einer Studie, in der Peking die Luftqualität von 74 Städten untersucht hat, wurden in fast allen Kommunen die vom Staat festgelegten Höchstwerte überschritten.

71 der analysierten Orte hatten im vergangenen Jahr demnach mit Verschmutzungsproblemen zu kämpfen, sagte der Vizechef der chinesischen Umweltschutzbehörde, Wu Xiaoqing, bei einer Rede vor dem Parlament am Samstag. Die einzigen Städte, die die Standards erfüllten, seien Haikou in der Inselprovinz Hainan, die tibetische Hauptstadt Llasa sowie der Küstenort Zhoushan im Südosten des Landes.

Wu sagte bei der Präsentation der erschreckenden Zahlen, dass sich Chinas Umweltprobleme nur durch einen Strategiewechsel bei der Wirtschaftsentwicklung des Landes erreichen ließen. "Die Verschmutzung ist der Preis, den wir für das Wirtschaftswachstum zahlen mussten, und dieser Preis ist sehr hoch", sagte er.

Im Sinne der "Kriegserklärung" des Premierministers arbeitet das Parlament laut Wu derzeit an neuen Gesetzen, die dem Umweltschutz dienen sollen. Unter anderem sollen Unternehmen, die Umweltauflagen nicht erfüllen, höhere Strafen zahlen.

Die Probleme sollen von Osten nach Westen verlegt werden

Der Plan konzentriert sich vor allem auf die Industrieregionen um Peking, Hebei und Tianjin sowie auf die Wirtschaftszentren Shanghai und Guangdong. Dort soll unter anderem die Energieproduktion durch Kohle verringert werden.

Umweltschützer befürchten jedoch, dass diese Strategie die Lage im Land noch verschlimmert: Statt die Wurzel des Übels zu bekämpfen, so die Sorge, werden die Probleme in andere Teile Chinas getragen. Vor allem große Regionen mit reichen Reserven an fossilen Brennstoffen wie die Innere Mongolei, Ningxia und Xinjiang seien dabei in Gefahr.

"Die Ankündigung des Premierministers macht zwar den Leuten Hoffnung, die in smogverseuchten Gegenden leben", sagte der Greenpeace-Aktivist Huang Wei in Peking. "Aber es wäre noch besser, wenn die Regierung einsehen würde, dass die Situation auch an Orten schlimm ist, auf die sich der Plan nicht bezieht."

Laut Angaben des Vizechefs der Umweltbehörde machen die drei Regionen, auf die sich der Plan konzentriert, nur acht Prozent der Fläche Chinas aus. Gemessen an der Gesamtproduktion werde dort 40 Prozent des Stahls, 55 Prozent des Betons und 52 Prozent an Benzin und Diesel hergestellt. Statt in den östlichen Regionen sollen Produktionsstätten demnach mehr in den Westen Chinas verlagert werden.

Offenbar dürfen die Unternehmen dort zum Start erst einmal mit weniger Restriktionen rechnen, was den Umweltschutz betrifft: "Wir hoffen, dass in diesen Regionen dann ebenfalls noch strikte Regeln geschaffen werden", sagte Wu.

cst/Reuters