Klimawandel Vor Chinas Küste steigt der Meeresspiegel ungewöhnlich schnell

Um 1,1 Grad hat sich die globale Temperatur bereits erhöht, in der Folge steigt weltweit der Meeresspiegel. China ist davon besonders betroffen. Fachleute haben mögliche Gründe analysiert.
Küste von Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong

Küste von Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong

Foto: STR / AFP

Mit dem Anstieg der globalen Temperatur steigt weltweit auch der Meeresspiegel. China ist davon besonders stark betroffen, zeigt eine Auswertung von Sensor- und Satellitendaten im »Journal of Geophysical Research: Oceans« . Laut Fachleuten tragen dazu verschiedene Faktoren bei. Zunächst hatte der »Guardian«  berichtet.

Im Mittel hebt sich das Meer vor Chinas Küste laut der Analyse 3,9 Millimeter im Jahr, an manchen Stellen sind es gar 5 Millimeter. Zum Vergleich: Weltweit lag der Anstieg im Mittel der Jahre 2006 bis 2015 bei 3,6 Millimetern jährlich, von 1901 bis 1990 waren es noch nur 1,4 Millimeter pro Jahr. Der globale Meeresspiegel wächst also immer schneller.

Mehrere mögliche Gründe

Auf den ersten Blick erschließen sich die regionalen Unterschiede beim Meeresspiegelniveau kaum. Die Ozeane sind miteinander verbunden – es findet Wasseraustausch statt. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, berichten die Fachleute um Dongxu Zhou vom Ministerium für natürliche Ressourcen in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong.

Sie sehen mehrere mögliche Ursachen für den überdurchschnittlichen Meeresspiegelanstieg entlang Chinas Küste. So habe sich das Meer in der Region auch stärker erwärmt als im globalen Mittel. »Steigende Temperaturen führen zu einer Ausdehnung von Wasser und einem höheren Meeresspiegel, selbst wenn die Masse gleich bleibt«, heißt es in der Studie.

Zugleich hat der Luftdruck in der Region laut der Analyse der Fachleute abgenommen. Im Zeitraum von 1980 bis 2019 um 1,6 Pascal pro Jahr. Je weniger Luftdruck auf dem Ozean lastet, umso stärker kann er sich ausbreiten.

Zusammengenommen könnten die Erwärmung des Oberflächenwassers und der Druckabfall entlang der chinesischen Küste einen Anstieg des Meeresspiegels von 1,5 Millimetern im Jahr in der Zeit zwischen 1993 und 2019 erklären, so das Forschungsteam.

Wassereintrag aus Flüssen, Wind und Strömungen

Auch nimmt laut der Auswertung die Wassermenge zu, die aus chinesischem Flüssen ins Meer vor der Küste gelangt. »China hat einige der größten Flüsse weltweit«, schreibt das Fachteam und nennt den Jangtse, den Gelben Fluss und den Perlfluss. Auch das trage zum Meeresspiegelanstieg bei.

Es gibt auch regionale Besonderheiten. So steigt der Meeresspiegel laut Studie ganz besonders vor der Küste Ostchinas. Wind drücke verstärkt Wasser in diese Region.

Hinzu kämen Strömungen aus der Formosastraße, einer Meerenge, die auch als Taiwanstraße bezeichnet wird, die mit dem sogenannten Kuroshio interagieren, einer Meeresströmung im westlichen Pazifik. Auch das beeinflusst laut Auswertung den Meeresspiegel an Chinas Ostküste.

Der besonders starke Meeresspiegelanstieg in China ist auch deshalb ein Problem, weil ungefähr 40 Prozent der dortigen Bevölkerung in niedrig gelegenen Küstengebieten leben.

jme
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